Lets talk about sex - Feminisierte Samen, Zwitter und Männliche Pflanze

lch hatte kurz nach den diesjährigen Präsidentschaftswahlen in Frankreich die Gelegenheit mich mit einem französischem Hanfliebhaber und -Bauern zu treffen, der mir ein wenig Einblick in sein illeqalisiertes Hobby gewahrt hat. Doch bevor ich Euch die Selbstversorger­ Kammer von Pierre*, einem Cannabispatienten mittleren Alters, vorstelle, will ich ein paar allgemeine Worte zur Lage von Hanfbauern in Frankreich verlieren.

Frankreich weist laut der Europäische Beobachtungsstelle für Drogen nach der Tschechischen Republik die zweithöchste Rate an Cannabis­konsumierenden innerhalb der EU auf, glänzt jedoch, anders als Tschechien, mit einer ähnlich repressiven Hanfpolitik wie Deutschland. Vergangenes Jahr wurden ungefähr 180.000 Menschen aufgrund von Cannabisdelikten festgenommen oder verhaftet, die die harte Linie beschreibt, die Sarkozy seit seinem Amtsantritt als Innenminister im Jahr 2002 betrieben hat und die unter dem Präsidenten Hollande nicht liberaler zu werden scheint. Von diesen 180.000 wurden lediglich 6000 zu Haftstrafen verurteilt, bei den meisten handelte es sich um „Dealer" und so genannte "Zweit- oder Drittäter." Nicht einer unter ihnen war Grower oder Schmuggler.

Samen sind legal

Nach französischem Gesetz sind Samen nicht verboten, allerdings darf man sie nicht einpflanzen, wenn sie mehr als 0,3Growing in Frankreich1 Prozent THC produzieren (könnten). Die in der EU zugelassenen Nutzhanfsorten werden sogar von der staatlichen Monopolfirma (FNPC) gezüchtet und vertrieben, Samenbanken oder Shops, wo Indoor-Samen verkauft werden, gibt es allerdings nicht. Der Import von potenten Hanfsamen ist demnach legal, aber auf gar keinen Fall darf man sie legal einpflanzen, eigentlich noch nicht einmal laut darüber sprechen. Denn auch die positive Darstellung von Cannabis zu Entspannungszwecken ist strafbar. Man darf zum Beispiel nicht sagen: "Cannabis ist gut für mich, ich liebe Cannabis, Cannabis lindert meine Schmerzen und mir geht es mit dem Konsum von Gras besser". Das allein wäre schon eine positive Darstellung des Konsums, der genau wie der Anbau und der Besitz verboten ist.

Die französische Drogengesetzgebung ist eng an die Anti-Terror Gesetze angelehnt und so ist es theoretisch möglich, beim Verdacht auf ein Drogenvergehen bis zu 96 Stunden ohne anwaltlichen Beistand inhaftiert zu werden. In der Praxis wird diese Regelung aber nicht für Homegrower angewendet, denn solche Falle sollten theoretisch vor einem Schwurgericht verhandelt werden, was in den seltensten Fallen passiert. Weil jedes Jahr so viele Grower auffliegen, gehen diese Falle meistens an das "tribunal correctionnel", das nur kleinere Vergehen verhandelt, die mit Geldstrafen von 3750 Euro aufwärts oder geringen Freiheitsstrafen sanktioniert werden. So landet ein Grower selten im Knast, muss aber viel Geld zahlen.

Das Paradoxum der, wie die Franzosen es nennen, "Autoproduktion" ist erstaunlich, gibt es doch offiziell geschätzte 150.000 Selbst­versorger, aber keine Shops wie im Rest der westlichen EU-Länder. Besonders im Süden wird aufgrund des günstigen Klimas und der dünnen Besiedlung auch sehr viel „Outdoor" für den eigenen Bedarf angepflanzt. Viele aufgeschlossene Laden hatten im letzten Jahrzehnt Probleme mit der Polizei, wurden verfolgt und verurteilt. Trotzdem wachst die Zahl der Growshops analog zur Legion der Selbstversorger weiter, wobei es in den Shops weder Hanf-Literatur noch -Bilder oder gar Beratung gibt, es handelt sich um neutral gehaltene "Hydro-Shops".

Die wenigen Cannabispatienten, die es in Frankreich gibt, dürfen ihre Medizin selbstredend auch nicht zuhause anbauen, sondern erhalten, ähnlich wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine synthe­tische Variante.

Immerhin gibt es seit fast zwei Jahren mit der RBH23 em n fran­zösischsprachiges Printmedium zum Thema Hanf, Growing und Legalisierung im Allgemeinen (www.rbh23.com). Das weit verbreitete Gerücht, allein die Darstellung eines Hanfblatts in Frankreich sei illegal, ist also falsch. Man muss da wie hier eben die Grenzen des Gesetzes kennen und wissen, wie weit man gehen kann. Der neue Präsident Hollande hat zur Zeit nicht vor, an der Drogenpolitik seines Vorgängers etwas zu ändern.

Verschwiegenheit ist Pflicht

Mein Treffen mit Pierre findet im Rahmen der Cannabiskultur statt, die dieses Jahr auch unweit von der französischen Grenze ein paar Stationen eingelegt hat und uns so die Möglichkeit gab, mir nicht allzu weit von seinem Wohnort die Geschichte seiner Growerkarriere zu erzählen.

Bonjour Pierre.

Hallo Kimo

Wie bist Du zum Growen gekommen?

Homegrowing sehe ich als positiven Effekt der Prohibition, mich selbst als Opfer selbiger. Wie fast alle Grower wollte manGrowing in Frankreich2 erst einmal unabhängig vom Schwarzmarkt sein, um sich nicht den Gefahren von Streckmitteln, üblen Strassen-Tickern und Strafverfolgung auszu­setzen. Denn das mit dem gestreckten Gras gibt es seit fünf Jahren auch hierzulande. Ziemlich genau seit dieser Zeit baue ich mein Gras auch selbst an. Ich war mit einundzwanzig bereits Alkoholiker und rauche seit meiner zweiten Entgiftung vor 20 Jahren Cannabis als eine Art Substitution. Mein Hausarzt weiss davon und war anfangs mehr als skeptisch, hat aber im Laufe der letzten Jahre seine Meinung komplett geändert. Das hilft mir aber leider wenig, weil meine Krankheit hier nicht anerkannt wird, wenn es in meiner Heimat um Cannabis als Medizin geht. Ich kann nur sagen, dass ich ein paar Monate nach dem körperlichen Alkoholentzug im Jahre 1993 angefangen habe, Gras zu rauchen. Seitdem ist mein Verlangen nach Alkohol wie weggeblasen, ich habe seit 1996 einen festen und gut bezahlten Job, mittlerweile zwei grosse Kinder und eigentlich alles, was man mit Mitte 40 so von einem „guten Franzosen" erwartet. Von meinem Cannabiskonsum wissen nur meine engsten und langjährigen Freunde und meine Familie. Mit meinem selbst angebauten Gras weiss ich genau, was ich rauche und kann zudem meine persönlichen Vorlieben in Sachen Geschmack und Wirkung umsetzen. Zur Zeit setze ich auf Sorten­vielfalt, ich habe gerade fünf verschiedene Sorten in einem Durchgang stehen. Last but not least ist es eine "Minimales Risiko-maximaler Spass" Entscheidung, die mit der Zeit zum lieb gewonnenen Hobby wird, als Ausgleich zum stressigen Job. Man liest Bücher, lernt andere Kleingärtner kennen, tauscht sich aus, plaudert im Hydro-Shop. Alles nette Nebenaspekte der Selbstversorgung.

Darf ich fragen, welche Sorten Du wo stehen hast?

Ich habe zur Zeit 12 kleine Pflanzen in sechs 5-Liter Topfen stehen. Also zwei Pflanzen pro Topf. Das habe ich gemacht, weil ich genug Samen, aber wenig Geduld hatte, die Wachstumsphase allzu lange zu gestalten. Bei zwei Samen pro Topf bekomme ich im Regelfall eine richtig fette oder zwei mittelprächtige Pflanzen und kann zehn Tage früher in die Blute gehen, als mit nur einer Pflanze pro Topf. Zugegeben, ist ein wenig teuer, denn ich nutze ausschliesslich femi­nisierte Samen, aber bei 12 Pflanzen schlagt sich das nicht sehr nieder. Ich habe mir fünf feminisierte Sensi Star und ebenso viele weibliche AK 47 online bestellt. Davon habe ich die Hälfte mit einem befreundeten Heimgärtner gegen White Widow und Snow White getauscht, ausserdemGrowing in Frankreich3 konnte ich von ihm noch zwei Silver Haze Stecklinge ergattern. Die habe ich unter einer Neonröhre im Bade­zimmer ganz langsam wachsen lassen, während die Samen in meinem Growzelt unter einer 250 Watt Metall-Halogen Lampe keimen konnten. Ich habe ursprünglich 20 Samen keimen lassen und mir dann nach zehn Tagen die Pflanzen, die am viel versprechendsten aussahen, herausgesucht. Von den 20 Samen sind auch alle nach spätetestens drei Tagen gekeimt, wobei ich so am fünften oder sechsten Tag drei beerdigt habe, die zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr mit den anderen mithalten konnten. Nach zehn Tagen habe ich mich dann entschieden: Die zwei am besten entwickelten Sämlinge jeder Sorte sollten als jeweils zusammen in einem Topf in die Blüte geschickt werden. Demnach hatte ich zusammen mit den beiden Silver Haze Stecklingen jetzt zehn potentielle Kandidatinnen, die erblühen sollten, womit noch zwei meiner insgesamt zwölf Stellplatze frei waren. Die Sensi Star Damen haben den kräftigsten Eindruck der vier frischen Sorten gemacht, also habe ich den letzten Stellplatz auch noch mit einem Hanfdamen-Paar des Cupwinners von 1998 besetzt. Somit war mein geheimer Garten voll. Die beiden Silver Haze hatten sich unter der 18 Watt Leuchte im Bad schon langsam, aber sehr kräftig entwickelt und waren mit ungefähr 20 Zentimetern genauso gross wie der Rest meiner Untermieterinnen. Allerdings war ihr Wurzelwerk schon viel weiter verzweigt, was sich in der Folgezeit durch ein schnelleres Wachstum bemerkbar machen sollte. Das sind die beiden fetten Ausreisser auf den Fotos, die schon an den Reflektor stossen.

Kannst Du mir kurz was zum Equipment sagen?

Klar. Wie viele habe ich mittlerweile ein fertiges Zelt, als Franzose nutze ich natürlich den Secret Jardin (Dark Room). Ich habe die 60x60 Version im kleineren meiner zwei Badezimmer stehen, die ich mit einem 250 Watt-Leuchtmittel betreibe, wobei ich die auch in den ersten beiden Blütewochen ein MH-Leuchtmittel für die vegetative Phase nutze, bevor ich es gegen ein Blüte-Leuchtmittel austausche.

Warum nicht am Anfang der Blütephase?

Ich brauche besonders bei grösseren Sorten jeden Zentimeter Platz, denn mit dem Cooltube, dem Filter und dem Schalldämpfer, über den kann ich die Lampe nicht ganz bis unter das Zeltdach ziehen. Ohne Cooltube wird es aber zu heiss in der Bude, ich habe es beim ersten Durchgang ausprobiert. Also versuche ich, die Pflanzen möglichst klein zu halten. Mit der Metall-Halogen Lampe werden die Internodien kürzer, die Pflanze entwickelt sich etwas gedrungener und kompakter als unter Natriumdampf-Licht. Das macht zwar nur ein paar Zentimeter aus, aber das sind oft die entscheidenden. Der Ertrag wird dadurch meiner Erfahrung nach nicht beeinträchtigt, lediglich die Abstände zwischen den einzelnen Bluten, die lnternodien, sind kleiner. Den Schalldampfer habe ich wegen der neugierigen Nachbarn eingebaut, sicher ist sicher.

Was sind denn das für komische Töpfe?

Nicht komisch, nützlich sind die. Die habe ich zum ersten Mal in Belgien gesehen, die heissen Airpots und dienen der besseren Wurzelentwicklung. Ich versuche das mal auf „Franzenglisch"*" zu erklären, ich hoffe Eure Leser wissen dann, was ich meine (Klar Pierre, wir haben's ja sowieso übersetzt):

Air Pruning ist eine Technik, die die Wurzeln daran hindert, am Rand des Topfes entlang zu wachsen und Ringwurzeln zu bilden, indem die Wurzeln der trockenen Luft und Licht ausgesetzt werden. Eine Pflanze „weiss nicht, ob sie in freier Natur wachst oder in einen Plastiktopf gesteckt wurde. Sie verhalt sich aber immer nach den Regeln der Natur. Und das wird ihr Problem, denn die Wurzel wachst gegen die glatte und undurchdringbare Topfwand. Sie versucht ständig einem Hindernis auszuweichen, was unweigerlich zur Bildung von sehr langen, am Innenrand des Topfes entlang laufenden Ringwurzeln führt. So wächst sie absolut uneffektiv.

Meine Töpfe haben viele kleine Ausbuchtungen, die mit Lochern versehen sind. So stoppt die Wurzel ihr Wachstum, wenn sie das Luftloch erreichen und verzweigt sich neu. Dieser Vorgang wiederholt sich ständig, überall an den Topfrändern, so dass ein dichtes, verzweigtes und im Substrat sitzendes Wurzelwerk mit vielen Wurzelspitzen und Fein­wurzeln entsteht. Hierbei ist ein wichtiger Faktor die Luftfeuchtigkeit der Umgebung. Je trockener die Umgebungsluft, desto stärker und extremer ist der Effekt. Je feuchter die Umgebung ist, desto länger überleben die Wurzeln auch an der Luft. Deshalb versuche ich besonders während der Blütephase, meine Box unter 50 Prozent Luftfeuchtigkeit zu halten. Zudem lose ich mit dieser Art Töpfe das Staunässe-Problem auf einfachste Art.

Man lernt nie aus, vielen Dank für die kleine Wurzelkunde! Was machst Du noch, damit die Pflanzen so kräftige Blüten wie auf Deinen Fotos entwickeln?

Mein Kokos-Medium dünge ich relativ moderat mit dem alt bewahrten GHE 3-Kompo­nenten Dünger (Grow, Micro, Bloom).Shaman Mein Leitungswasser ist schon weich und so starte ich mit 1,0 mS in der ersten Blütewoche und steigere mich sukzessive auf 2,2 mS in der 5. Woche. Danach fahre ich den Dünger wieder langsam bis auf 1,8 mS runter und gebe die letzten zehn Tage nur noch klares Wasser mit einem kleinen Schuss Riper von GHE. Bis auf die letzte Woche, in der ich ihn auf 5,5 senke, ist der pH-Wert immer 6,0. Zusätzlich nutze ich noch Wurzel- und Blithstimulator von Bio Nova und ganz wenic PK13/14 in der Hauptbffite. FriIher habe ich immer den neusten und teuersten Dünger gekauft, aber mit den Jahren achte ich auch hier ein wenig auf's Geld. Ich habe gemerkt. dass die Wurzelentwicklung bei meinen Grows viel wichtiger ist als der verwendete Dünger. Ist ja auch logisch, denn was hilft die beste Nahrung, wenn man nur einen Teil davon aufnehmen kann? Entscheidend ist die Wurzelentwicklung bei den Jungpflanzen, egal ob Steckling oder Sämling. Wenn ich sehe, dass eine zwei Wochen alte Pflanze oben gesund aussieht, der Wurzelballen jedoch nur aus ein oder zwei langen Wurzeln besteht, fliegen sie in meinen Gartenabfall-Schredder. Nach zwei Wochen muss bereits ein ordentliches Wurzelgeflecht zu sehen sein, damit sich eine Hanf-Dame in der darauffolgenden, anstrengenden, kurzen Blütezeit auch wirklich optimal entwickeln kann.

Wie sieht es mit Schädlingen aus?

Wie du siehst, sind meine Pflanzen kerngesund, das ist aber leider nicht immer so. lc­h hatte schon einmal einen Spinnmilbenbefall, den ich auch mit Nützlingen nicht weg bekommen habe. Chemie wollte ich in der Blüte nicht benutzen und so habe ich ­lange gesucht und eine relativ zuverlässige Methode gefunden: Ein Schwefel-Vernebler­ macht nicht nur Pilzen wie Mehltau, sondern bei wiederholter Anwendung auch Spinn­milben den Garaus. Ich wollte es erst gar nicht glauben, aber nachdem ich das Ding drei Mal angeschmissen hatte, waren die Viecher verschwunden. Eine Woche später habe ich noch Nützlinge dazu bestellt und seitdem sind Spinnmilben in meiner Box Geschichte. Vor über einem Jahr hatte ich auch mal Mehltau, dafür hatte ich mir den Schwefel-Vernebler besorgt und den Mehltau innerhalb von drei Tagen besiegt. Ich versuche seitdem, den Pflanzen so viel Luft wie möglich zu geben, vor allem indem ich dort, wo im unteren Bereich sowieso kein Licht hinfallt, das Blattwerk ordent­lich ausdünne. So werden die Bluten fett, die Luftzirkulation ist besser und beim Ernten spare ich mir Arbeit, weil es kaum welche der kleinen, mühsam zu beschneidenden „Popcornbuds" gibt.

Erntest Du mit Hand?

Na klar, bei so kleinen Mengen würde sich eine Maschine kaum lohnen. Erstens sitze ich gerne ein oder zwei ganze Abende über den frisch geernteten Pflanzen, zweitens mache ich ja noch Haschisch aus den Schnittresten. Zur Zeit kenne ich leider keine Maschine, die den Verschnitt nicht so zerschreddert, dass die Trichome zerplatzen. Aus den Resten kann man höchstens noch einen Kuchen backen, zum Haschisch machen muss per Hand getrimmt werden. Ich kann mich erinnern, dass es ganz früher mal eine Art elektrische Pflanzenschere gegeben hat, deren Trim noch verwertbar war, aber leider ist der „Bonsai-Hero" mitsamt seinem Produzenten vom Growmarkt verschwunden. Die Erntemaschinen der zweitenGeneration sind zwar sehr prazise und schnell, aber ich gebe Dir da recht: Bislang gibt es keine, deren Trim zur Produktion von gutem Hasch geeignet ist. Ein Bekannter von mir aus den Niederlanden hat sich ziemlich geärgert, als er aus einem Sack voller Knipsreste Eishasch machen wollte: Die Siebe waren allesamt mit einer grünlichen Sauce überzogen, die keine sichtbaren Trichome enthielt. Unter der Lupe wurde dann klar, dass die Trichome schon beim maschinellen Besch­neiden zerstört wurden und jetzt als unablösbare Masse an den Blatt- ­und Stielresten klebten.

Siehst Du, deshalb mache ich alles mit der Hand: Das Einpflanzen, Giessen und Ernten schafft eine Art Nähe zu den Pflanzen,Himalaya Gold die ich gar nicht missen möchte. Okay, wenn man drei oder vier Lampen sein Eigen nennt, kann ich verstehen, dass technische Hilfsmittel unab­dingbar sind. Aber ein ordentlicher Selbstversorger sollte allein aus Stolz und Mitgefühl auf Handarbeit setzen. Genau wie man beim Trocknen die notwendige Geduld aufbringen muss. Ich lasse mein Gras mindestens zwei Wochen trocknen, bevor ich es antaste. Kann ich mir zum Gluck leisten, seit ich selber anbaue. Nur bei meiner allerersten Ernte war die Gier so gross, dass ich nach einer Woche schwach geworden bin. Heute teile ich mir mein Gras auch insgesamt besser ein als in jungen Jahren.

Wie viel rauchst Du denn so?

Kommt darauf, wie meine Vorratsdose gerade gefüllt ist. Ist sie prall, rauche ich morgens vor der Arbeit einen Zug im Vaporizer und nach der Arbeit ungefähr zwei bis drei kleine Joints über den Abend verteilt. Neigt sie sich dem Ende, so teile ich mir die eine Feierabendtüte ein, bis ich ins Bett gehe.

Was unterscheidet Grower in Frankreich von denen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?

Wenig, glaube ich, aber ich würde sagen, bei uns muss man sich noch bedeckter halten. Da es kaum Medien über Hanf gibt, die Growbücher nur ohne Hanfbilder auf den Markt dürfen und das Thema auch so kaum in den Medien auftaucht, kommt man sich ein wenig allein gelassen vor. Klar, es gibt auch viele Aktivisten, aber denen ist dc Anbau an sich nicht so wichtig. Aber ich habe ja schon erzahlt, das sich auch bei uns so eine Art Clique gebildet hat, mit der ich mich gerne austausche. Der Konsum ist eben auch verboten und irgendwie ist Growing etwas, über das man nicht öffentlich spricht. Du wirst auch im Internet sehr wenige Growerseiten aus Frankreich findet, die kommen alle aus Kanada oder der französischen Schweiz. Dafür kiffen aber auch mehr Leute als zum Beispiel in Deutschland, was uns auf eine Art wiederum zur, so würde ich es einschätzen, illegalisierten Minderheit des Landes macht. Da kann man sich schon fast erhaben fühlen. Denn obwohl der Grasanbau ja so verboten und suuuperschlimm ist, fallen die Strafen dann doch eher moderat aus, ähnlich wie bei Euch im nördlichen Teil der Republik. Es geht selten jemand für einen Grow in den Knast. Ansonsten machen wir es wie der Rest der Welt: Wer nicht draussen anbauen kann oder will, braucht eine Lampe, eine Box oder ein Zelt, ein gutes Buch, Luft, Liebe und ein wenig Dünger sowie ein wenig Know How, um unabhängig zu werden! ;-)

Ich denke, beim illegalen Hanfanbau wächst Europa schneller zusammen als auf anderen Feldern.

Was uns wieder Sinn und Zweck der Prohibition offenbart. "Ver­biete etwas und es wird erst recht funktionieren!"

Frankreich kann 550.000 Konsumenten täglich und sechs Millionen Verstösse nicht mehr übergehen, als sei das nichts. Jeder macht es und das wird in zehn Jahren auch noch der Fall sein. Für mich ist das Hanfverbot ein Verbrechen gegen die Natur des Menschen und die Bio-Diversität. Wir sollten den Growern dafür danken, dass sie sich zur Aufgabe gemacht haben, die Sortenvielfalt zu erhalten, neue Strains entwickeln und so eine zu Unrecht verbotene Pflanze zu beschützen. Cannabiskonsumenten selbst sind die besten Experten, wenn es um das Wissen über und um den Schutz der Pflanze geht.

Besser hätten wir es nicht sagen können, Pierre. Wir danken Dir für das aufschlussreiche Gespräch, den Hanfbauern in Deiner Heimat und wünschen Dir auch für kommende Projekte alles Gute. Mach's gut!

Gern geschehen, grosses Big Up an die Grower/Innen bei Euch, die besonders in Deutschland zusätzlich unter dem Samenverbot leiden und sich trotzdem nicht klein kriegen lassen, sondern so die besten Stecklingszüchter des Kontinents geworden sind. Verbote können auch was Gutes haben. Au revoir.

Kimo

aufgrund meiner relativ begrenzten Französisch Kenntnisse mussten wir bei komplexen Sachverhalten „kauderwelschenen";-)

0 Comments: