Automatische Sorten

Seit einigen Jahren werden automatisch blühende Hanfsorten immer be­liebter. Das ist auch nicht überraschend, sollen sie doch besonders im Frei­landanbau gute Ergebnisse möglich machen. In Europa werden diese Sorten deshalb gerne in Spanien eingesetzt, sie sollen aber auch gut in nördlicheren Ländern funktionieren — selbst in vielen Teilen Skandinaviens. Was die au­tomatischen Sorten so besonders macht, wie sie funktionieren und wo ihre Vor- und Nachteile liegen, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Das Besondere an den automatisch blühenden Sorten ist, dass sie nicht — wie ge­wöhnliches Cannabis — auf eine Verkürzung der Lichtperiode auf 12 Stunden pro Tag an­gewiesen sind, um die Blütephase einzulei­ten. Bei den »automatischen Sorten« ist es ein spezielles Gen, das sie unabhängig von der Lichtdauer macht. In einem bestimmten Alter werden diese Sorten zum Beginn der Blüte veranlasst. Dieses Gen haben der­artige Sorten von einer Ruderalis geerbt. Ruderalispflanzen kommen von Natur aus vorwiegend im asiatischen Raum vor, zum Beispiel im Kaukasus und in China. Dort sind sie bis heute heimisch und wachsen in Ge­genden, wo die Wachstumsbedingungen für herkömmliche Hanfsorten nicht gerade ide­al sind. Ruderalispflanzen haben sich an die kurzen Sommer und die geringen Nährstoff-mengen im Boden angepasst, was sich vor altem durch ihre geringe Wuchshöhe von bis zu 8o cm und die automatisch einsetzende Blüte zeigt.

Ruderalispflanzen wurden schon früher be­nutzt, um Indika- oder Sativa-Sorten wi­derstandsfähiger für den Einsatz im Frei­landanbau zu machen. Auch ihre geringe Wuchshöhe macht sie für einige Anwen­dungen interessant, sowohl im Indoor- als auch im Outdooreinsatz. Für die Zucht von hochwertigem Marijuana standen Ruderalis aber dennoch lange Zeit nicht wirklich im Fo­cus der Züchter, da sie im Vergleich zu den potenten Indica- oder Sativasorten nur eine geringe Wirkstoffkonzentration aufweisen. Auch ihr Aroma ist nicht so ausgeprägt, wie man das von anderen Cannabissorten ge­wohnt ist. Es wird oft als »krautig« und »gra­sig« beschrieben.

Dennoch haben Züchtungen dazu geführt, dass eine Hanfsorte entstanden ist, die un­ter dem Namen »Lowryder« mittlerwei­le weltweit bekannt werden konnte. Dies ist vor allem der Verdienst vom »Joint Doc­tor«, einem Hanfzüchter, der einige Jahre in die Entwicklung von Lowryder gesteckt hat. Lowryder kann als die erste der automa­tisch blühenden Sorten bezeichnet werden. Bei ihr setzt etwa drei Wochen, nachdem sie aus einem Samen gekeimt ist, die Blüte ein — selbst bei 24 Stunden Dauerlicht. Dahtbei bleibt sie aber relativ klein und erreicht selten mehr als einen halben Meter Wuchs-höhe. Doch es vergehen gerade mal acht Wochen vom Keimen des Samens bis zur Erntereife. Damit ist Lowryder die wohl am schnellsten wachsende und reifende Hanfsorte überhaupt.

Lange Zeit galt als ihr größter Nachteil, dass sie nicht besonders viel Ertrag bringt. Rund zehn Gramm pro Pflanze sind normal, oft können es aber auch weniger sein, nur selten sind es mal mehr. Dabei ist ihr Geschmack, typisch für eine Ruderalis, nicht das, was sich verwöhnte Hanfliebhaber vorstellen. Teilweise ist auch das High nicht so, wie sich das viele Hanffreunde wünschen. Es ist ihren besonderen Eigenschaften zu verdan­ken, dass sie zumindest im Outdooranbau immer wieder erfolgreich eingesetzt wurde. Denn sie kann, im Frühjahr ausgesetzt, be­reits im August geerntet werden. Wenn an­dere Sorten noch in voller Blüte stehen und noch einige Wochen brauchen, um völlig reif zu werden, kann Lowryder bereits geerntet werden. In Spanien, so erzählen uns einige Outdoorgrower, kann sie im Freiland sogar zweimal pro Jahr geerntet werden. Das ist — ohne aufwendige Verdunklungsmaßnahmen — mit keiner anderen Hanfsorte möglich.

Im Outdooranbau wird sie auch deshalb ger­ne eingesetzt, weit sie recht klein bleibt und so verhältnismäßig unauffällig ist. Sie kann auf dem Balkon, im Garten und auch sonstwo gut an­gebaut werden. Einige Gro­wer benutzen sie auch in ih­rem Indoorgarten, wo sie bei konstanten 18 Stunden Licht relativ gute Erträge liefern soll. Dabei ist sie sehr genüg­sam und verzeiht Fehler. Das macht sie für Anfänger sehr interessant. Jedoch sorgt ihre Au­toflowering-Eigenschaft da­für, dass sie sich nicht als Mutterpflanze eignet, denn Mutterpflanzen werden per­manent in der Wachstums­phase gehalten, indem die Lichtdauer bei mindestens 18 Stunden Licht pro Tag gehal­ten wird. Eine Lowryder wür­de sich davon nicht beeindru­cken lassen und trotzdem zu blühen anfangen.

Seitdem die Lowryder erst­malig auf den Markt kam, sind einige Jahre vergangen. Mittlerweile haben sich viele Züchter mit dieser Sorte beschäftigt und sie mit ande­ren Varietäten gekreuzt. Ziel war es, die Au­toflowering-Eigenschaften der Lowryder mit dem Geschmack, Aroma und Wirkstoffgehalt der herkömmlichen Sorten zu kombinieren. Dabei bestand immer die Gefahr, dass die Autoflowering-Eigenschaften verloren geht oder zumindest abgeschwächt wird.

Heute lassen sich Autoflowering-Sorten in vielen Hanfsamenbanken finden. Bei den neuen Sorten spricht man von der dritten Ge­neration der Autoflowering-Sorten. Sie wei­chen insofern von der originalen Lowryder ab, als sie oft länger wachsen und blühen, dabei aber auch größer werden und mehr Er­trag liefern können. Auch was das Aroma und den Wirkstoffgehalt angeht, sollen die Sorhtten der neuesten Generation den herkömm­lichen Indicas und Sativas ähnlicher sein.

Autoflowering-Sorten sind besonders für den Outdooranbau interessant. Gerade für Gegenden mit kurzen Sommern ist es nicht einfach, Sorten zu finden, die rechtzeitig vor dem feuchten Herbst ihre volle Reife erreicht haben und geerntet werden können. Die voll ausgebildeten Blüten sind oft sehr anfällig für Schimmel, der mit steigender Luftfeuch­tigkeit immer wahrscheinlicher und zu einem echten Problem wird. Die Autoflowering-Sor­ten können bis dahin schon längst ausge­blüht haben und geerntet worden sein, was sie für viele Grower zu einer Alternative zu den herkömmlichen Outdoorsorten macht. Zwar lassen sich Autoflowering-Sorten auch im Indoorgarten kultivieren, doch hier fällt ihre AutofloweringhtEigenschaft nicht so stark ins Gewicht, da sich Indoor die Licht­dauer einfach durch von Zeitschaltuhren ge­steuerte Lampen so verändern lässt, dass auch normale Hanfsorten dann in die Blüte gehen, wenn es der Grower möchte. Im In­dooranbau zählen eher Ertrag und Qualität, und genau das war lange Zeit der Schwach­punkt der Autoflowering-Sorten.

Im Folgenden stellen wir ein paar Au­toflowering-Sorten vor, die im Vergleich zur ursprünglichen Lowryder einige Verbesse­rungen aufweisen.

Dwarf Ryder von De SjamaanDwarf Ryder

Bei Dwarf Ryder handelt es sich um eine Kreuzung einer Northern Light mit einer Ru­deralls. Diese Autoflowering-Sorte bleibt mit einer Wuchshöhe von 50 bis go cm relativ klein, soll aber innerhalb von 6o Tagen die Blüte beendet haben. Im Frühjahr im Freiland ausgesät, soll sie bis Anfang August blühen und dabei ein Zitrus-ähnliches Aroma ausbil­den. Selbst in nördlichen Breiten wie Kana­da, Schweden oder Finnland soll diese Sor­te gedeihen und dabei gute Erträge bringen. Pro Pflanze sollen etwa 20 bis 3o Gramm er­reicht werden können.

Widow Ryder von De Sjamaan

Widow Ryder ist — wie ihr Name schon andeutet — eine Kreuzung der bekannten White Widow mit einer Lowryder. Von Widow Riderder White Widow hat sie eindeutig die vielen Harzkristalle geerbt, die ihre Blätter und vor allem die Blüten bede­cken. Die Lowryder hat ihr das Autoflowering­Gen vermacht, das diese Pflanze blühen lässt, sobald sie zwischen sechs und neun Haupt-blattpaare gebildet hat. Bei guten Wachstums­bedingungen soli dies nach sechs bis acht Wo­chen der Fall sein. Im Vergleich zu anderen Autoflowering-Sorten wird Widow Ryder rela­tiv groß und kann über einen Meter Höhe er­reichen. Das führt dazu, dass sie einen deutlich größeren Ertrag liefert, als die ursprüngliche Lowryder. Auch was das Aroma und den Wirk­stoffgehalt betrifft, stellt sie eine wesentliche Verbesserung dar. Dafür braucht es etwas Län­ger, bis sie reif ist. Im Outdooranbau — bei Aus­saat im Frühjahr — soll sie Anfang September erntereif sein.

Crystal Ryder von De Sjamaan Die Sorte Crystal Ryder wird als AutofloweringhtSorte der zweiten Generation bezeichnet. Crystal RyderHierbei war es eine brasilianische Santa Maria, die mit der Lowryder gekreuzt wurde. Auch sie kann größer werden als die Lowryder (40 bis 8o cm) und sie zeichnet sich vor allem durch ihr exotisches Aroma aus. Ähnliches gilt für die Wirkung, die sie von der Santa Maria geerbt hat. Doch im Vergleich zur Santa Maria ist Crystal Ryder relativ anspruchslos und soll sich leicht kultivieren lassen. Diese Autoflowering-Sorte benötigt für die Blüte etwa 5o Tage und ist im Freiland schon rund sechs Wochen nach der Aussaat erntereif.

Pandora von Paradise Seeds

Pandora

Pandora ist die neueste Automatik-Sorte im Programm der Firma Paradise Seeds. Bei ihr spielen besonders die Indi­ca-Gene eine wichtige Rolle, die sie mit anderen Varietäten wie Afghani, Spoetnik oder Sensi Star gemeinsam hat. Die Pflanze erreicht eine mittelgroße Höhe, zwischen 90 und 120 cm. Ihre Blüten werden als kompakt beschrieben, mit einem süßlichen bis würzigen Aroma. Neben dem indicatypischen Effekt ist es besonders ihr — für eine automatische Sorte — relativ hoher Ertrag von 6o bis Zoo Gramm pro Pflanze, der Pandora interessant macht. Dafür ist ihre Wachs­tums- und Blütezeit mit etwa 75 Tagen vergleichsweise lang.

Haze Automatic von Dinafem Bei dieser Sorte haben die Züchter von Dinafem versucht, den oft bemängelten Geschmack der typischen Automatik-HazeSorten mit dem Aroma und dem Wirkstoffspektrum einer Haze aufzupeppen. Was das Aroma be­trifft, ist ihnen das auch durchaus gelungen. Nur das Wirkstoffspektrum hat immer noch nicht viel mit einer typischen Haze zu tun. Dennoch stellt sie eine wesentliche Verbesserung dar, auch was den Ertrag betrifft. In den rund 8o Tagen ihres — für eine Hanfpflanze — kurzen Lebens erreicht sie eine Höhe von bis zu einem Meter und kann dann eine Erntemenge von 20 bis 5o Gramm pro Pflanze bringen.

0 Comments: