Dezentrale Cannabis Produktion

July 29th at 3:55am Tasha Maxwell

Viele Grower, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen, träumen von großen Räumen mit einer zwei- oder gar dreistelligen Zahl an Lampen, großen Säcken voller Buds und Bergen von Geld. Das Problem bei der Sache: Fliegt der Grow auf, so ist man erst einmal für ein paar Jahre im Zwangsurlaub und das ganze investierte Geld ist weg, zudem ist meist eine immens hohe Geldstrafe fällig. Wer im Kleinen erfolgreich heim(lich) gärtnert, ist nicht automatisch ein guter kommerzieller Grower, denn hierbei gelten andere Gesetze: Aufgrund der anhaltenden Prohibition und Repression werden Profi-Grower behandelt wie Menschenhändler oder Waffenschieber und so haben sich einige, die sich von einer Lampe langsam "hochgearbeitet" haben, in einem Szenario wiedergefunden, das so gar nicht geplant war. Spätestens mit dem SEK-Einsatz aufgrund von sechs Lampen kommt dann auch die Einsicht, sich in eine Liga begeben zu haben, in der eigentlich andere den Ton angeben. Nämlich solche, die selbst nicht davor zurückschrecken, dem Gras zur Gewinnmaximierung»giftige Substanzen beizumischen.

Was aber tun, wenn das Hobby so viel Spass macht, dass man einfach die Freunde mitversorgen möchte? Oder auch der Job weg und kein neuer in Sicht ist oder die Ausbildung der Tochter zu kostenintensiv wird? Es gibt viele Gründe, ein wenig mehr Gras anzubauen, als man für sich selbst braucht, und wem nicht genug einfällt, muss nur die Serie "Weeds" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen anschauen. Die einfachste Lösung, der Mega-Growroom, birgt allerdings auch die schon erwähnten Gefahren.

Auf meiner Reise nach Wien zur Cultiva 2010 habe ich bei einem Hanfbauern aus dem süddeutschen Sprachraum Station gemacht, der eine ganz andere Art gefun­den hat, sich ein beachtliches Zubrot zu verdienen, ohne gleich eine Fabrikhalle mit Weed vollzustellen oder seine Wohnung in eine konspirative Grossgärtnerei zu verwandeln.

Pascal (Name von der Redaktion geändert) wohnt in einer mittelgrossen Stadt und lebte eine Zeit lang mehr schlecht als recht, weil er nach kurzer Arbeitslosigkeit einen Job in einer Zeitarbeitsfirma annehmen musste, für den es glatte 25 Prozent weniger Geld gab als bei seiner alten Arbeit, wobei die Arbeitsbelastung gleichzeitig höher wurde.

Die Zeit seiner kurzen Erwerbslosigkeit hatte er damals genutzt, sich ein schönes Set-Up mit einer 400 Watt Blühkammer und einem Mini-Raum für eine Mutter­pflanze und Steckklinge aufzubauen, wodurch er und seine Freundin immer ausrei­chend Cannabis für sich hatten. Wenn nicht gerade Sylvester war, blieb auch meist noch ein wenig zum Weggeben an Freunde übrig, so dass die Stromkosten in Höhe von 35€/Monat für eine Lampe gedeckt waren. Dann hatten die beiden die Idee, ihren Freund Hanno, der ständig weder Weed noch Geld besass und aufgrund dieses Zustands ungebetener Dauergast war, in Sachen Homegrowing sozusagen zu sponsern.

Pascal hatte sich dann Hanno geschnappt und nachdem ein kurzes Ausmass in dessen Abstellkammer durchgeführt worden war, ging es zum nächstgelegenen Growshop. Die Entscheidung fiel auf ein 600 Watt Komplettset mit allerfeinsten Komponenten, die Kosten von knapp 1000 Euro sowie alle anderen Unkosten, die durch die erste Ernte entstanden waren, wurden ebenso von meinem Interviewpartner übernommen. Als Gegenleistung sollten dann nach der Ernte Grasblüten im Wert des ausgelegten Geldes zurück gegeben werden, ausserdem hatte sich Hanno bereit erklärt, Pascal für die Starthilfe ein Jahr lang einen vorher festgelegten Teil der Ernte abzugeben. Danach sollten sich die botanischen Wege der beiden wieder trennen.

Gut geplant und unauffällig realisiert wurde das Projekt zum vollen Erfolg, mehr sogar: Pascal hat sein Geschäftsmodell über die Jahre ausgebaut: Mittlerweile hat sein halber Bekanntenkreis eine kleine oder mittelgrosse Growkammer Zuhause, bei denen er auf die eine oder andere Weise mitgewirkt hat.

Auch seine kleine Growkammer und den vegetativen Raum betreibt er immer noch. Bevor wir uns zum Interview setzen, zeigt er mir noch seine eigene Box: Eine Mutterpflanze steht neben einem Gewächshaus frisch bewurzelter Stecklinge, wäh­rend nebenan 18 Jack Herer Ladies in 6 Liter Töpfen seit knapp sechs Wochen in der Blüte stehen. Pascal baut uns eine dicke Tüte "Jack Herer", das noch von der vergangen Ernte stammt und lässt mich in der Zeit meine Fotos machen. Dann schliesst er die Schiebetür und lädt mich ein, auf dem Sofa Platz zu nehmen, um zum folgenden Gespräch eine entspannende Sportzigarette anzuzünden.

Thcene: Hallo Pascal

Pascal: Hallo

Dezentrale Cannabis Produktion9Schöne Box, wann ist es denn soweit?

Ich denke, dass ich sie in 14 Tagen ernten werde. Ich lasse die Jackies nicht so gerne lang stehen, die schmecken dann schon zu intensiv. Nach 70 Tagen ernte ich.

Wie man an der Mutterkammer sieht, züchtest du aus Stecklingen ?

Genau, die bereite ich schon drei Wochen vor der Ernte vor. So haben sie eine gute Woche Zeit zu bewurzeln und können dann nochmal zwei Wochen wachsen. Wenn ich dann ernte, habe ich auf diese Art und Weise schon genügend Pflanzen, die ich direkt in Blütekammer stellen kann, ohne dort die Beleuchtungszeit auf 18 Stunden ändern zu müssen. Natürlich kann ich die Mutter in der Wachstumskammer während meiner Blühphase noch ein bis zweimal beschneiden. Insgesamt kommen fast 80 Stecklinge pro Monat rum, also mehr als ich brauche. Die stecke ich dann in meine anderen Projekte.

Die da wären? Auf dem Weg hierher habe ich dir ja schon erzählt, dass ich fast aus Versehen darauf gekommen bin, einen Teil meines Lebensunterhalts mit dem Anbau von Cannabis zu verdienen. Nachdem Hanno auf eigenen Beinen gestanden hat, haben mich gleich drei Freunde gefragt, ob ich das Gleiche nicht mit ihnen machen wolle. Also habe ich nachei­nander noch drei Set-Ups besorgt, zweimal ein 600 Watt Homebox Komplettset sowie eine kleine, selbst gebaute 2 x 400 Watt Blühkammer. Zu den gleichen Konditionen wie bei Hanno. Hat das auch so gut geklappt? Definitiv ja. Ich passe schon auf, wo und mit wem ich so ein Projekt starte. Wichtig ist vor allen Dingen, dass meine Grow-Partner unauffällig leben. Mit Leuten, die aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Lebens­gewohnheiten ständig Gefahr laufen, mit den Nachbarn oder der Polizei anzuecken, growe ich nicht. Auch ist es wichtig, von vorne herein klar­zustellen, dass Gier fehl am Platze ist. Den Ball flach halten, nie mehr als zwei Lampen und wenn nötig auch mal Pause machen, das sind meine Bedingungen für eine Kooperation unter Freunden. Hilfst du nur finanziell oder auch mit Know-How? Natürlich auch mit dem nötigen Know How, und, wenn ich welche übrig habe, mit Stecklingen. Meist besorge ich den Kollegen gleich ein Buch und eine DVD, die sie vor dem Aufbau ansehen müssen. Den technis­chen Aufbau und das Ansetzen der Jungpflanzen machen wir dann zusammen und besonders in den ersten drei Wochen komme ich öfter mal, um zu schauen. Ich versuche auch von Anfang an einzuschät­zen, welche Art Indoorgarten am besten zu der jeweiligen Person passt. Die meisten, denen ich Starhilfe gebe, sind ja Anfänger in dieser Hinsicht. Dezentrale Cannabis Produktion3Da rätst du ihnen wohl meist zu Erde als Medium? Ja und nein. Ich versuche erstmal auszuchecken, ob die betreffende Person überhaupt einen Draht zum Indooranbau aufbauen will und kann oder ob es nur aus Lust am Kiffen oder fetten Buds geschieht. Habe ich das Gefühl, das ein gewisses Talent und die notwendige Leidenschaft vorhanden ist, gehe ich ganz anders heran als bei denjenigen, die ein­fach und mit wenig Aufwand gut rauchbares Gras ernten wollen. Letzeren schlage ich Erde und einen einfachen Dünger mit wenig Zusätzen vor. Merke ich, dass schon in der Planungsphase ein reges Interesse an allen Details besteht und das Ziel mit Enthusiasmus verfolgt wird, versuche ich, meinen "Grow-Schülern" von Anfang an ein umfassendes Basiswissen zu verschaffen. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich einem Neuling gleich ein komplettes Hydro-System mit allem Drum und Dran hinstelle. Aber das passiert selten, denn die meisten haben schon genug zu tun, um beim ersten mal eC und pH-Wert sowie alle notwendigen Parameter in den Griff zu bekommen. Den meisten, denen ich eine Zukunft als Grower zutraue, bekommen ein Coco-Set-Up. Dezentrale Cannabis Produktion7Das verzeiht Fehler, kann immense Erträge erzielen und verschafft dem wirklich ambitionierten Indoorgärtner die Grundlage, später einmal komplexe Hydro-Systeme zu betreiben. In den vergangenen Jahren habe ich schon die verschiedensten Typen zum Growen gebracht und bin der Meinung: Jeder Topf findet auch hier seinen Deckel, es muss nur von Anfang an klar sein, was man finanziell und zeitmässig investieren möchte. Leute, die ohne viel Aufwand growen wollen und mit einer kompletten Hydro-Ausstattung den Growshop verlassen, werden den Shopbetreiber und das neue Hobby alsbald verfluchen und das Equipment nach der ersten Missernte frustiert wei­terverkaufen oder einmotten. Anders herum gibt es Anfänger, die vor dem ersten Besuch im Shop schon drei Bücher gewälzt haben, von Hause aus ein grünes Däumchen haben und mit dem üblichen Einst­eiger-Kasten unterfordert wären. Diese Talente gilt es zu erkennen und zu fördern, indem man ihnen gleich in der ersten Box eine Menge Spielzeug wie Messgeräte, Thermo-Dimmer oder eine Bewässerungsan­lage mit einplant. Ich mache eigentlich den Job, den ein Growshopper machen würde, wenn Hanf legal wäre. Aufbau und Beratung sind den Growshops ja strengstens untersagt. Das ist die Marktlücke, die ich eher zufällig entdeckt habe. Ist das alles nicht sehr zeitaufwendig? Die eigentliche Arbeit machen ja die Leute selbst. Aber ich bin schon zwei bis drei Abende ausser Haus, und wenn gerade mal ein neuer Aufbau ansteht, sind es schon mal vier. Ich habe auch von Anfang an darauf geachtet, dass es nicht zu viel wird. Meine Grenze liegt bei drei "Kollegen" gleichzeitig. Wobei einer vom anderen nichts weiss, das ist klar. Natürlich wäre eine grosse Anlage viel effektiver, aber auch zeitaufwendiger und gefährlicher. Alleine könnte ich sie auch nicht betreiben, wäre also auch da abhängig von anderen. Und ein Partner, der ein oder zwei Lampen in der eigenen Wohnung betreibt, ist um so mehr darauf bedacht, nicht aufzufallen. Ist schon mal was schief gelaufen? Klar, in jeder Hinsicht. Ein Kollege von mir hat unerwarteten Besuch bekommen, weil der Typ, der vorher da gemeldet war, Mist gebaut und sich nicht umgemeldet hatte. Aber der Stress hat sich in Grenzen gehalten, war ja "nur" eine Lampe mit 15 Pflanzen. Der Betroffene hatte selbstverständlich schon vorher eine Blanko-Vollmacht beim Anwalt liegen. Habe ich auch und würde ich jeder/m empfehlen, die/der Hanfzucht betreibt. Auch andere Dinge können schief laufen, besonders wenn man nicht immer selbst alles in der Hand hat. Ein Ausfall der Zeitschaltuhr, eine zu spät eingeleitete Blüte und damit verbundene Platzprobleme in der Kammer oder ganz einfache Über-und Unterdüngung stehen ebenso regelmässig auf der Tagesordnung wie kurzfristige Zwang­sab- oder Umbauten aufgrund von Renovierungs- oder Instandset­zungsarbeiten der Haubesitzern oder Vermieter. Wie viele "Schüler" hattest du in den letzten Jahren? Ich würde sagen zwischen 15 und 20. Im Bekanntenkreis sind die Übergänge da manchmal fliessend. Einigen helfe ich auch nur mit Know How oder Steckis. Dafür zeigen die sich nach der Ernte ein wenig erkenntlich. Dezentrale Cannabis Produktion8Zurück zu deiner eigenen Box. Wie hast du die Mutti gemacht? Aus Samen oder hast du dir einfach einen kräftigen Steckling besorgt? Selbstverständlich aus Samen. Bei Mutterpflanzen traue ich eigen­tlich nur mir selbst. Zum Blühen sind Stecklinge in Ordnung, aber um eine stabile Mutter zu züchten, möchte ich die bestmögliche Genetik gerne selbst selektieren. Dazu besorge ich mir 20-30 Samen der gewünschten Sorte und lasse sie keimen. Sobald die Sämlinge vier oder fünf lnternodien haben, schneide ich jeweils einen Steckling von ihnen und nenne ihn nach seiner Mutter. Zum Beispiel habe ich zur Zeit 30 Sämlinge BG (Bubble Gum) 1-30, von denen ich wiederum 30 Stecklinge, BG 1'-30', geschnitten habe. BG 1-30 stelle ich dann in eine Blühkammer und warte ab, wie sie sich entwickeln, während BG1'-30' durchwurzeln. Sobald ich sehe, welche der 30 blühenden Pflanzen männlich ist, schmeisse ich diese raus, ebenso fliegt das jeweilge Pendant aus der Stecklingskammer. Stelle ich also fest, dass BG 2,6,12, 24,25, 17, 23, 25, und 27 männlich sind, so wandern sie zusammmen mit ihren Söhnen in den Schredder. Von den übrig geblieben Ladies beobachte ich genau, welche sich am besten entwickelt. Gibt es mehrere Kandidatinnen, so nehme ich die, die sich unter schlechteren Bedingungen (z.B. : wenig Licht am Rand, Umtopfstress oder zu wenig Dünger) als ihre Schwestern trotzdem so prächtig entwickelt hat. Sind also BG 1, 13, 16 und 25 aussichtsreiche Kandidatinnen für eine kommende Mutterpflanze, so schaue ich, welche der Ladies am meisten Stress und/oder am wenigsten Licht abgekriegt hat und habe so eine neue, stabile und widerstandsfähige Mutter­pflanze. Wie lange dauert so eine Selektion einer Mutterpflanze? Fast eine Ernte plus nochmal vier Wochen Vorbereitungen. Also zwischen 12 und 15 Wochen. Dann muss sie aber auch noch min­destens vier bis sechs Wochen wachsen und beschnitten werden, bevor man regelmässig und ausreichend Stecklinge von ihr schneiden kann. Ich schneide die jungen Muttis immer so, dass die Pflanze ungefähr 20 Zentimeter über dem Boden zweimal verzweigt. Ich ver­suche nicht nur eine Kelchform, sondern die Form einer Sektschale zu erreichen, damit ich möglichst viele Stecklinge auf kleinstmöglichen Raum schneiden kann. Wie lange kann man eine Mutterpflanze deiner Meinung nach nutzen/behalten? Wenn man sie nicht stresst im Prinzip unendlich lange. Stress wie übermässiger Schädlingsbefall, regelmässiges Sprühen von Insekti­ziden, Schwankungen in der Beleuchtungszeit oder ständige Fehler bei der Nährstoffversorgung können eine Mutterpflanze jedoch so nachhaltig schädigen, dass auch die Nachkommen Defekte aufwei­sen. Ich habe ja selbst aus Platzgründen immer nur eine Mutter­pflanze, liebe aber trotzdem die Vielfalt. Deshalb nehme ich mir alle zwei Jahre die Zeit, mit Hilfe meiner Kollegen eine neue Sorte zu selektieren, gerade ist wie gesagt Bubble Gum dran. Ausserdem versuchen wir innerhalb der Clique eine Sortenviefalt zu wahren, so dass sich jede/r mit einer vegetativen Kammer an einer anderen Sorte versucht.
Damit es für die Kollegen reicht? Erstens das und zweitens habe ich auch für mich selbst gerne 40 Stecklinge zur Auswahl, wenn ich 20 Pflanzen blühen lassen will. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass ein gleichhmässiges Wuchsbild für den optimalen Ertrag von immenser Bedeutung ist. Denn einzelne Ausreisser nach oben bedeuten, dass der Lampen­abstand für die anderen Pflanzen zu gross wird, Ausreisser nach unten, also so genannte Mickerlinge, kosten sowieso eine Menge Ertrag. Deshalb habe ich gerne mehr zur Auswahl, als ich schlussen­dlich benötige. Ich lasse also lieber mal einen meiner fetten Steck­linge für jemanden übrig, der mehr Platz als ich und grosse Töpfe hat. Ich achte eher darauf, dass die Mädels, die zusammen blühen sollen, von Anfang an möglichst gleich gross sind und dabei einen gut ausge­bildeten Wurzelballen haben. Wie hälst du es mit dem Dünger? Ich persönlich nutze für meine Coco-Grows einen 3-Komponenten Dünger, General Hydroponics und noch ein paar Wurzel-, Wuchs-und Blühzusätze. Ein 3-Komponenten-Dünger erfordert ein wenig Erfahrung und Einfühlungsvermögen, kann aber dafür in jeder Phase und auch auf jedem Medium genutzt werden. Wenn ich bei einem Partner merke, dass es möglichst einfach gehen sollte, gebe ich ihr/ihm einen einfachen ein-oder zwei Komponenten-Dünger sowie ein Düngeschema vom Hersteller und lasse sie/ihn nur den pH Wert mit einem einfachen pH-Meter oder nur mit Lackmus­papier kontrollieren. Wem selbst das zu viel ist, bekommt vorgedüngte Blüherde und eine Tonne mit Wasser. Ich habe einen Kollegen, der hat mit einem Fertigmix aus dem Grow-shop und klarem Wasser regelmässig 0,7 Gramm pro Watt geerntet, bei einem wöchentlichem Arbeitsaufwand von zehn Minuten. Auch so was gibt ordentliche Erträge wie man sieht, wenn der Rest des Set-Ups stimmt und es kostet am wenigsten Zeit, Aufwand und Nerven. Ich habe schon einige aufwendige Growräume gesehen, die es auf weniger Ertrag gebracht haben. Um eine optimale Nährstoffversorgung zu gewährleisten, nutze ich zusätzlich eine Osmoseanlage, weil wir hier sehr kalkhaltiges Wasser haben und mein Ausgangs eC-Wert hier bei über 1,0mS liegt. Das geht ohne Osmoseanlage auf Quali- und Quantität, das habe ich am eigenen Leib bei den ersten beiden Ernten vor Jahren erfahren. Mit Osmoseanlage kann ich Werte bis zu 2,7 mS düngen, die Pflanze fordern es sogar förmlich. Mehr geht auch kaum. Ohne Osmoseanlage kommt es immer auf den Ausgangswert des Wassers an, aber meist ist bei 2,3-2,4 mS Ende, ansonsten zeigen die Pflanzen Überdüngungs­merkmale wie gerollte Blätter, die so genannten Adlerkrallen. Vor der Ernte spüle ich natürlich ein paar Tage mit klarem Wasser. Dezentrale Cannabis Produktion6Trocknest du nach der Ernte in der Box? Um Himmels Willen, nein. Das kostet mich ja jedes mal zwei Wochen. Ich habe mir eine kleine Trockenbox gebaut, damit ich immer nahtlos durchblühen kann. Ansonsten müsste ich ja nicht so einen Aufwand mit den Stecklingen treiben. Ich kann so fünf Mal im Jahr ernten, ohne Trockenbox wären nur vier Ernten drin. Unsere letzte Frage. Erreichst du die Grower-Schalimauer von 1 Gramm pro Watt in deiner Box? Definitiv ja. Meist sind es zwischen 1,1 und 1,3 Gramm/Watt. Und die meisten meiner Schüler erreichen dieses Ziel spätestens nach dem dritten Durchgang auch. Vielen Dank für die Einblicke, die du uns in deine botanischen Aktivitäten gewährt hast. Mach's gut und pass auf dich auf. Ich danke für die Aufmerksamkeit. Grüsse an alle Leser/innen und denkt daran: 20 mal eine Lampe macht viel mehr Sinn als ein mal 20. Als ich Pasclas Haus verlasse, muss ich noch im Zug nach Wien an die erfolgreiche Guerilla-Taktik meines Gastgebers denken und kurz darauf träume ich von Drogenfahndern, die eine riesige Indoorplantage zers­chlagen, woraufhin sich die Lampen postwendend in 20 Kiffer Wohn­ungen ein neues Zuhause suchen, um dort weiterzubrennen. Rosige Aussichten. Keiner hat mehr als ein paar Pflanzen, die Growkultur ver­breitet sich wie ein gutartiges Geschwür und jeder Beteiligte hat sein Auskommen, ohne dabei anderen zu schaden. Eigentlich ein tolles Geschäftsmodell, wenn's nur erlaubt wäre. Doch spätestens die Schlagzeile der Zeitung meines Sitznachbarn reisst mich wieder aus dem Halbschlaf: "Rauschgiftplantage enttarnt: Tierpfleger baut Drogen im Nashornge­hege an" Eine Rauschiftplantage mit ganzen 33 Pflanzen. Deshalb denkt bitte immer daran: Dieser Bericht soll nicht nicht zu Straf­taten auffordern, besonders nicht zum illegalen Anbau von Hanf. Das ist und bleibt strafbar, auch wenn es noch so schön klingt. Dieser Bericht beschreibt lediglich Zustände, die nach knapp 80 Jahren Prohibition in jedem Land der EU im Jahr 2013 Realität sind.

0 Comments: