Dünger - organisch oder mineralisch?

Heutzutage lässt sich ein wachsendes Bewusstsein beobachten, wenn es um Umweltfragen und ökologische Themen geht. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber, was sie in die Erde geben, wie viel Wasser sie verbrauchen, was mit dem Müll und Abfall passiert, und natürlich, wie sie sich selbst und ihre Familien ernähren. Das Erhalten unseres Planeten und unserer Gesund­heit ist nach dem „unökologischen" Verhalten im 20. Jahrhundert mittlerweile zu einer wichtigen Angelegenheit geworden. Und so taucht in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Frage auf, was eher zu empfehlen ist, die mineralischen oder organischen Düngemittel. Diese Frage ist durchaus berechtigt, doch um eine Antwort zu finden, muss sich ausführlich mit diesem Thema be­schäftigt werden, denn in der Realität lässt sich dieser weite Bereich nicht einfach auf eine simple Formel bringen. Um besser zu verstehen, welchen Einfluss Düngemittel auf das Pflanzenwachs­tum haben, möchte ich zuerst ein paar grundsätzliche Fragen klären.

Wie wachsen Pflanzen? Eigentlich ist dies ein sehr einfacher Prozess: Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln Nährstoffe aus dem Boden auf, die sie in ihren Blättern zu organischem Material umwandeln. Dünger3Erde und Wasser: Erde ist das Ergebnis von mechanisch abgetragenem Fels und Steinen und der chemischen Aktivität von organischen Umwandlungsprozessen. Dies unterstützt die Pflanzen, indem sie mit Wasser, Sauerstoff und mineralischen Salzen versorgt werden. Diese benötigen die Pflanzen zum gesunden Wachstum. Streng wissenschaftlich betrach­tet verhält sich Erde wie ein Substrat. Es ist das Wasser, das die Nährstoffe löst und zu den Wurzeln der Pflanzen befördert. Die Erde selbst versucht das Wasser zu speichern, was ihr - je nach ihrer Wasseraufnahmekapazität - mal mehr oder weniger effektiv gelingt. Absorption durch die Wurzel: Auf den Wurzeln lassen sich viele feine Härchen finden, die re­gelrecht an den Erdpartikeln kleben. Sie las­sen eine Übergangszone zwischen den Wur­zeln und der Erde entstehen, durch die die Aufnahmefähigkeit der Wurzeln wesentlich verbessert wird (aus diesem Grund sollte im­mer darauf geachtet werden — und das nicht nur beim Umtopfen — dass die feinen Wur­zeln nicht zerstört werden). Diese Absorption führt dazu, dass mithilfe des „osmotischen Druckes" Nährstoffe von der Erde bis in die Blätter transportiert werden. Transport zu den Blättern: Die Nährstoffe stei­gen von den Wurzeln zu den Blättern. Am Tag sorgt die Verdunstung an den Blättern für das Steigen des Pflanzensafts. In der Nacht führt: die Anreicherung mit Salzen und Mineralien in den Wurzeln dazu, dass ein so genannte- Wurzeldruck entsteht, der stetig dafür sorgt dass der Pflanzensaft aufsteigen kann. Er er­reicht alle Zellen der Pflanze und versorgt sie mit den nötigen Nährstoffen, und bringt giftige Stoffwechselprodukte zurück zu den Wur­zeln. Nahrungsaufnahme: Die Nährstoffe werden zu den einzelnen Zellen der Pflanze transportiert und dort aufgenommen. Dieser Prozess und die Fähigkeit der Pflanze, lebenswichtige Elemente aufnehmen zu können, wird von vie­len Faktoren beeinflusst. Dazu gehören: Die Reinheit des Wassers, die Qualität des ein­gesetzten Düngemittels, die Konzentration der Nährlösung, der pH-Wert, die Temperatur und die Anwesenheit von unerwünschten Ele­menten, die wichtige Mineralien binden und so nicht mehr von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Dünger

Bildung von Metaboliten: Unter Metaboliten versteht man chemische Verbindungen, die von den Zellen der Pflanze als Nahrung auf­genommen werden können. Um diese herzu­stellen, werden die zu den Zellen gelieferten Mineralien und andere Nährstoffe mithilfe der Photosynthese in Zucker und andere or­ganische Verbindungen umgewandelt. Die­se dienen der Pflanze als Nahrung und Bau­material. Bei der Photosynthese werden aus CO2, Wasser und den Mineralien mithilfe des Sonnenlichts neue organische Verbindungen geschaffen. Das nötige CO2 nimmt die Pflanze vor allem über die Blätter auf.

Wie nehmen die Pflanzen ihre Nahrung auf? Aufbau von Pflanzen Das Pflanzengewebe besteht aus einer viel Zahl von Verbindungen, wie Proteine, Poly­saccharide, Amino- und organische Säuren. Diese Elemente bestehen ihrerseits zu 8o % aus Sauerstoff und Kohlenstoff. Der Rest setzt sich aus Wasserstoff, Stickstoff und einer Rei­he von Mineralien wie Silizium, Kalium, Kalzi­um, Phosphor, Schwefel, Magnesium, Eisen, Natrium, Mangan, Bor, Kupfer, Zink, Molyb­dän und anderen Spurenelementen zusam­men. Deswegen sollte es einleuchtend sein, dass Pflanzen mit allen Elementen versorgt werden müssen, die eben aufgelistet wurden. Andern­falls kann es zu Mangelerscheinungen, Krank­heiten und Schädlingsbefall kommen. Doch wie stellt man seinen Pflanzen all dies zur Verfügung, sodass die Pflanzen am besten davon profitieren und es für den Pflanzen­freund am bequemsten und einfachsten ist? Einige Gärtner empfehlen organische Dün­gemittel, andere sind von den Mineralischen überzeugt. Die Entscheidung scheint einfach, doch es gibt noch andere wichtige Faktoren als die Nährstoffgabe, die bei der Entwicklung von Pflanzen eine Rolle spielen. Organisch kontra anorganisch Es existieren viele Definitionen für den Begriff „organisch". Die Populärsten besagen, dass alle chemischen Verbindungen, die Wasser­stoff und Kohlenstoff enthalten, organisch sind, und auch alle von lebenden Organis­men, also Pflanzen und Tieren, produzierten Substanzen. Demzufolge werden „anorga­nische" oder „mineralische" Elemente zu den „nicht-lebenden" Substanzen gezählt, die weder von Pflanzen oder Tieren stammen und weder Kohlenstoff noch Wasserstoff ent­halten. Interessanterweise ist alles auf die­sem Planeten aus den 103 „anorganischen" Grundelementen und ihren zahllosen Kombi­nationen zusammengesetzt. Pflanzen benö­tigen mindestens 13 von ihnen, um wachsen und gedeihen zu können. Auch nur eines die­ser Elemente für unwichtig zu halten, kann ein schwerer Fehler sein. Dünger2 Wie schon öfter erwähnt und im Gegensatz zu anders lautenden Berichten und Anzeigen, gibt es für den hydroponischen Einsatz keine organischen Düngemittel. Der Grund dafür ist ganz einfach: Per Definition darf eine Nährlö­sung in hydroponischen Systemen nur 100% lösliche Elemente enthalten. Mit organischen Substanzen lässt sich dies nicht erreichen, da sie in Molekülen vorliegen, die zu groß sind, um komplett gelöst zu werden. So trei­ben wichtige Elemente ungelöst in der Nähr­lösung umher und stehen so auch nicht den Pflanzen zur Verfügung. Der Unsicherheitsfaktor In organischem Anbau auf Erde werden Mi­neralien durch die Kompostierung zur Verfü­gung gestellt. Nachdem die organischen Ab­fälle durch Würmer, Bakterien und andere Mikroorganismen in der Erde aufgenommen und verdaut wurden, liegen die Nährstoffe in Form von Ionen (anorganisch) vor, die nur in dieser Form in Wasser gelöst und von den Pflanzen aufgenommen werden können. Wäh­rend es sich dabei um einen natürlichen Vor­gang handelt, bringt das Kompostieren einen gewissen Unsicherheitsfaktor mit: Abhängig von der Herkunft und der Sorgfalt beim Ver­arbeitungsprozess, lassen sich im Kompost giftige Substanzen finden. Die waren entwe­der bereits im Ausgangsmaterial vorhanden, oder sind durch den Kompostierungsprozess entstanden. So gibt es möglicherweise giftige Rückstände von Unkraut- und Schädlingsbe­kämpfungsmittel, die aus vorhergegangenen Ernten stammen, sowie Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Zinn oder Nickel sind in nicht geringer Menge in Tierabfällen, aber auch in Seegras zu finden, welches in letzter Zeit vermehrt in organischen Düngemitteln Verwendung findet.In der hydroponischen Pflanzenzucht wer­den dieselben anorganischen Ionen zur Ver­fügung gestellt, nur auf eine andere Weise, d.h. durch anderen „mineralischen" Dünger. Die Mineralien kommen im Allgemeinen aus der Natur, die meisten werden noch gereinigt, um Schwermetalle und andere giftige Stoffe zu entfernen und weiter verarbeitet, um sie in eine Form zu bringen, in der sie komplett was­serlöslich und rein sind. So wird im hydropo­nischen Anbau von vornherein jede Unsicher­heit ausgeschlossen.Doch letztendlich ist es der Pflanze egal, ob ihre Nährstoffe aus organischen oder minera­lischen Düngemitteln kommen.In Erde wie auch in hydroponischen Systemen nehmen Pflanzen ihre Nahrung in derselben Form auf: in Form von in Wasser gelösten an­organischen Ionen. Dünger1Das Hauptaugenmerk bei der Auswahl des Düngemittels sollte deshalb nicht so sehr auf der Herkunft der Nährstoffe liegen, als viel mehr auf den Ansprüchen und Vorlieben des Gärtners. Aber auch die eigenen Fähig­keiten und Möglichkeiten sollten berücksich­tigt werden. Denn bei falscher und unsach­gemäßer Anwendung lassen sich sowohl mit organischem, wie auch mit mineralischem Dünger die Pflanzen vergiften. Deshalb ist es stets wichtig, die grundlegenden Dosierungs­anweisungen zu beachten. Wirkstoff Management Wo auch immer sie wachsen, reagieren Pflan­zen empfindlich auf die ihnen zur Verfügung stehenden Nährstoffe, denn sie brauchen eine bestimmte Kombination von Mineralien für ein harmonisches Wachstum. Aufgrund des Osmoseprinzips gelangen alle, auch un­erwünschte und giftige Stoffe, in die Pflanzen und werden von ihnen aufgenommen. Das bedeutet, dass abhängig von der Aus­gewogenheit des Düngemittels die Pflanzen mit ausreichend Nährstoffen versorgt wer­den oder nicht. Deshalb kommt der Wahl des Düngemittels eine besondere Bedeutung zu. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es auf die Qualität des Wassers (weich oder hart) angepasst ist. Wenn nicht sorgfältig gedüngt und zu viel oder zu wenig gegeben wird, kann es zu Vergiftungen (bei zu vielen Mineralien) oder zu einer Unterversorgung der Pflanze (bei zu wenig Mineralien) kommen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt es sich, den Anwei­sungen des Düngerherstellers zu folgen. Wenn bereits eine eigene Nährlösung herge­stellt wird, sollte der EC-Wert im unteren Bereich gehalten werden, um einer Versalzung vorzubeugen. Im Gegensatz zur weit verbrei­teten Meinung lassen sich Pflanzen nicht durch „überfüttern" mästen. Dünger4Der pH-Wert der Nährlösung hat einen di­rekten Einfluss darauf, wie die gelösten Mine­ralien von der Pflanze aufgenommen werden können. Deshalb sollte der pH-Wert immer zwischen 5.5 und 6.5 liegen. Es ist nicht nötig, den pH-Wert auf exakte Werte innerhalb die­se Bereichs einzustellen, denn Pflanzen kom­men hier gut klar. Zu viel Herumschrauben am pH-Wert stresst sie eher, als dass es ihnen nützt besonders, wenn verdünnte Säuren ein­gesetzt werden. Damit die Nährstoffe in einer Form bleiben, in der sie von der Pflanze aufgenommen wer­den können, müssen sie in einer speziellen Umgebung „baden". So kann zu saurer oder zu basischer Boden tödlich für Pflanzen sein, genauso wie eine zu saure oder zu basische Nährlösung. Deshalb kommt sauberem Was­ser, auf pH- und EC-Wert gecheckt und einem ausgewogenen Düngemittel eine so hohe Be­deutung zu. Und dabei ist es egal, ob auf Erde oder Hydrosystem angebaut wird, in jedem Fall braucht die Pflanze eine gute Versorgung mit Nährstoffen. Erde und seine Nährstoffverfügbarkeit Kann Erde allein der Pflanze alles geben, was sie zum Wachstum alles brauchen? Es gibt Leute die sagen, dass Erde mehr aus nur ein Substrat ist. Und sie haben recht. Jede Hand voll Erde stellt einen eigenen Mikrokos­mos mit Millionen von Mikroorganismen dar, der mehr enthält als nur Mineralien. Erde setzt sich zusammen aus einem minera­lischen und organischen Teil und aus leben­den Organismen. Eine hoch qualitative Erde besteht aus einer ausgewogenen Mischung aus verschiedenen Mineralien, die durch erodiertes Felsgestein in Form von Sand, Schlick oder Schlamm ein­gelagert werden. Sie muss krümelig sein, um den Wurzeln guten Halt zu geben und für eine gute Belüftung zu sorgen. Sie muss Wasser gut speichern können und so die Wurzelzone jederzeit feucht halten.Des Weiteren sollte eine gute Erde eine aus­reichende Menge Humus enthalten, der durch die Mikroorganismen umgewandelt, für eine stetige Versorgung mit Nährstoffen sorgt. Gleichzeitig sorgt der Humus dafür, dass die Erde locker und luftig ist und Wasser gut spei­chert. DüngerIn fruchtbarer Erde muss eine Vielzahl von Organismen leben. So beherbergt ein Kilo­gramm guter Erde: 3.000 Milliarden Bakte­rien, 400 Millionen Pilze, 5o Millionen Algen, 3o Millionen Einzeller, Nematoden und an­dere Würmer und eine Vielzahl von verschie­denen Insekten.Diese Organismen sorgen dafür, dass orga­nische Materialien in anorganische Mineralien umgewandelt werden, die von Pflanzen aufge­nommen werden können. Außerdem sorgen sie für eine Durchmischung des Bodens, für gute Belüftung und Befeuchtung der Wurzel­zone. All diese Eigenschaften sorgen für den charakteristischen Erdgeruch, den wohl jeder kennt, der schon einmal mit guter Erde gear­beitet hat. Doch der Boden ist nicht überall gleich und nur selten ist die Erde in der Lage, anspruchsvolle Pflanzen gedeihen zu lassen. Im Gartenfachhandel werden die unterschied­lichsten Erden angeboten, von vorgedüngter Blumenerde bis hin zur „armen" Null-Erde für Sämlinge und Stecklinge. Einige Produkte eignen sich gut, andere müssen komplett um­gearbeitet werden oder sind sogar giftig und eignen sich gar nicht! Kann ein mineralischer Dünger dieselbe Qualität liefern wie gute, fruchtbare Erde? Im ersten Moment würde ich diese Frage mit „Nein" beantworten. Doch bei genauer Betrachtung — unter Ein­satz der bereits erwähnten, reinen und ausge­wogenen Düngemittel — lassen sich alle Ele­mente in den Produkten finden, die auch in guter Erde für das Gedeihen der Pflanze ver­antwortlich sind. Dazu gehören nicht nur die primären und sekundären Elemente, die die Pflanze für ihr Wachstum benötigt, sondern auch eine weite Palette an verschiedenen Mi­kroorganismen und Sub-Mikroorganismen. In gut sortierten Growshops lassen sich Pro­dukte finden, die den „Geruch der Erde" quasi in die Hydroanlage bringen. Das heißt, dass mit diesen Produkten annähernd dieselben Bedingungen wie in Erde geschaffen werden können. Dazu gehören Fulvinsäure, Silikat­pulver, Pflanzenextrakte, nützliche Mikroor­ganismen und so weiter. Werden solche Prä­parate richtig eingesetzt, sind sie in der Lage, spürbar das Pflanzenwachstum zu fördern und den Ertrag zu steigern.Bei der Auswahl des richtigen Düngemittels ist also weniger wichtig, ob es sich um einen organischen oder mineralischen Dünger han­delt, als viel mehr die Fragen nach der Aus­gewogenheit, der Zusammenstellung der Nährstoffe und ob er in der Lage ist, Vergif­tungserscheinungen vorzubeugen und die Pflanze mit allen wichtigen Elementen, Mikro­organismen, Vitaminen usw. zu versorgen. Am Ende ist es aber nicht nur der Dünger, der den Unterschied ausmacht, auch das Hand­ling und der Umgang des Gärtners mit seinen Pflanzen, ist von großer Wichtigkeit.Um sicher zu gehen, dass sich in der ge­ernteten Pflanze keine Rückstände aus den Düngemitteln befinden, empfiehlt es sich, die letzten zehn Tage vor der Ernte nur noch mit reinem Wasser zu spülen, dessen pH-Wert entsprechend eingestellt wurde. Und das gilt für den Anbau auf Erde wie in hydroponischen Systemen. Noucetta Kehdi Noucetta Kehdi

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