Legal High in Kanada - Guerilla Growing - Unterwegs mit Remo

Seit einigen Jahren ist Remo nicht nur selbst ein „Medical Grower", er fährt auch durch die Gegend und hilft anderen, ihre Gärten profes­sionell und effektiv aufzubauen und zu betrei­ben. Dabei erhält er immer wieder sehr inte­ressante Einblicke und erfährt Neues, denn jeder Grower scheint seine eigenen Tricks zu haben, das Optimum aus seinen Garten he­raus zu holen. Im Gegensatz zu den Guerilla Growern in Europa, besitzen die Hanffreunde, die Remo be­sucht, eine offizielle Erlaubnis zum Betrieb ihres Cannabis-Indoorgartens. Das bedeutet nicht nur, dass sie sich nicht verstecken müs­sen, sie können sogar mit den Behörden zu­sammenarbeiten. So gehört eine Alarmanlage und Videoüberwachung zum Standart für die meisten Growräume. Sollten sich unbefugte Personen an den Pflanzen zu schaffen ma­chen, würde sofort die Polizei verständig. Und die interessiert sich dann nicht für die Pflan­zen, sondern nur für die Einbrecher. Bei uns in Europa ist es ja meist genau umgekehrt...

Legal High in Kanada 01Ein weiterer Vorteil der legalen Growräume ist, dass der Grower die elektrischen Anlagen von einem Fachmann prüfen lassen kann. So werden zum Beispiel die Stromleitungen kon­trolliert, ob sie den Energiebedarf transportie­ren können, ohne zu überhitzen und zu einem Brand zu führen. Selbst die Feuerwehr hat die Möglichkeit, vorab die Räume zu inspizieren, um mögliche Probleme zu orten und rechtzei­tig für Abhilfe zu sorgen.

Um in den Genuss einer Anbaulizenz zu kom­men, muss sich der potentielle Grower ein Rezept vom Arzt verschreiben lassen, worin ihm der Arzt Cannabis als Medikament ver-schreibt. Mit dem Rezept kann sich der künf­tige Hanfpatient bei der kanadischen Behörde „Health Canada" registrieren lassen und er­hält von dort einen Ausweis und eine Regis­trierungsnummer. Damit ist er ein offizieller Besitzer einer Lizenz, die ihm ermöglicht, Cannabis als Medizin zu nutzen und seinen Bedarf selbst anzubauen. Im Rezept setzt der Arzt fest, wie viele Pflanzen der Patient für die Therapie seiner Erkrankung benötigt. Diese Zahl wird auch in seinem Ausweis und seiner Lizenz vermehrt. Je nach Krankheit können das unterschiedlich viele Pflanzen sein. So haben die meisten der Schmerzpatienten die Erlaubnis, 49 Cannabispflanzen zu besitzen. Bei Krebspatienten können das auch bis zu 98 Pflanzen sein.

Die Zahl der Pflanzen umfasst alle Pflanzen, die der Grower besitzt, egal ob die in voller Blüte stehen oder noch Stecklinge sind. Es spielt auch keine Rolle, wie viel Ertrag eine Pflanze bringt. Das einzige, worauf die Behör­den bei einer Kontrolle achten, ist die reineAnzahl der Pflanzen. Es ist also keine große Überraschung, dass die meisten Grower alles daran setzen, den Ertrag der erlaubten Anzahl von Pflanzen zu maximieren. Sie verzichten deshalb auf Mutterpflanzen und Stecklinge, und arbeiten nur mit Samen. Es werden im­mer so viele Samen angesetzt, wie sie legal anbauen dürfen. Bei einer groben Überschreitung der Erlaubten Anzahl von Pflanzen, droht ihnen der Entzug ihrer Lizenz.

Legal High in Kanada 02Wer seine Pflanzen nicht selbst anbauen kann oder möchte, hat auch die Möglichkeit, sich seinen Bedarf an Hanfblüten direkt bei „Health Canada" zu bestellen. Für 5 kana-dische Dollar pro Gramm (das entspricht etwa 3,6o ) kann sich dort jeder Lizenzinhaber bis zu 125 Gramm auf einmal bestellen. Auch Hanfsamen gibt es dort. Remo hat natürlich beides gestestet. Das Marijuana kam gut ver­packt in einer luft- und lichtdichten Tüte, und sah auf dem ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Doch wie Remo berichtet, ist es auf den zweiten Blick gar nicht mehr so toll. Der Ge­ruch erinnert ihn an getrocknetes Gras von einer Wiese, auch vom Aussehen her hat es eher was von Heu, als von guten Marijuana. Er hat kaum Harzkristalle, und die er entdecken kann, liegen auf dem Boden in der Tüte.

Legal High in Kanada 03Er fühlt sich darin bestätigt, dass er selbst deutlich besser Cannabis anbauen kann, als die Leute von „Health Canada". Und offen­sichtlich sehen das auch die meisten seiner Freunde so, denn in seinem Bekanntenkreis bauen so ziemlich alle ihren Cannabisbedarf selber an.

So führt uns Remo in den Indoorgarten seinesFreundes Lance. Lance wohnt in Vancouver und gehört dort zu den Growern, die im Rah­men eines offiziellen Programms der Stadt ih­ren Garten betreiben. Das bedeutet, dass sein Garten von den Behörden kontrolliert wird, um auf diese Weise Standards entwickeln zu können, die es auch anderen, weniger erfah­renen Growern, ermöglichen sollen, einen sicheren und produktiven Garten zu betreiben. Die allgemeine Sicherheit steht dabei an ober­ster Stelle, und das nicht nur für den Grower, sondern für die gesamte Nachbarschaft. In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekom­men, dass illegale, schlecht aufgebaute und gewartete Indoorgärten ein Feuer ausgelöst haben, dass nicht an der Wohnungstür halt machte...

Als Schmerzpatient raucht Lance am liebsten starke Indicas. Sie helfen ihm beim entspan­nen und einschlafen, reduzieren die Schmerz­attacken und sorgen für einen gesunden Ap­petit. Als eine seiner Lieblingssorten baut er deshalb „Hashplant" an. Sie ist vergleichs­weise einfach zu kultivieren, verzeiht auch schon mal den ein oder anderen Fehler, ist recht widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge und bringt zu dem einen guten Ertrag. Obwohl Lance eigentlich 49 Pflan­zen haben dürfte, stehen in seinem Anbau­raum zurzeit nur 25 Stück. Mit etwa 16qm ist der Raum relativ klein, so dass Lance nur fünf 1.000 Watt Lampen unterbringen konnte. Un­ter jeder Lampe zieht er fünf recht große Pflan­zen, von denen er pro Pflanze mindestens 120 Gramm bestes Blütenmaterial ernten kann. Das ist gerade genug, um über die Runden zu kommen. Deshalb möchte er, so bald es ihm seine finanziellen Mittel erlauben, den Raum vergrößern. Sein Ziel ist es, die Hälfte seiner 49 genehmigten Pflanzen in der vegetativen Phase wachsen zu lassen, während die ande­re Hälfte blüht. So möchte er es schaffen, im­mer frische Hanfblüten zur Verfügung zu ha­ben.

Legal High in Kanada 04Zur Klimakontrolle setzt Lance zwei Kühlge­räte in seinem kleinen Raum ein, die bei Bedarf anspringen und die Raumtemperatur bei 25°C halten. Auch die Luftfeuchtigkeit wird überwacht und in einem Bereich von 5o bis 6o Prozent gehalten. Dazu setzt Lance einen Luf­tentfeuchter ein, der ebenfalls automatisch funktioniert. Einen Absaugventilator benutzt Lance nicht, da er die Raumluft mit CO2 an­reichert, was natürlich auch über ein entspre­chendes Gerät gesteuert wird. Würde er die Luft absaugen lassen, würde damit auch das wertvolle CO2 abgesaugt werden und könnte die Pflanzen nicht bei der Photosynthese un­terstützen.

Obwohl Lance auf einem recht professionellen Niveau arbeitet, kann es vorkommen, dass doch Probleme in seinem Garten auftauchen. Zuletzt zeigten die sich in Form von Spinnmil­ben. Spinnmilben können immer dann auftre-ten, wenn die Luftfeuchtigkeit relativ gering ist. In Monokulturen wie einem Cannabisgar­ten sind Spinnmilben das häufigste Problem. Lance setzt zur Schädlingsbekämpfung auf rein biologische Mittel. Sein Spinnmilbenpro­blem hat er mit Hilfe von Raubmilben in den Griff bekommen. Die Raubmilben bevorzugen allerdings eine höhere Luftfeuchtigkeit als die Spinnmilben. Darauf hat Lance Rücksicht ge­nommen und die Luftfeuchtigkeit auf einenWert von um die 7o Prozent steigen lassen. Das kann aber auch leicht ins Auge gehen, be­sonders bei Pflanzen in voller Blüte besteht die Gefahr, dass sich Schimmel bildet. Des­halb ist es sehr wichtig, so Lance, dass man in der Zeit die Pflanzen noch genauer beobach­tet und beim kleinsten Anzeichen von Schim­melbildung die Luftfeuchtigkeit reduziert. Denn was nützt es, wenn zwar das Spinnmil­benproblem beseitig ist, aber alle Blüten verschimmelt sind? Und schließlich stellt auch der Schimmel eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.

Legal High in Kanada 05Gerade am Ende der Blütezeit, wenn die Pflan­zen nur noch mit viel Wasser gespült werden, kann die Luftfeuchtigkeit so weit steigen, dass Schimmel entsteht. Und da Lance der Meinung ist, das zwei Wochen lang gespült werden muss, steigt in dieser Zeit auch die Gefahr der Schimmelbildung. Sein Luftent­feuchter läuft dann auf Hochtouren, immer bemüht, die Luftfeuchtigkeit unter 6o Prozent zu halten.

Lance hat gelegentlich auch noch mit einem anderen Problem zu kämpfen, mit „Echtem Mehltau". Bei dieser Pilzerkrankung bildet sich ein Geflecht auf der Oberseite der Blät-ter und entzieht der Pflanze Nährstoffe. Die betroffenen Blätter fangen an zu welken und fallen schließlich ab. Lance geht gegen den „Echten Mehltau" mit einem „Schwefelbren­ner" vor, der in einer Ecke seines Growraums hängt und nur mit Bedacht eingesetzt wird. Andernfalls kann es passieren, dass sich das Schwefelaroma auf die Pflanzen nieder­schlägt und sie ungenießbar macht. Lance hat die Erfahrung gemacht, dass er so zwar den „Echten Mehltau" im Zaum halten kann, er darf es mit dem „Schwefelbrenner" aber nicht übertreiben.

Bei einem anderen Grower, sein Name ist Ja­son, zeigt Remo, dass sich auch größere Tiere für Cannabispflanzen interessieren. In Jasons Garten haben sich Mäuse zu schaffen gemacht und ihm insgesamt zehn Pflanzen ruiniert. Die kleinen Nager haben es irgendwie geschafft,einen Weg in Jasons Garten zu finden. Sie knabberten die Pflanzen an und schädigten sie so stark, das Jason sie entsorgen musste. Um der Mäuse-Invasion Herr zu werden, hat Jason anfangs Gift eingesetzt. Doch das ver­trägt sich eigentlich gar nicht mit seiner PhiloSophie, auf biologische Mittel setzen zu wol­len. So hat er das Gift schnell wieder entfernt, und durch Mäusefallen ersetzt, die nun in je­dem der Pflanzentöpfe stehen. Zwar hat er da­mit noch keine Maus gefangen, aber seitdem die Fallen herum stehen, hat sich auch keine mehr von ihnen gezeigt bzw. keine Pflanzen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Und mehr musste er ja gar nicht erreichen...

Auch Jason baut am liebsten Indicasorten an. Derzeit hat er eine „Kush"-Sorte am Start, die sehr potent wird und relativ schnell blüht. Überhaupt sind die Sorten mit dem „Kush" im Namen bei den nordamerikanischen „Medical Growern" immer noch sehr beliebt. Beson­ders ihr körperlicher Effekt, den „normale" Konsumenten eher als „müde machend" be­schreiben würden, entspricht genau den Vor­stellungen vieler Schmerzpatienten. Ein psy­choaktives High, wie das vor allem von den Sativasorten hervorgerufen wird, interessiert die meisten Medical Grower nicht.

Das bestätigt auch Mark, ein weiterer von Re­mos Grower-Kollegen. Er betreibt einen Raum mit insgesamt zwölf 1.000 Watt Lampen. Auch sein Garten kommt ohne „Fremdluft" aus, das heißt, er verzichtet auf Absaug- und Zuluft­ventilatoren. Er lässt das Raumklima nur mit Hilfe einer Klimaanlage regeln. Für die Regu­lierung der Luftfeuchtigkeit setzt auch er ei­nen Luftentfeuchter ein. Das führt zwar zu einem deutlich höheren Energieverbrauch, ermöglicht ihm aber den Einsatz eines CO2-Generatators. Und der wiederum sorgt für ein besseres Wachstum, weil durch den höheren CO2-Gehalt in der Luft die Photosynthese der Pflanzen besser vonstatten gehen kann.

Doch das Besondere an Marks Garten ist sein selbst gebautes Pflanzenbeet. Es besteht aus Spannplatten, die er zusammengeschraubt und mit Styropor und Teichfolie ausgeklei­det hat. In den so entstandenen Kasten hat er hochwertige Grow-Erde aus dem Fachgeschäft gefüllt. Hier hinein hat er dann die Pflanzen gestellt, deren Wurzeln nun viel Platz zur Ver­fügung haben. Ein Bewässerungssystem sorgt für eine gleichmäßige Versorgung mit Feuch­tigkeit und Nährstoffen. Mark ist der Meinung, dass er auf diese Art mehr Pflanzen auf we­niger Raum unterbringen kann. Zu mindest mehr, als in vergleichbar großen Töpfen.

Legal High in Kanada 06Insgesamt 89 Pflanzen darf Mark anbauen, und jede von ihnen soll einen möglichst ho­hen Ertrag liefern. Auch er hat in seinen Gar­ten Kameras installiert, über die er ihn perma­nent überwachen kann. Ein Alarmsystem ist direkt mit der örtlichen Polizeiwache verbun­den, die ihm zur Hilfe kommen würden, sollten sich einmal ungebetene Gäste bei ihm einfin­den. Überhaupt sorgt die Legalität des Canna­bisanbaus für eine Offenheit, die sowohl dem Grower als auch der Polizei und den Behörden zu Gute kommt. Dadurch, dass ein legaler Gro­wer seinen Garten anmelden muss, haben die Behörden die Möglichkeit, ihn zu kontrollieren und zu überprüfen, ob alles „vernünftig" aufgebaut wurde. Die Polizei spart sich Arbeit, weil sie dieses Cannabisplantagen nicht mehr „busten" muss. Und der Grower erspart sich die ganze Paranoia, die ja letztlich Krank ma­chen kann.

Die Beispiele von legalen Cannabis-Growern in Kanada und in Teilen der USA führen ein­drucksvoll vor Augen, wie mit dieser Art der Selbstversorgung umgegangen werden kann. In Europa, allen voran in Deutschland, wird immer noch gerne so getan, dass würde eine Freigabe des Cannabisanbaus das „Ende der Zivilisation" bedeuten. Es werden Legal High in Kanada 07lieber mög­liche Gefahrenszenarien konstruiert und als unausweichlich dargestellt, als sich mit den tatsächlichen Vor- und Nachteilen auseinan­derzusetzen. Denn wenn das vorurteilsfrei geschehen würde, wäre schnell klar, dass das Anbauverbot von Marijuana nur dem Schwarzmarkt nützt. Und wohl auch der Phar­maindustrie, die so ihre teuren und nicht sel­ten gefährlichen Medikamente unter das Volk bringen kann. Wenn es tatsächlich um den Schutz der „Volksgesundheit" ginge, wären wohl viele solcher Medikamente verboten, und der Anbau von Cannabis genauso erlaubt, wie der Anbau von Obst oder Gemüse...

Mehr über Remos „legal medical grower" fin­det ihr im Internet:

www.urbangrower.com

0 Comments: