Hydroponische Grow Systeme - Ein Überblick

January 13th at 6:14am Tasha Maxwell

Bevor die Ära der modernen Hydroponic im Cannabisanbau Ein­zug hielt, wurden Marijuana-Samen in kleine, mit Erde gefüllte Töpfchen gesetzt und draußen unter der Sonne wachsen gelas­sen. Diese Methode hat lange Zeit gut genug funktioniert, war einfach und billig. Doch heutzutage, wo moderne Methoden auch im Cannabisanbau immer öfter eingesetzt werden, das Wis­sen über botanische Zusammenhänge umfassender ist und das Equipment und die Materialien verfügbar sind, können auf diese Weise Pflanzen angebaut werden, die größer, potenter und er­tragreicher sind, als das früher überhaupt denkbar gewesen ist.

Hydroponische Grow Systeme 00Doch mit der Modernisierung tauchen auch viele Fragen auf, und eine der am häufigsten gestellten Fragen, die uns in der Redaktion bei grow! erreichte, dreht sich um die unter­schiedlichen hydroponischen Systeme, wel­che es gibt, wie sie verwendet werden, was die wichtigsten Unterschiede sind und wo die Vor- bzw. Nachteile der einzelnen Systeme liegen.

In diesem Artikel will ich einen Überblick über die einzelnen Systeme geben und beschrei­ben, wie es möglich ist, mit Hilfe der moder­nen Technik Pflanzen zu ziehen, die größere Blüten entwickeln und mehr Wirkstoffe pro­duzieren, selbst in kleinen Räumen.

Zuerst muss ich klarstellen, dass das Wort, das wir in diesem Zusammenhang verwen­den — das Wort »Hydroponics« — eigent­lich nicht wirklich passt. Dem Wortsinn nach bedeutet Hydroponic »Wasser arbeiten«, (Hydro=Wasser, ponic=Arbeit), und wurde Anfang der 1900er Jahre eingeführt, um Sy­steme zu beschreiben, in denen die Wurzeln von Pflanzen im Wasser hängen und von che­mischen hydroponischen Nährstoffen um­spült werden.

Aus technischer Sicht betrachtet ist das Wort »hydroponisch« immer dann ungenau und ir­reführend, wenn die Pflanzen in einem festen Medium wie Erde, Steinwolle oder Kokosfa­sern wachsen.

Unter dem Überbegriff »Hydroponischer Indooranbau« werden mittlerweile alle Metho­den zusammengefasst, die die Pflanzen mit Nährstoffen, Wasser und Sauerstoff versor­gen. Und die primitivste und einfachste dieser Methoden ist der Anbau auf Erde.

Ich höre immer wieder von Leuten, die von ih­rer selbst gemachten »Super-Erde« schwär­men. Angeblich enthält diese Erde genug Nährstoffe und Spurenelemente, dass das ein ganzes Pflanzenleben lang reicht und eine üp­pige Wachstums- und produktive Blütephase ermöglicht. Doch wenn ich genauer nachha­ke, stelle ich jedes Mal fest, dass die »Super-Erde« doch nicht so super ist und die Pflanzen — früher oder später — Mangelerscheinungen aufweisen.

Natürlich ist es auch im Indoorgarten mög­lich, in einer adäquaten Erde, die genug von allen Nährstoffen enthält, schöne Pflanzen zu ziehen. Doch erfahrene und ernsthafte Gärt­ner wissen, dass es nur mit Erde und Wasser — selbst wenn es sich bei der Erde um hoch­wertige und nährstoffreiche »Super-Erde« handelt — nicht möglich ist, die selben Erträge und Qualitäten zu erzielen, wie das in einem von Erde freien Wurzelmedium unter Verwen­dung von hochwertigem hydroponischen Dün­ger realisierbar wäre.

Hydroponische Grow Systeme 01Wird jedoch hydroponischer Dünger zusam­men mit einer hochwertigen Erde verwendet, lassen sich dadurch die Vitalität, das Wachs­tum und der Ertrag deutlich verbessern, im Vergleich zu den Pflanzen, die zwar auch in hochwertiger Erde gewachsen sind, aber nur mit klarem Wasser gegossen wurden.

Um eine wirkliche Kontrolle und Einfluss auf das Wachstumsverhalten von Pflanzen neh­men zu können, ist es unerlässlich, ein hydro­ponisches System und hydroponischen Dün­ger einzusetzen. Wird das auf korrekte Weise gemacht, lässt sich die Wachstumsphase be­schleunigen, die Blüte früher einleiten, der Reifeprozess schneller durchlaufen und ein größerer Ertrag von besserer Qualität erzie­len. Kurz gesagt, man bekommt mehr und Besseres in weniger Zeit. Und das ist nicht zu­letzt für Leute wichtig, die aus medizinischen Gründen anbauen.

Die Wahl des passenden hydroponischen Sy­stems ist eine Herausforderung. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Typen von Syste­men und manche davon sollte man persönlich gesehen haben, um ihre Funktionsweise wirk­lich verstehen und einschätzen zu können. Deshalb kann ich nur empfehlen, den Grow-shop seines Vertrauens aufzusuchen, um sich dort umfassend informieren und die einzelnen Systeme zeigen zu lassen.

Es gibt große und kleine Unterschiede zwi­schen den hydroponischen Systemen, doch für mich ist der bedeutendste, ob ein festes Wurzelmedium wie Erde, Steinwolle oder Ko­kosfasern eingesetzt wird, oder ob gar kein Wurzelmedium vorhanden ist.

Bei der Verwendung eines festen Wurzelme­diums wie etwa Steinwolle, befinden sich die Wurzeln in einem sterilen Erde-Ersatz, der Wasser, Nährstoffe und Sauerstoff transpor­tieren und speichern kann. Außerdem gibt ein festes Medium den Wurzeln und damit den Pflanzen Halt, so dass sie nicht unter ihrem Eigengewicht umfallen.

Im Gegensatz dazu stehen Systeme wie die Aeroponic, wo die Wurzeln in einer leeren Kammer hängen, in die regelmäßig mit Nähr­stoffen angereichertes Wasser vernebelt oder gesprüt wird. Bei DWC- (Deep Water Culture) oder NFT-Systemen (Nutrient Film Technique) können die Pflanzen in Töpfen mit Hydro-Ku­geln oder einem ähnlichen festen Medium stehen, oder auch ganz ohne Medium. In je­dem Fall wird der größte Teil der Wurzelzone von nährstoffangereichertem Wasser ausge­füllt, entweder periodisch oder konstant.

Hydroponische Grow Systeme 02Dieser Unterschied hat für Gärtner eine große Bedeutung, denn das heißt, dass im Fall der Aeroponic die Wurzeln der Pflanzen unge­schützt in der Luft hängen und komplett da­von abhängig sind, dass regelmäßig bewäs­sert wird. Das wiederum geschieht mit Hilfe einer Pumpe, die elektrisch betrieben wird. Deshalb können Systeme wie die Aeroponic nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn die permanente Versorgung mit Elek­trizität gewährleistet ist. Außerdem muss ein solches System regelmäßig kontrolliert und überwacht werden. Ist dies nicht immer mög­lich, würde ich auf ein aeroponisches System eher verzichten.

Lasst uns deshalb erstmal über die Systeme sprechen, die ein festes Medium in der Wur­zelzone verwenden. Zu den geläufigsten und einfachsten Systemen gehört die Tröpfchen-Bewässerung. Sie ist vergleichsweise leicht einzurichten und zu betreiben, und verzeiht auch mal einen Fehler. Es besteht aus einem Nährstoffreservoir, einer Pumpe, einigen Schläuchen, den Tropfern, einer Zeitschalt­uhr für die Pumpe und einem hydroponischen Wurzelmedium.

Bei der Tröpfchenbewässerung wird die Zeit­schaltuhr so eingestellt, dass die Pumpe mehrmals am Tag für einige Minuten nähr­stoffreiches Wasser zu den Tropfern beför­dert und so die Wurzelzone mit allem versorgt wird, was die Pflanze für ein gesundes Wachs­tum bzw. die Blüte braucht.

Das ideale Medium für die Tröpfchenbewäs­serung ist »Grodan Steinwolle«, ein tolles Material für den Einsatz in hydroponischen Systemen, über das ich später in diesem Ar­tikel mehr berichten werde. Grodan Steinwol­le wurde von Gartenbau-Experten entwickelt, um den speziellen Ansprüchen in der Hydro­ponic gerecht zu werden.

»Geschlossene« kontra »offene« hydroponische Systeme

Das hydroponische Reservoir ist der Ort, an dem das mit Nährstoffen angereicherte Was­ser aufbewahrt wird. Abhängig davon, was mit dem Wasser passiert, nachdem es die Wurzel­zone passiert hat, führte dies zu der Katego­risierung in »geschlossene« bzw. »offene« Systeme. In einem offenen System fließt das Wasser aus der Wurzelzone in einen Abfluss und verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der Kanalisation. Dieses System wird auch als »drain to waste« (abfließen und verschwen­den) bezeichnet.

Hydroponische Grow Systeme 03Dagegen fließt das Wasser in einem ge­schlossenen System zurück in das Nährstoffreservoir.

Einer der Hauptunterschied dieser beiden Systeme liegt auf der Hand: Wird das offene, also das »drain to waste«-System eingesetzt, muss wesentlich öfter eine neue Nährlösung angesetzt werden. Im geschlossenen System ist das nur alle fünf bis sieben Tage erforder­lich.

Doch was sind die Vor- und Nachteile dieser beiden Vorgehensweisen? In einem offenen System bekommen die Pflanzen mit jedem Bewässerungsvorgang nur frische Düngerlö­sung, in der alle wichtigen Nährstoffe enthal­ten sind. Und das jedes Mal, wenn die Wurzel­zone mit dieser Lösung bewässert wird.

In einem geschlossenen System kann es vor­kommen, dass bestimmte Nährstoffe mit der Zeit der Nährlösung entzogen werden, weil sie von den Pflanzen oder dem Medium auf­genommen wurden. So kann das zurückflie­ßende Wasser eine andere Nährstoffkon­zentration aufweisen, als die ursprüngliche Nährlösung. Nach einigen Tagen werden sich deshalb der EC- und der pH-Wert im Nähr­stoffreservoir verändern.

Grower, die ein geschlossenes System ver­wenden, müssen damit experimentieren, ihre Nährstofflösung im Reservoir auch zwischen dem Anrühren von frischem Gießwasser re­gelmäßig mit Dünger aufzupeppen. Doch es ist sehr schwierig, das so hinzubekommen, dass weder eine Unterversorgung mit wich­tigen Nährstoffen noch eine Oberdüngung auftritt.

In beiden Systemen muss höchste Aufmerk­samkeit auf das Anrühren und Erhalten der Nährstofflösung gelegt werden. Das offene System ist dabei einfacher zu betreiben als das geschlossene, da die Nährlösung — ein­mal angerührt — nur zu den Wurzeln fließt und dann entsorgt wird.

In einem geschlossenen System fließt die hy­droponische Nährlösung wieder in das Reser­voir zurück. Und genau hier können dann die Probleme entstehen. Deshalb sollte die Nähr­lösung immer gut belüftet, gefiltert und deren Temperatur kontrolliert werden. Auch beim Anreichern der Nährlösung mit frischem Dün­ger können Probleme auftreten, selbst wenn dabei der EC- und pH-Wert genau beachtet werden. Denn Pflanzen nehmen die Nähr­stoffe so auf, wie sie diese in den einzelnen Wachstums- bzw. Blütephasen benötigen. Ihre Ansprüche variieren im Laufe eines Pflan­zenlebens.

Ein anderes Problem kann durch das verwen­dete Medium entstehen. So kann es vorkom­men, dass bestimmte Elemente im Medium »gefangen« werden und so der Pflanze nicht zur Verfügung stehen — obwohl sie in der Nähr­lösung ausreichend vorhanden sind. Dieses Problem tritt besonders bei Kokosfasern auf, da sie eine Tendenz aufweisen, die Aufnahme­fähigkeit der Wurzeln von Kalzium, Magnesi­um und Kalium zu beeinflussen. Durch den schwankenden Nährstoffbedarf und einen falschen pH-Wert können bei geschlossenen Systemen ernsthafte Probleme entstehen, die sich in einem schlechten Pflanzenwachstum und geringem Ertrag ausdrücken.

Hydroponische Grow Systeme 04Von namhaften Düngerherstellern wurden deshalb Produkte auf den Markt gebracht, die helfen sollen, dieses Problem in geschlos­senen Systemen zu minimieren. Und auch in dieser Sache sollte ein kompetenter Grow-shop weiterhelfen können.

Geschlossene Systeme brauchen ein Reser­voir, in das die Nährstofflösung immer wieder zurückfließen kann. Doch von diesem Reser­voir kann eine Gefahr ausgehen, besonders wenn das Wasser darin steht und nicht in Be­wegung gehalten wird. Denn wo stehendes Wasser ist, sind Pathogene und andere Pro­bleme nicht weit entfernt. So kann eine zu hohe Temperatur im Reservoir dazu führen, dass Krankheitserreger in der Nährlösung wachsen können, die wiederum die empfind­lichen Wurzeln der Pflanzen schädigen und Problemen verursachen. Besteht die Nährlö­sung nur aus synthetischem hydroponischem Dünger, haben Krankheitserreger normaler­weise keine Chance. Doch durch organisches Material wie Algen oder Pflanzenteile kann die Nährlösung verunreinigt werden und sich die Sache somit schnell wieder ändern. Gleiches gilt, wenn stehendem Wasser nützliche Mi­kroben, Kohlenhydrate und/oder organischer Dünger zugegeben werden, auch das verste­hen Krankheitserreger als Einladung.

Verunreinigungen und Pflanzenteile in der Nährlösung können dazu führen, dass die en­gen Wasserleitungen verstopfen und so die Pflanzen nicht mehr richtig bewässert wer­den.

Wer diesen Problemen aus dem Weg gehen will, ist wohl mit dem offenen System am be­sten beraten — auch wenn das bedeutet, dass öfters frische Nährlösung angerührt werden muss und ihre einmalige Verwendung eine gewisse Verschwendung und Umweltbela­stung darstellt.

Andernfalls muss — bevorzugt man dennoch das geschlossene System — etwas Aufwand betrieben werden. So ist Sauberkeit ein wich­tiges Gebot, ebenso eine gute Durchlüftung

Hydroponische Grow Systeme 05und Bewegung der Nährlösung, genauso wie die Überwachung und Regelung der Tempe­ratur im Reservoir. Dabei kommen Dinge wie ein Rührwerk, ein »Air Stone«, die Tempera­tur- und pH-Wert-Kontrolle, ein Umkehrosmo­sefilter, die Ozonisierung, UV-antibakterielles Licht sowie weitere Strategien zum Einsatz, zu denen auch das regelmäßige Putzen und Rei­nigen des gesamten Bewässerungssystems gehört.

Natürlich kann es nicht schaden, diese Stra­tegien auch in offenen Systemen anzuwen­den, doch ein offenes System ist nicht so empfindlich und anfällig für Probleme wie ein geschlossenes, da beim offenen System die Nährlösung viel öfter erneuert wird und nur frische Nährlösung zu den Wurzeln der Pflan­zen kommt. Danach wird sie entsorgt, was dazu führt, das sowohl im Reservoir als auch in den Bewässerungsleitungen weniger Pro­bleme entstehen können.

HydroponischeSysteme: Einzelheiten über Aeroponics, Deep Water Culture und an­dere Systeme Steinwolle und Kokosfasern

Nachdem wir uns nun mit den geschlossenen und offenen Systemen beschäftigt haben, können wir uns näher mit den unterschied­lichen Typen von hydroponischen Systemen beschäftigen. Im Wesentlichen lassen sich di­ese in drei Hauptgruppen untergliedern, wo­bei es auch »Hybride« aus diesen Kategorien gibt:

Feste Wurzelzone mit Tröpfchen- oder »Ebbe und Flut«-Bewässerung: In diesen Systemen werden meistens Steinwolle, Pro-Mix, Kokosfasern, Perlite, Hydroton oder ähnliche Mate­rialien eingesetzt, die ein Eindringen der Wur­zeln ermöglichen.

Hydro-Kultur: Egal ob es sich um eine »Deep Water Culture« (DWC), ein NFT-System, ein »Stehendes-Wasser-System« oder um eine Variation dieser Systeme handelt, alle Sy­steme, in denen die Wurzeln der Pflanzen im Wasser hängen oder wenigstens einen we­sentlichen Teil ihres Lebens im Wasser ver­bringen, werden unter dem Begriff Wasser­oder Hydro-Kultur zusammengefasst.

Aeroponic: Bei diesem System hängen die Wurzeln in einer lichtdichten und dunklen Kammer, in die regelmäßig Nährlösung direkt auf die Wurzeln gesprüht wird.

In Systemen mit festem Medium hängt vieles davon ab, welches Medium verwendet wird. Ich bevorzuge die »Grodan Steinwolle« gegen­über anderen Substraten. Die belgische Firma Grodan ist schon seit Jahren Marktführer auf diesem Gebiet. Sie hat eine große Vielfalt an unterschiedlichen Steinwolltypen geschaffen, die je nach Einsatzbereich alle Anforderungen erfüllen können sollen. Dazu haben sie das Gewebe und die Dichte ihrer Steinwolle so an­gepasst, dass sie optimal Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe speichern und an die Wurzeln abgeben kann.

Hydroponische Grow Systeme 06Bei anderen Herstellern von festen Wurzel­medien werden die Zusammensetzungen der Materialien so variiert, das sie unterschied­liche Eigenschaften erhalten, so dass es mög­lich wird, je nach Zweck und Anforderungen auf das eine oder andere Produkt auszuwei­chen.

Auch Erdemischungen wie der Pro-Mix ge­hören zu den festen Wurzelmedien. Doch ich bin kein großer Fan dieser Erdemischungen, da sie in der Regel Torf enthalten, was sie zusammen mit einigen anderen Faktoren

schwieriger zu handhaben und unzuverläs­siger als Steinwolle macht. Die zunehmend populärer werdenden Kokosfasern bieten ge­genüber den Erdemischungen einige Vorteile, doch im Vergleich zur Steinwolle sind auch Kokosfasern nicht so zuverlässig und einfach in der Anwendung.

Wir können uns darauf einigen, dass der we­sentlichste Unterschied zwischen den einzel­nen hydroponischen Systeme darin besteht, dass bei der einen Gruppe die Wurzeln direkt mit Wasser, Nährstoffen und Luft in Kontakt kommen (Aeroponic, DWC und NFT), während in der anderen Gruppe ein festes Medium vor­handen ist, das den Wurzeln Halt und Schutz bietet und gleichzeitig in der Lage ist, Wasser, Nährstoffe und Luft zu speichern.

Mir ist eigentlich gar nicht wohl dabei, Hy­droton, Steinwolle, Erdemischungen und Ver­miculite in einer Gruppe zusammenzufassen. Aber warum? Hydroton, Vermiculite und Per-lite (besonders die groben Formen dieser Ma­terialien) sind nicht in der Lage, Wasser, Sau­erstoff und Nährstoffe so zu speichern, wie das Steinwolle und Erde können.

Bei Hydroton und ähnlichen Materialien ist es zudem sehr wichtig, sie vor ihrem Einsatz als Pflanzmedium gut zu waschen. Denn sie können Salze und andere Verunreinigungen enthalten, die den Pflanzen gar nicht gut tun würden.

In einem »Ebbe und Flut«-System, bei dem Hydroton oder ein ähnliches Material verwen­det wird, funktioniert es fast — aber nicht völlig genau — so wie in einem Hydrokultur-Sy­stem. Doch was genau ist eine Hydrokultur? Von Hydrokultur ist immer dann die Rede, wenn die Wurzeln zeitweise oder ständig im Wasser hängen, wie etwa in der »Deep Water Culture«.

Auch ein NFT-System, bei dem die Wurzeln aus kleinen »Netztöpfen« in eine Rinne hän­gen, durch die ein dünner Film der Nährstoff­lösung fließt, wird als Hydrokultur-System bezeichnet.

Es stellt sich die Frage, warum die meisten Grower die Tröpfchenbewässerung zusam­men mit einem festen Medium wie Steinwolle einsetzen, und die anderen Systeme eher sel­ten zur Anwendung kommen? Einer der Grün­de ist, dass Systeme in denen Steinwolle, Kokosfasern oder Erdemischungen verwen­det werden, wesentlich sicherer für die Wur­zeln sind. Das Material des Mediums schützt die Wurzeln und leistet noch einiges mehr. Es wirkt wie ein »Absorptions-Agent«, der Feuch­tigkeit und Nährstoffe erst festhält und später freigibt, und so hilft, die Wurzeln zu versor­gen, auch wenn längere Zeit nicht bewässert wurde.

Die Speicherfähigkeit ist der ausschlagge­bende Grund, warum immer noch so viele Grower Erde, Kokosfasern oder ein anderes festes Medium einsetzen und auf die posi­tiven Eigenschaften der Aeroponic oder Hy­drokultur verzichten.

Denn es hat sich gezeigt, dass aeroponische Systeme, DWC und NFT die effizientesten Möglichkeiten darstellen, die Pflanzen mit Sauerstoff, Wasser und Nährstoffen zu ver­sorgen. Hierbei braucht man sich nicht mit der Speichercharakteristik des Mediums auseinanderzusetzen, das Einzige was zählt, ist die hydroponische Nährlösung und der luftige Raum rund um die Wurzeln. Nur mit diesen Systemen ist es wirklich möglich, ge­nau zu kontrollieren und einstellen zu kön­nen, was die Pflanze bekommt und was nicht. Eine direktere Methode gibt es nicht.

Sobald in einem System ein Medium wie Steinwolle, Kokosfasern, Erde oder ähnliches eingesetzt wird, ist der direkte Zugangzu den Wurzeln und damit zur Pflanze versperrt und nur noch über das Medium möglich.

Anstatt die Wurzelzone mit belüfteter Nähr­lösung zu fluten, wie das bei DWC der Fall wäre, oder sie mit der Nährlösung zu besprü­hen, wie das bei einem aeroponischen Sy­stem geschieht, werden die Nährstoffe auf das Medium getropft. Das Material saugt die Flüssigkeit auf, reagiert chemisch mit ihr und gibt einen Teil davon an die Wurzeln ab. Doch einige der Nährstoffe, die auf das Medi­um getropft wurden, werden vom Medium zu­rückgehalten und nicht komplett an die Wur­zeln weitergegeben. Wie schon erwähnt, tritt dieses Problem besonders bei Kokosfasern auf, die mit den chemischen Stoffen reagie­ren, was besonders bei den Elementen Phos­phor, Kalzium und Kalium zu einer schlech­teren Versorgung führen kann. Doch nicht nur bei Kokosfasern kann dies auftreten, auch torfhaltige Erde kann diesbezüglich zu einer Herausforderung werden. Zwar braucht man nicht zu befürchten, dass dadurch die Pflanzen sterben könnten, jedoch führt die schlechte Versorgung zu einem verlangsam­ten Wachstum und geringerem Ernteertrag.

Es gibt immer wieder Leute die sagen, dass man das neueste und beste Kokosprodukt verwenden sollte, da hierbei diese Pro­bleme nicht mehr auftreten würden. Oder es wird empfohlen, einen entsprechenden Kokosdünger zu verwenden, der speziell für den Einsatz auf diesem Substrat entwickelt wurde. Jedes Mal, wenn ich mich intensiver mit diesem Thema beschäftigt habe, war ich am Ende nicht wirklich zufrieden. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die speziellen Kokosdünger genauso merkwürdig reagie­ren, wie das Kokossubstrat selbst ...

Und was ist mit Grodan Steinwolle, wird sich der ein oder andere fragen, gibt es damit kei­ne Probleme? Was das Kalzium-Problem be­trifft, das mir immer wieder im Zusammen­hang mit Kokos aufgefallen war, so gibt es damit keine Probleme. Doch bei Steinwolle ist zu beachten, dass sie einen relativ ho­hen pH-Wert hat, der erst durch Wässern mit einem pH-Wert von 5,5 auf ein Maß abge­senkt werden muss, das für die Wurzeln der Pflanzen unproblematisch ist. Andersfalls könnten sie die Nährstoffe gar nicht aufneh­men. Steinwolle wird eigentlich erst dann problematisch, wenn die Pflanzen geerntet wurden und die Steinwolle entsorgt werden soll ...

Ok, was ist mit Erde auf Torf-Basis, wie etwa Pro-Mix und ähnliche Mischungen? Dazu kann ich nur wieder sagen: Ich mag keinen Torf, und ich mag keine Erde-Mischungen! Denn in diese Mischungen werden oft Feucht-haltemittel und Nährstoffe eingebracht, die zu schwer kalkulierbaren Effekten führen können. Die enthaltenen Nährstoffe sind oh­nehin meist nach ein bis zwei Wochen ver­braucht, und dann muss sowieso gedüngt werden. Problematischer kann das Feuchthaltemittel werden, da sich dessen Eigen­schaften mit der Zeit verändern und die Erde irgendwann nur noch sehr schlecht die Feuch­tigkeit hält. Außerdem kann dies zu Schwan­kungen im pH-Wert führen, die aufwendig mit Dolomit ausgeglichen werden müssen. Mir ist das zu viel Stress!

Vorsicht beim Einsatz von Aeroponic-, DWC- undNFT-Systemen!

Und warum verwenden einige Leute das DWC­, NFT- oder Aeroponic-System? Weil sich die­se Systeme komplett kontrollieren und regeln lassen. Sie erlauben — ist alles optimal einge­stellt — hohe Erträge und beste Qualität. Die Wurzeln hängen bei diesen Systemen einfach frei in der Luft und werden regelmäßig mit ei­ner Nährlösung aus Umkehrosmose-Wasser besprüht. Und solange alles gut funktioniert, sind die Pflanzen glücklich und gedeihen her­vorragend. Aber wehe, es tritt ein Problem auf

Es reicht schon aus, dass der elektrische Strom ausfällt, oder eine der Bewässerungs­leitungen oder Düsen verstopft, und schon nimmt das Unheil seinen Lauf. In diesen Sy­stemen gibt es kein Medium, das den Wurzeln Nährstoffe und Feuchtigkeit liefern könnte. Bereits nach wenigen Stunden fangen die fei­nen Wurzeln an abzusterben, und wird nicht sofort entsprechend reagiert, dauert es nicht lange, und die ganze Pflanze ist Geschichte.

Dies ist das größte Problem bei der Aeropo-nic, den DWC und den NFT-Systemen — man macht sich abhängig von Pumpen, Belüf­tungsanlagen, Vernebelungsapparaten und anderen Technologien — und natürlich von der Elektrizität.

Deshalb sollte man sich fragen, bevor man sich für ein solches System entscheidet, ob man bereit ist, eine zweite elektrische Ver­sorgung einzurichten, die in Notfällen auto­matisch die Anlage mit Strom versorgt und so sicherstellt, dass die Pflanzen weiterhin regel­mäßig ihr Wasser und ihre Nährstoffe bekom­men. Auch sollte man berücksichtigen, ob die Infrastruktur, die elektrischen Leitungen und äußeren Bedingungen den Betrieb eines solch empfindlichen Systems überhaupt erlauben.

Kann man dies nicht sicher garantieren, kann ich nur empfehlen, lieber auf Systeme mit Me­dien wie Steinwolle, Kokos oder Erde zu set­zen. Denn im Fall der Fälle kann das Medium die Pflanzen retten, indem es den Wurzeln Feuchtigkeit und Nährstoffe zur Verfügung stellt und es so ermöglicht, dass sie wenig­stens ein paar Tage überleben. So bleibt dem Gärtner mehr Zeit zu reagieren und die Pro­bleme in den Griff zu bekommen.

Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Ae­roponic-, NFT- und DWC-Systeme verlangen viel tägliche Aufmerksamkeit, Umkehrosmo­sewasser und eine 100 % sichere Stromver­sorgung. Außerdem müssen hochwertige hydroponische Düngemittel eingesetzt werden. Die Temperatur der Nährlösung muss ständig überwacht und geregelt werden. Es muss da­rauf geachtet werden, dass sowohl die Was­serleitungen als auch das Reservoir sauber sind — besonders bei aeroponischen Syste­men, da sich hier eventuelle Verstopfungen außerordentlich schnell und extrem auswir­ken können.

Kann oder will man diesen Aufwand nicht be­treiben, ist ein »Ebbe und Flut«-System, oder eines mit Tröpfchenbewässerung und Erde oder Steinwollmedium sicher vorzuziehen.

In der letzten Zeit habe ich mich viel mit den »Ebbe und Flut«-Systemen beschäftigt. Dabei hat sich gezeigt, dass es mir einige der Vor­teile bringt, die sonst nur mit aeroponischen, NFT- oder DWC-Systemen erreicht werden (bessere Sauerstoffversorgung der Wurzelzo­ne, geringerer Wasserverbrauch, effektivere Nährstoffversorgung, schnelleres Wachstum). Jedoch verlangt das »Ebbe und Flut«-System nicht die gleiche hohe Aufmerksamkeit.

Ein »Ebbe und Flut«-Tisch ist eine einfache Sache: Es gibt ein Reservoir für die Nährstoff­lösung, eine Pumpe und eine Belüftungsein­heit. Auf dem Tisch stehen Töpfe mit einem Medium, das sich für mich als ideal heraus­gestellt hat: eine Mischung aus Grodan Stein­wolle und Hydroton. Mittels Schläuchen wird das Wasser wieder zurück in das Reservoir geleitet.

In regelmäßigen Abständen wird der Tisch mit der hydroponischen Nährlösung geflutet, die natürlich vom Steinwollmedium aufgesaugt wird. Nach einigen Minuten öffnet sich der Ablauf und das überschüssige Wasser fließt zurück ins Reservoir. Hierbei handelt es sich also um ein geschlossenes System.

Ich überwache ständig den EC-Wert der Nähr­lösung im Reservoir, und wenn ich feststelle, dass der Wert um 3o % gesunken ist, entsor­ge ich die komplette Nährlösung und setze neue an. Während dieses Arbeitsvorgangs gieße ich die Pflanzen mit klarem Wasser von oben, um überschüssige Salze aus den Töp­fen zu waschen.

Es ist für handwerklich Begabte sicher mög­lich, sich selbst einen solchen »Ebbe und Flut«-Tisch zu bauen. Im Internet, vor allem auf YouTube, gibt es dazu eine Menge Videos mit Tipps und Tricks. Ich habe mir mein Sy­stem in einem Growshop gekauft, denn dann kann ich sicher sein, dass alles gut zusam­menpasst, funktioniert und einsatzbereit ist.

Es zahlt sich aus, einen guten Growshop in der Nähe zu haben, wo kompetente Mitar­beiter am Start sind, die informieren und be­raten können. Und wenn sie auch noch die unterschiedlichen Systeme im Laden haben und vorführen können, ist das bei der Ent­scheidungsfindung für das passende System eine große Hilfe. In einem Magazin wie grow! können wir nie alle Fragen klären, dazu ist die Thematik zu komplex -und die individu­ellen Anforderungen und Fragen sind zu un­terschiedlich.

Aber ich bin mir sicher, dass ein gut einge­richtetes hydroponisches System in einem Indoorgarten mit gutem Licht, CO2-Versor­gung, hochwertigem hydroponischem Dün­ger, Temperatur- und Klimakontrolle sowie anderen Faktoren deutlich mehr und besseres Cannabis hervorbringen kann, als das mit den gleichen Pflanzen im Outdooranbau möglich wäre.

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