Richtig klonen aber wie? Methoden des Stecklingsschneidens

February 6th at 6:14am Tasha Maxwell

In der Pflanzenzucht stellt das Klonen eine gängige Methode zur Vermehrung von Pflanzen dar. Durch das Schneiden von Klonen, die auch als Stecklinge bezeichnet werden, ist es möglich, Pflan­zen zu kultivieren, deren Eigenschaften bereits vor dem Anbau bekannt sind. So werden Stecklinge, die von einer weiblichen Pflanze geschnitten wurden, dieselben Eigenschaften aufwei­sen, wie diese ursprüngliche Pflanze. Sie werden also ebenfalls weiblich und auch sonst eine exakte genetische Kopie der Mut­terpflanze sein.

Im Cannabisanbau macht man sich dies zu Nutze, denn das erlaubt dem Gärtner eine bessere Kontrolle des Ernteertrags und spart wertvolle Zeit, die bei aus Samen gezogenen Pflanzen für die Bestimmung des Geschlechts investiert werden müsste. Auch wenn heutzu­tage die Verwendung von feminisierten Sa­men die Geschlechtsbestimmung weitgehend überflüssig macht, da aus diesem Saatgut mit hoher Wahrscheinlichkeit weibliche Pflanzen entstehen, hat die Verwendung von Steck­lingen den Vorteil, dass sie deutlich weniger Zeit benötigen. Samen, egal ob feminisiert oder regulär, müssen immer erst keimen und die jungen Sämlinge einige Zeit wachsen, be­vor sie in die Blüte geschickt werden können.

Obwohl Klone eine genetische Kopie der Mutterpflanze sind, können auch bei ihnen ­selbst wenn sie von derselben Pflanze stam­men — gewisse Variationen auftreten. Diese Variationen, die sich etwa in einem unglei­chen Wuchs äußern, lassen sich auf kleine Unterschiede in ihrer Umgebung, insbeson­dere auf ungleich verteilte Nährstoffe, zurück­führen. Mit den vererbten Genen der Mutter­pflanze hat dieses Phänomen in Regel nichts zu tun.

Bevor mit der Stecklingsproduktion begon­nen werden kann, muss zunächst eine starke, vitale weibliche Pflanze gefunden werden. Dazu werden Samen zum Keimen gebracht und bei 18 Stunden Licht pro Tag einige Zeit wachsen gelassen. Werden keine feminisier­ten Samen eingesetzt, muss das Geschlecht jeder einzelnen Pflanze bestimmt werden. Dazu wird von jeder Pflanze ein Steckling zum Testen geschnitten, der nach dem Durchwur­zeln in die Blüte geschickt wird. Nach ein paar Tagen zeigen sich — hoffentlich — Blütenansät­ze und offenbaren somit, dass es sich um eine weibliche Pflanze handelt. Sollten sich Pollen­säckchen bilden, es also eine männliche Hanf-pflanze sein, kann man diesen Steckling und die dazugehörige junge »Mutter« nur noch entsorgen, denn männliche Pflanzen bilden keine Blüten und somit kaum Wirkstoffe.

Hat man sich erstmal für eine starke weib­liche Pflanze entschieden, könnten theore­tisch sofort die ersten Stecklinge geschnitten werden. Mutterpflanzen können in jedem Al­ter Stecklinge liefern, jedoch habe ich die Er­fahrung gemacht, dass die Pflanzen stabiler und stärker sind, und so mit dem Stress des Stecklingsschneidens besser klar kommen, wenn sie bereits einige Monate alt sind. Die Mutterpflanzen bleiben die ganze Zeit in der vegetativen Phase. Sollte eine Pflanze zu ei­ner Mutter gemacht werden, die bereits in die Blüte gegangen ist, macht das nur Sinn, wenn diese Pflanze höchstens in der zweite Blüte­woche war. Danach stellt sich der Stoffwech­sel der Pflanze zu sehr auf die Blütephase um, was die Stecklinge in Mitleidenschaft ziehen würde.

Es ist nicht zwingend notwendig, eine Mutter­pflanze aus Samen zu ziehen. Es funktioniert auch, einen Steckling von einer bereits ge­klonten Pflanze zu nehmen. Sollte dies immer wieder gemacht werden, müssen die Pflanzen, ihr Wachstum und ihr Ertrag genau beobach­tet werden, denn von Generation zu Generati­on kann die Genetik degenerieren. Sobald die ersten Anzeichen von schlechterer Vitalität oder Ertrag auftauchen, empfiehlt es sich, frische Genetik in Form von neuen Müttern zu verwenden. Nach meiner Erfahrung hat es sich bewährt, eine Mutterpflanze permanent in der vegetativen Phase zu halten, die somit immer wieder frische und ge­sunde Stecklinge liefern kann.

Die Standart-Kloningmethode

Benötigtes Zubehör:

1.Eine scharfe Rasierklinge oder Schere

2.Behälter mit Bewurzelungs-Gel

3.Wurzelmedium

4.Durchsichtiger Plastik-Propagator/Gewächshaus mit Deckel

5.Sprühflasche

Zuerst wird ein vitaler Trieb der Mutterpflanze aus­gewählt; er sollte mindestens 5 cm lang sein, län­ger wäre in diesem Fall besser. Um den Trieb von der Mutterpflanze abzuschneiden, sollte entwe­der eine sterilisierte Rasierklinge oder eine sehr scharfe Schere benutzt werden. Der Trieb wird so nah wie möglich an einem Wachstumsknoten abge­schnitten. Die Mutterpflanze wird anschließend aus diesem Wachstumsknoten zwei neue Triebe entste­hen lassen, und so die Zahl der Stecklinge verdop­peln, die beim nächsten Mal geschnitten werden können.

Der Stängel des frisch geschnittenen Stecklings wird noch einmal mit einer scharfen Klinge in einem spitzen Winkel angeschnitten, um eine möglichst große Fläche zu erhalten, die anschließend in das Bewurzelungs-Gel getaucht wird. Solches Bewurze­lungs-Gel ist in jedem guten Growshop zu haben. Ich bevorzuge das Gel gegenüber dem Pulver, da sich das Gel gleichmäßiger auf der frischen Schnitt­stelle verteilen lässt. Die darin enthaltenen Sub­stanzen sorgen für eine schnellere Wurzelbildung.

Als Alternative zum Bewurzelungs-Gel kann der fri­sche Steckling auch in etwas flüssigen Blütedünger getaucht werden, bevor er in das Wurzelmedium gesteckt wird. Wer streng auf organisches Growing achtet, kann anstelle des Blütedüngers auch Honig verwenden.

Ich höre immer wieder von Growern, dass sie die Blätter der jungen Stecklinge halbieren, um Platz zu sparen und die Verdunstung zu reduzieren. Doch das ist keine feste Regel, und ich halte da­von nicht viel. Ich denke, dass die jungen Pflan­zen — sobald sie gewurzelt haben — jede Hilfe gebrauchen können, um zu wachsen. Und Blät­ter, die zuvor um die Hälfte verkleinert wurden, bringen nicht mehr dieselbe Leistung, wie wel­che, die noch völlig intakt sind. Die Blätter sind im Wesentlichen die Zuckerfabriken der Pflanzen, in denen mit Hilfe des Sonnenlichts Wasser und Kohlendioxid in Sauerstoff und Glukose umge­wandelt werden.

Der Klon wird schließlich in das bevorzugte Wur­zelmedium gesteckt. Das kann aus Sämlings-erde, Torf, Steinwolle oder Perlit bestehen, je nachdem, ob organisch oder hydroponisch ange­baut wird.

Die jungen Stecklinge werden in einen hoch­wandigen Propagator gestellt, worin zumindest in den ersten Tagen eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen sollte. Dabei ist darauf zu achten, dass jeden Tag der Deckel für kurze Zeit entfernt und überschüssige Feuchtigkeit mit einem Lappen ausgewischt wird, um einer Schimmelbildung vorzubeugen. Anschließend werden die Pflanzen mit der Sprühflasche gut »eingenebelt« und so befeuchtet. Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen sollten sich Wurzeln gebildet haben.

Wasser-Klonen

Benötigtes Zubehör:

1.Eine scharfe Rasierklinge oder Schere

2.Lichtdichte Tasse oder Behälter

3.Aluminiumfolie

4.Abgekochtes, steriles Wasser

Die Methode des Wasser-Klonens ist sehr ein­fach in der Anwendung und beinhaltet das Bewur­zeln der Stecklinge in klarem Wasser, ohne den Einsatz von Bewurzelungspulver, Gel, Hormonen oder anderen Zusätzen. Das Geheimnis des er­folgreichen Wasser-Klonens liegt darin, sicher­zustellen, dass die Stecklinge nicht zu starkem künstlichem oder natürlichem Licht ausgesetzt werden. Es ist möglich, die Stecklinge zum Be­wurzeln auf ein Fensterbrett zu stellen, solange sie nicht im direkten Sonnenlicht stehen. Auch gewöhnliche Weißlichtlampen würden funkti­onieren, obwohl fluoreszierendes Licht besser wäre.

Die lichtdichten Tassen werden mit sterilisier­tem Wasser gefüllt und mit der Aluminiumfolie verschlossen. In die Folie wird ein kleines Loch gepiekst, durch das der Stängel des frischen Klons gesteckt werden kann. Mindestens i cm des Stängels muss ständig im Wasser einge­taucht sein.

Die optimale Temperatur für die Entwicklung der Wurzeln liegt zwischen 24°C und 28°C. Es ist also ratsam, die Temperatur des Wassers mit einem günstigen Aquarium-Thermometer zu überprüfen. Das Wasser wird mit der Zeit die Umgebungs- bzw. Raumtemperatur annehmen, deshalb ist es wichtig, dass die Behälter mit den Stecklingen nur in Räumen aufbewahrt werden, die über eine konstante Temperatur verfügen. Gerade nachts kann es in nicht klimatisierten Räumen zu einem Temperaturabfall kommen, der den jungen Stecklingen nicht gut bekommen würde.

In jeder Tasse können mehrere Stecklinge plat­ziert werden. Sie sollten nach zehn bis vierzehn Tagen gewurzelt haben. Dann können sie wie junge Pflanzen behandelt, in ihr endgültiges Me­dium umgetopft und bei einem 18- bis 24-stün­digen Lichtzyklus wachsen gelassen werden.

Aero Klonen

Benötigtes Zubehör:

1.Eine scharfe Rasierklinge oder Schere

2.Lichtdichter Haushaltsbehälter mit Deckel (Tu pperware oder Rubbermaid)

3.Aquariumlüfter/Ausströmstein

4.ein Schlauch aus Plastik oder Silikon mit mindestens i cm Durchmesser

5.sterilisiertes Wasser

Das Aero Klonen funktioniert über das Bene­beln der Enden der Stängel, dort, wo die Be­wurzelung stattfinden soll. Mit dem Aqua­riumlüfter wird permanent Luft in den im Wasser liegenden Ausströmstein gepumpt, sodass kleine Bläschen vom Boden des Be­hälters an die Wasseroberfläche steigen, und dabei kleine Wassertröpfchen mitreißen und so für eine feine Vernebelung sorgen.

Ein solcher »Klonapparat« ist so effizient, dass nahezu wo % aller Stecklinge wurzeln ­ohne den Einsatz von Hormonen oder Bewur­zelungs-Gel bzw. -pulver.

Einen Aero-Kloner kann man sich leicht sel­ber bauen: Dazu braucht man einen lichtdich­ten Plastikbehälter mit einem dicht abschlie­ßenden Deckel. Kleinere Aero-Kloner lassen sich aus einem einfachen Haushaltsbehälter basteln, der aber eine Mindest- Höhe von 15 cm aufweisen sollte. Um ihn lichtundurchläs­sig zu machen, kann man ihn mit einer gum­miartigen Farbe streichen. Jedoch kann es vorkommen, dass die Farbe mit der Zeit wie­der abblättert, besonders wenn sich der Pla­stikbehälter ausdehnt und wieder zusam­menzieht. Deshalb benutze ich am liebsten hochwertiges Klebeband wie »Gaffer Tape«, mit dem ich den ganzen Behälter umwickele, bis kein Licht mehr eindringen kann.

Jeder Steckling kommt in einen etwa 2 cm langen und mindestens 1 cm breiten Plastik­schlauch, die ich mir über EBay besorge. Je größer der Durchmesser des Schlauches ist, desto einfacher lässt sich später der fertig be­wurzelte Steckling wieder entnehmen.

Das untere Ende des Stecklings sollte minde­stens 2 cm aus dem Schlauch herausstehen. Der Schlauch selber wird auf einer Seite der Länge nach aufgeschlitzt, um ihn später ein­facher vom Steckling entfernen zu können. Die Schlauchstücke werden durch Löcher ge­steckt, die zuvor in den Deckel des Behälters gebohrt wurden. Es empfiehlt sich, erst ein Raster auf den Deckel zu zeichnen, wobei die Grö­ße des Deckels sowie der Durchmesser der Schläu­che entsprechend berück­sichtig werden sollten, damit alles gut passt und trotzdem dicht ist.

Den Ausströmstein kle­be ich auf den Boden des Behälters, wobei ich darauf achte, dass die ganze Wasseroberfläche durch die Luftbläschen in Bewegung gehalten wird. Je nach Größe des Behälters kann es auch sinnvoll sein, mehrere dieser Ausströmsteine einzusetzen. Der bzw. die Ausströmsteine werden anschließend mit der Aquariumluftpumpe verbunden, und abgekochtes/steriles Was­ser in den Behälter gefüllt. Die Wassermenge richtet sich nach der Größe des eingesetzten Behälters. Ich ermittele den optimalen Was­serstand, indem ich den Deckel mit den vor­gebohrten Löchern auf den Behälter setze und die Luftpumpe anschalte. Wenn kleine Wassertropfen durch die Bohrlöcher nach außen spritzen, ist der Wasserstand richtig. Nun können die Stecklinge in die Schläuche gesteckt und beides zusammen in die Löcher im Deckel platziert werden. Schließlich sollte noch einmal überprüft werden, ob alle Stän­gel tief genug im Behälter hängen und sie von den Wasserspritzern gut benässt werden. Je­doch dürfen sie nicht so tief hängen, dass sie direkt im Wasser sind.

Die Klone werden nun unter eine Lampe mit fluoreszierendem Licht gestellt und sollten ­je nach Sorten — innerhalb der nächsten sie­ben bis vierzehn Tagen Wurzeln bilden. Die Stecklinge brauchen in dieser Zeit keinen Dünger, jedoch kann es sinnvoll sein, sie mit einem Blattdünger auf Algenbasis zu besprü­hen, wenn sie nicht richtig vital aussehen. In den ersten Tagen ist es wichtig, die Stecklinge regelmäßig (mindestens einmal pro Tag) mit Wasser zu besprühen und den Wasserstand im Behälter zu prüfen — und wenn nötig nach­zufüllen. Die neu gebildeten Wurzeln reagie­ren sehr empfindlich auf die Temperatur, des­halb empfiehlt es sich, auch beim Aero Klonen die Temperatur auf einem konstanten Wert zwischen 24 und 28°C zu halten. Dazu kann eine Heizdecke oder eine Aquariumheizung gute Dienste leisten. Sobald die Stecklinge bewurzelt sind, können sie wie junge Pflanzen behandelt und umgetopft werden.

Hydroponische Stecklinge können mit einer Nährlö­sung, deren Konzentration auf die Hälfte der normalen Dosierung reduziert wurde, bewässert werden. Viele Grower benutzen hier Blü­tedünger, wobei es auch möglich wäre, normalen Wachstumsdünger dafür einzusetzen. Stecklinge, die in einem hydropo­nischen Medium wie Stein­wolle gezogen wurden, können ohne Probleme auf ein organisches Medium wie Kompostmischungen umgepflanzt werden. Doch welches Medium auch im­mer verwendet werden soll, es ist sehr wichtig, dass das Medium zuvor gut in Wasser oder einer leichten Nährlösung ein­geweicht wurde, bevor die Stecklinge einge­setzt werden. Andererseits muss darauf ge­achtet werden, dass die jungen Klone nicht im Wasser stehen. Überflüssiges Wasser muss vorher abfließen können, denn Stecklinge entwickeln sich schneller und erfolgreicher in einem gut drainierten Medium. Außerdem wird so die Gefahr der Schimmelbildung redu­ziert.

Grundsätzlich sollten alle Stecklinge, die nicht in einem »Wasser-« oder »Aero-Kloner« stehen, in hochwandigen Propagatoren mit durchsichtigen Plastikdeckeln bewurzelt wer­den. Ich kenne einige Grower, die eine Schicht Torf oder Kies als unterste Lage in den Pro­pagator geben, um eine gute Drainage zu ge­währleisten. Als Lichtquelle empfehle ich eine fluoreszierende oder Metall-Halogen-Lampe und einen Lichtzyklus von 18 bis 24 Stunden Licht pro Tag. In den Sommermonaten könnte auch natürliches Licht eingesetzt werden, je­doch sollte dabei immer klar sein, dass Steck­linge kein direktes Sonnenlicht vertragen und dies unnötigen Stress für die jungen Pflanzen bedeuten würde. Besonders in den ersten Ta­gen sind eine konstante Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit viel wichtiger. Denn die Steck­linge haben noch keine Wurzeln, um die nö­tige Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Das geschieht in den ersten Tagen ausschließlich über die Blätter und den Stängel.

Nach ein paar Tagen kann und sollte der De­ckel des Propagators entfernt werden. Denn zu viel Feuchtigkeit kann die jungen Pflanzen auch schädigen. Es muss nur darauf geach­tet werden, dass sie nicht austrocknen, was durch einfaches Besprühen mit Wasser er­reicht werden kann.

Beheizbare Propagatoren gibt es in jedem gut sortierten Growshop. Sie kosten zwar et­was mehr, sind aber jeden Cent wert, denn sie ermöglichen es auf einfache Weise, die Tem­peratur auf einem konstanten Wert zu halten und somit eine schnelle Wurzelbildung zu för­dern.

Egal welche Methode eingesetzt wird, länger als 10 bis 14 Tage sollte es nicht dauern, bis die Stecklinge Wurzeln gebildet haben und umgetopft werden können.

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