Schmierlaus - EINE NEUE UND EFFEKTIVE METH0DE ZUR SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

Die Schmierlaus, auch Wolllaus genannt – ein Pflanzenschädling mit schlechtestem Ruf. Sie kommt über Nacht und befällt unsere Pflanzen. Betroffene Gewächse dienen den Assel ähnlichen Tierchen als Sprungbrett zum nächsten Pflanzenwirt. Gartenfreunde verzweifeln oft an der Schmierlaus. Sie sei so gut wie nicht zu besiegen, hört man immer. Auch in der Standard-Literatur werden nur Maßnahmen und Rezepturen genannt, die sich in der Praxis als wenig sinnvoll erweisen. Da ist von Alkohollösungen und Schmierseife die Rede. Doch helfen diese Substanzen nicht nachhaltig und dauerhaft gegen die weißlich-graue Laus. Gerade, wer Gewächse zieht, die als Medizin oder Nahrungsmittel Verwendung finden sollen, wird nicht umhin kommen, eine möglichst schonende Art der Schmierlausbekämpfung zur Anwendung zu bringen. Soft-Secrets-Redakteur Markus Berger hat sich Gedanken gemacht, wie man sich der lästigen Schädlinge erwehren kann, ohne auf die Trickkiste der Chemie zurückgreifen zu müssen. Was resultierte, ist ein Artikel, der Cannabis-Growern, aber auch allen anderen Gartenfans zu denken geben könnte.

Zoologie und Schadbild der Schmierlaus

Die zoologische Unterfamilie der Schmierlaus-Artigen, gehört nach Ansicht der meisten ZoologenSchmierlaus zur Familie der Mehlläuse, welche insgesamt 541 Arten und zehn Unterarten aus 67 Gattungen umfasst. Unsere pflanzlichen Pfleglinge leiden in der Regel unter der Gemeinen Schmierlaus Phenacoccus aceris. Diese zwei bis sechs Millimeter langen Läuse bilden durch Wachsausscheidungen am Pflanzenkörper zuckerwatteähn­liche Gespinste. Unter diesen cocon- oder watteartigen Fäden befinden sich die Eier der Tiere. Die Insekten stechen die Pflanzentriebe an, spritzen ein Gift hinein und saugen den Saft aus den Zellen heraus. Dabei scheiden sie (wie auch zum Beispiel Blattläuse und ande­re Lausschädlinge) Honigtau aus. Die Einstichstellen und Ausscheidungsorte bilden zukünftig von Rußtaupilz befallene Herde und faulen ab.

Was also tun?

Sofern nicht eine gesamte Pflanzen­sammlung von der lästigen und häufig zu beklagenden Schmierlaus befallen ist, gibt es eine recht unbekannte, aber effektive Methode, den Schädling an ein­zelnen Gewächsen sicher und verträg­lich zu entfernen. Anstatt ohne Aussicht auf Erfolg alkoholische Lösungen oder Schmierseife-Zubereitungen en masse auf die Pflanzen zu bringen, ist eine sim­ple, billige und ungiftige Methode sehr wirksam. Egal, ob für den professionellen Einsatz oder für den Hausgebrauch.

Und so geht es: Zunächst sollten die sichtbaren Läuse per Hand entfernt wer­den. Ein an einem Ende abgestumpfter Zahnstocher eignet sich gut zum vor­sichtigen Absammeln der Tierchen. Als Schmierlaus-Mittel mische ich etwa 70 Prozent warmes Wasser mit 30 Prozent Salatöl in eine Sprühflasche und gebe optional (je nach zu behandelnder Pflanze) einen Spritzer Spülmittel dazu. Ich schüttele die Flüssigkeit gut durch und sprühe die befallenen (und, falls noch möglich, die mittlerweile ausgetopften) Pflanzen gewissenhaft und großzügig ein. Dabei sollte ich darauf achten, dass die kranken Pflanzen sowohl von den gesun­den isoliert, als auch außerhalb der Sonne platziert werden müssen. Der anhaften­de Ölfilm erstickte zwar wie gewünscht die gesamte Laus-Brut und -Population auf dem Gewächs, induzierte aber auch bei Sonneneinstrahlung den sogenann­ten Lupen-Effekt: Auf Deutsch: Das Öl würde das Sonnenlicht bündeln und der Pflanze damit Verbrennungen zufügen. Die ‚Patienten’ sollten, je nach Befall und Konstitution der Gewächse, einen bis drei Tage in Quarantäne stehen und ab und zu mit der Lösung besprüht wer­den. Die abgetöteten Läuse schwimmen nach erfolgreicher Maßnahme im Idealfall als graue und schwammige Masse auf den Trieben und Blättern und müssen sauber und sehr gründlich abgewaschen werden. Die ganze Pflanze wird gespült und nach Trocknung in frisches Substrat getopft. Für Freiland- und empfindliche Krautpflanzen gelten die Topfvorgänge freilich nicht.

In der Tat macht die Schmierlaus auch nicht vor Garten- und Feldgewächsen halt: Obst- und Laubbäume, Nadelgehölze und Stauden wie die Stechpalmen leiden oft unter den Insekten. In den vergangenen Jahren wurden beispielsweise bei den Stechpalmen der Gattung Ilex größere Befälle beobachtet. Die landwirtschaftliche Bekämpfungsmaßnahme sieht eine Mischung aus Rapsöl, Paraffinöl und einem systemischen Insektizid vor. Also eine Mixtur aus einem Pflanzen- und einem Mineralöl sowie einem Insektenvernichtungsmittel.

ÜBERSICHT. Häufig von der Schmierlaus befallene Pflanzen (Auswahl)

 

Aralie Schefflera

Birkenfeige Ficus

Buntnessel Coleus

Clivie Clivia

Dickblatt Crassula

Drillingsblume Bougainvillea

Hibiskus Hibiscus

Kakteen Cactaceae

(Familie)

Kamelie Camellia

Kranzschlinge Stephanotis

Lorbeer Laurus

Myrte Myrtus

Oleander Nerium

Passionsblume Passiflora

Ritterstern Hippeastrum

Schönmalve Abutilon

Stechpalme Ilex

Tabak Nicotiana

Tomate Solanum

Wallnuss Juglans

Wein Vitis

Wolfsmilch Euphorbia

Wunderstrauch Codiaeum

Palmlilie Yucca

Zitruspflanzen Citrus

Ist eine ganze Kollektion, zum Beispiel im Gewächshaus oder auch im Garten, von den aggressiven Insekten kontami­niert, bleibt tatsächlich einzig ein sys­temisches Mittel zur Bekämpfung. Der Wirkstoff Imidacloprid, ein chloriertes Nikotinderivat, leistet bei derartigen Befällen gute Dienste, ist aber im Vergleich mit anderen und toxischen Insektiziden nicht weniger giftig, da krebserregend. Systemische Mittel dringen in den gesam­ten Pflanzenkörper ein und töten auf diese Weise sämtliche intern und extern befind­lichen Schädlinge ab. Bewährte Präparate sind LizetanPlus®-Spray und Provado 5®. Die ebenfalls nutzbaren Kombipräparate enthalten zusätzlich Düngeradditive und sind von Lizetan und anderen Marken im Gartenfachhandel erhältlich. Klar aller­dings, dass Pflanzen, die zum Gebrauch als Nahrungs- oder Heilmittel dien­lich sein sollen, nicht mit derartigen Stoffen in Berührung kommen sollten. Behandlungen mit Kontaktpräparaten oder Neem-Produkten haben keine ausreichenden Effekte zum Ergebnis. Den in Ritzen und Spalten versteckt sit­zenden Schmierläusen und deren Eiern kann mit solchen Mitteln nicht beige­kommen werden.

Fazit und Ausblick

Wer also über einen nur begrenzten Schmierlaus-Befall zu klagen hat, der wird unter Umständen mit der oben genannten Maßnahme einige Erfolge verbuchen können. Ist der Befall jedoch zu umfangreich, muss man sich als Grower anderer Hilfsmittel bedie­nen. Ed Rosenthal gibt in seinem Werk „Protect your Garden“ (das zurzeit in einer deutschen Version in Produktion ist) unter anderem folgende Hilfsmittel gegen die Schmierlaus an: ätherische Öle, Azadirachtin, Pyrethrum und insektizide Öle und Seifen sowie Franzbranntwein (zum Abtupfen befallener Stellen) und einen starken Wasserstrahl, der die Tiere abspülen soll. Als Nützlinge empfiehlt Rosenthal den Australischen und den europäischen Siebenpunkt-Marienkäfer, Florfliegen, Raubwanzen, Schwebfliegen, Schlupfwespen sowie den Pilzorganismus

Beauveria bassiana und das Bakterium Bacillus thuriengiensis.

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