Guerilla Growing - Weg mit dem Dreck ... bei mir kommt nur reines Gras in die Tüte

August 2nd at 6:23am Tasha Maxwell

Nach den Skandalen um glas- oder bleihaltiges Gras steigt die Zahl der Cannabis onsumenten, die sich nicht länger diesen Gefahren ausliefern wollen und selber Gras anbauen. Pascal hat es am eigenen Leib zu spüren bekommen. Er bekam verunreinigtes Gras. Es schmeckte ihm gleich seltsam. Beim näheren Betrachten fiel ihm auf, dass das Gras noch feucht war ... und das war Tage später nicht anders - es blieb feucht.

Ihm schwante, irgendetwas stimmte hier nicht ...

Wir lernen Pascal zufällig kennen und kom­men ins Gespräch. Er erzählt uns von seinem Erlebnis mit dem mysteriösen Gras, das nicht trocknen wollte und dass er nun selber illegal Gras anbaut. Ob wir ihn nicht spontan in den nächsten Tagen besuchen wollen, fragt er uns plötzlich. Ihr seid herzlich eingeladen ...

Guerilla Growing 01So kommt es, dass wir ein paar Tage später Pascal besuchen.

grow! Hallo Pascal, schön dich zu sehen. Erzähl uns doch, wie kamst du mit Cannabis in Berührung?

Pascal: Das war mit 18 Jahren. Wir hatten im Dorf einen Kumpel wohnen, der wesentlich älter wie meine Freunde und ich war, von dem wussten wir, dass er Haschisch raucht. Dar­über wurde bei den Dorfleuten hinter vorge­haltener Hand getuschelt ... Ich habe Horst, so heißt er, schon mit 16 Jahren kennen ge­lernt und ihn öfters daheim mit meinen Freun­den besucht. Er wohnte noch bei seinen El­tern im Keller und verfügte über eine große Ansammlung von Schallplatten. Alles Mög­liche von Jimi Hendrix bis Zappa. Stundenlang hörten wir Doors. Horst rauchte dann öfters eine selbst gebastelte Wasserpfeife. Obwohl wir ständig bettelten, er möge uns mal pro­bieren lassen, blieb er hart und meinte, dass wir dazu erst volljährig werden müssen. Kurz vor meinem Abi war es dann soweit und ge­meinsam mit den anderen volljährigen Freun­den rauchte ich beim Horst eine Haschpfeife. Da ich Nichtraucher bin und Horst in seine Mi­schungen Tabak hineingibt, musste ich heftig husten. Ich erinnere mich noch genau an die­sen Tag ...

grow! Wie kam es dann dazu, selber ille­gal Cannabis anzubauen?

Pascal: Mein erstes Erlebnis als Hanf­gärtner war sehr lustig. Ich bekam von einem Freund ein Pflänzchen geschenkt, im festen Glauben, dass es sich dabei um eine Hanf-pflanze handeln würde. Die bekam den besten Platz auf dem Balkon in meiner Studenten-WG und wurde mit Liebe gehegt und gepflegt, bis sich eines Tages herausstellte, dass es sich wohl um eine Kamille oder so ähnlich handeln würde ...

grow! Das ist ja lustig.

Pascal: Ja, darüber haben wir damals auch alle heftig gelacht ... (grinst)

Später hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit Outdoorpflanzen bei einem Kumpel im Gar­ten. Der hatte noch ein Stückchen Platz in seinem Gemüsebeet. Wir hatten die Samen im holländischen Gras gefunden und keimen lassen. Sie wuchsen fantastisch, schnell und dunkelgrün mit mehr als handgroßen Blät­tern. Leider waren sämtliche Pflanzen männ­lich und zu dieser Zeit war uns nicht bekannt, dass die männlichen Pflanzen gut für die Ge­winnung von Weedbutter geeignet sind. So landete alles auf den Kompost.

Guerilla Growing 04grow! Das hört sich ja sehr nach vergeb­licher Liebesmühe an. Wie kann es sein, dass du trotzdem heute einen Indoorgarten be­treibst?

Pascal: Aus Schaden wird man klug — hof­fentlich ...

Na, ja, die Liebe zur Cannabispflanze und be­sonders zur getrockneten Blüte ist unter ande­rem der Anlass dazu. Wir sind lange Zeit nach Holland gefahren und haben uns dort immer einen Vorrat für daheim geholt. Irgendwann hatte ich es über - keinen Bock mehr. Vor allem die Grenzkontrollen habe ich sehr gefürchtet. Ich habe mir immer einen Grasvor­rat von 5o Gramm gekauft. Das reichte dann meist einen Monat.

grow! Wurdest du je beim Schmuggeln er­wischt?

Pascal: Nein, Gott sei Dank niemals - ob­wohl es auch einige Situationen gab, in denen wir riesiges Glück gehabt haben. Auch wenn ich weiß, dass ich das Gras selber rauche, ... mir dabei noch sparsam einteile, zähle ich in den Augen des Staates bestimmt zu den Groß­dealern, falls ich erwischt worden wäre. Nein Danke, ... das ist Vergangenheit. Dann habe ich mich einige Zeit auf dem lokalen Schwarz­markt versorgt und am Ende den gestreckten Dreck gekauft.

grow! Baust du das Gras ausschließlich zu eigenen Zwecken an oder verkaufst du auch?

Pascal: In erster Linie baue ich es für mich an ..., aber ich verkaufe auch einen Teil der Ernte an ein paar gute Freunde. Trotzdem bin ich in meinen Augen kein Dealer. Ich unter­scheide mich krass von kommerziellen Dea­lern, die nur Kohle machen wollen, aber Hal­lo! Die Menge, die ich züchte, ist gering, reich werde ich dadurch nicht werden können. Mein Gras ist nicht mit Dreck gestreckt, im Gegen­teil. Meine Freunde bekommen nur das, was ich selber auch rauche - keinen Abfall. Zudem gebe ich es mit einem relativ geringen Gewinn ab.

grow! Vor der Idee her gibt es so ein ähnliches Projekt, allerdings mit Genehmigung der Regierung, in Spanien im Baskenland. Da schließen sich Cannabisfreunde zu Inter­essengemeinschaften zusammen, um sich selbst mit Cannabis zu versorgen. Ein Mitglied übernimmt dann den Anbau und gibt das Gras mit einem geringen Gewinn weiter an die rest­lichen Teilhaber ...

Pascal: Ja, davon dürfen wir nur träumen. Wir singen zwar Einigkeit und Recht und Frei­heit ...

grow! Erzähl uns doch was über den Grow­raum, wie viele Pflanzen hast du?

Pascal: Ich betreibe zwei 600 Watt Natri­um-Hochdruck-Lampen mit Sylvania Leucht­mittel in Cooltubes. Da stehen zwischen 36 bis 49 Pflanzen pro Lampe, in der Blühpha­se bei 12 Stunden Licht. Nebenan bereite ich dann die folgende Generation vor. Alle acht Wochen ernte ich und bis dahin züchte ich neue Stecklinge. Ich nehme immer ein paar mehr als nötig, um schwache Pflanzen gleich zu selektieren.

grow! Arbeitest du mit Mutterpflanzen?

Guerilla Growing 02Pascal: Nein, ein Kumpel von mir hat Mut­terpflanzen. Da könnte ich mir „zur Not" Neue holen. Ich schneide die Stecklinge von den Jungpflanzen, kurz bevor sie in den Blüteraum ziehen.

grow! Wie lange lässt du die Pflanzen wachsen?

Pascal: Sobald sie in den Blüteraum kom­men, stehen sie unter 12 Stunden Licht. Selbst dann wachsen sie noch ein Stück höher, das sollte man bedenken. Viele Anfänger den­ken, dass die Pflanze augenblicklich mit dem Wachsen aufhört, sobald sie 12 Stunden Licht erhält. Das stimmt mal gar nicht. Ich kenne ei­nen, der seine Blüten nur noch sehen konnte, wenn er auf einer Leiter stand. Er dachte, dass er durch extrem langes Wachstum mehr Ertrag erzielen würde. Leider war dem nicht so und so züchtete er mit hohen Stromkosten 3 Meter lange kahle Stiele ..., Wahnsinn!

grow! Welche Genetik verwendest du?

Pascal: Ich habe hauptsächlich Orange Bud von Sensi Seeds. Dann noch eine andere Sorte, aber die habe ich mitgebracht bekom­men und weiß nicht genau, was es ist. Sie hat aber in etwa eine gleich lange Blütephase wie die Orange Bud.

grow! Welches Medium verwendest du?

Pascal: Ich verwende hochwertige Erde, den Grow-Mix von Plagron. Darunter mische ich etwas Blähton. Die Stecklinge kommen zuerst in Steinwollwürfel für 10 Tage bis zwei Wochen, je nach Wurzelentwicklung. Danach setze ich sie in 8x8er Töpfen, wiederum für i­2 Wochen und in 2-Liter-Töpfe, wo sie noch­mal zwei Wochen bleiben. In der siebten Wo­che wechseln sie in 4-Liter-Töpfe. Ende der achten Woche wird der Blüteraum frei, bevor die Pflanzen da hinüberziehen, schneide ich hundertzwanzig bis hundertfünfzig Stecklin­ge. Die stehen anfangs unter TL-Röhren und ab der siebten Woche unter einer 400 Watt Quecksilber- Dampflampe. So läuft mein Zy­klus.

grow! Was erhalten deine Pflanzen an Nährstoffen? Düngst du organisch oder mine­ralisch?

Pascal: Meistens mineralisch, manchmal auch teilweise organisch. Ich habe schon ver­schiedene Produkte probiert. Am besten kom­me ich mit den Marken Bio Nova und Hesi zu­recht.

grow! Mit welchen pH- und EC-Werten ar­beitest du?

Pascal: Früher habe ich darauf keine Ob­acht gegeben. Mittlerweile bin ich schlauer und weiß, wie entscheidend der richtige EC- oder pH-Wert für die Entwicklung der Pflanzen ist. Ich halte mich an die allgemeinen Empfeh­lungen. PH-Wert immer um pH5.5 und den EC-Wert abhängig von dem Stadium, in dem sich die Pflanze befindet. Ich gebe den Stecklin­gen 0.8-1.0 EC, im Wachstum hoch bis auf 1.8 EC und in der Blüte 2.2.

grow! Erhalten die Pflanzen bis zum Ende Nährstoffe?

Pascal: Natürlich nicht, das machen nur Leute, die ihr Gras nicht selber rauchen und nur auf maximalen Ertrag gehen! Ich will mein Gras schließlich genussvoll rauchen können. Spätestens zwei Wochen vor der Ernte ist Schluss mit Düngen. Ich spüle nicht nur am Ende sondern auch zwischendurch ab und zu.

grow! Wie sieht es mit Schädlingen aus? Hast du damit schon Erfahrungen?

Pascal: Klaro, seien es Schnecken, Thrip­se, Spinnmilben oder weiß der Geier, was für seltsame Kreaturen alles auch auf Hanf ab­fahren ...

Leider ist kein friedvolles Auskommen mit ih­nen auf Dauer möglich. Sie sind einfach zu gierig. So bleibt nur der endlose Kampf ge­geneinander...

grow! Welche Waffen verwendest du ge­gen sie?

Guerilla Growing 03Pascal: In letzter Zeit habe ich sie ganz gut im Griff, ... sie haben sich wohl zurückge­zogen. Ich bin jedoch immer wachsam, habe Gelbtafeln hängen und besprühe die Pflanzen im Wachstum alle zwei Wochen mit einer Lö­sung aus Neemöl. Außerdem achte ich auf ein gutes Klima und halte den Raum sauber.

grow! Wie entscheidest du den optimalen Erntezeitpunkt?

Pascal: Tja ... lange Zeit habe ich über Tage hinweg den farblichen Zustand der Tri­chome (Harzdrüsen) beobachtet ... Oh Mann, das hat mich voll gestresst. Ich war mir nie wirklich sicher, wann der richtige Zeitpunkt ist ... Heute sehe ich alles lockerer. Ich schaue mir die Härchen der Blüten an. Wenn zwei Drittel rot sind, bin ich zufrieden. Ansonsten bestimmt mein Zyklus den Zeitpunkt. Ich habe zwar immer ein paar Tage Spielraum, doch die sind begrenzt.

grow! Wie gehst du bei der Ernte vor? Schneidest du von Hand oder mit einer Ma­schine?

Pascal: Ich schneide immer noch von Hand, obwohl ich mir schon öfters überlegt habe, zwecks Arbeitsersparnis so ein Teil zu kaufen. Von den elektrischen Cuttern halte ich nicht so viel - ich kann mir nicht vorstel­len, dass die schonend genug mit dem Ma­terial umgehen. Besser gefällt mir der manu­ell betriebene Tumble Trimmer. Wäre der ein Stück weit günstiger, würde ich ihn vielleicht kaufen ...

grow! Wo trocknest du, wie lange und bei welcher Temperatur?

Pascal:: Ich habe meinen Trockenschrank in einer Ecke des Wachstumsraums stehen. Das finde ich selber nicht ganz ideal, doch lei­der gibt es keinen besseren Platz. Der Schrank ist jedoch verschlossen und mit einem Absau­ger versehen. So erreiche ich eine Temperatur um die 22 Grad bei einer Luftfeuchte von etwa 55 %. Schon nach gut einer Woche sind die manikürten Buds getrocknet und kommen in den Lagerschrank außerhalb der Growanlage. Sie werden in farbige Glasbehälter abgefüllt und reifen dort eine weitere Woche, bevor sie in den Gebrauch gehen. Ich habe für mich fest­gestellt, dass jedoch nach vier Wochen Trock­nen das Gras am besten schmeckt.

grow! In den Niederlanden fliegen, laut Auskunft niederländischer Informanten, mitt­lerweile Drohnen zur Aufdeckung illegaler Hanfplantagen, die mit modernster Technik ausgestattet sind. Sie ermitteln via Spezial­sensor den Molekülgehalt der Luft an verdäch­tigen Gebäuden und können so Hanf-Planta­gen enttarnen. Von wegen Duldungsprinzip ...

Pascal: Mir wird ja übel! Und das in Hol­land - unglaublich.

grow! Hubschrauberflüge mit Wärmebild-oder Infrarotlichtkameras sind auch bei uns an der Tagesordnung. Hast du keine Angst enttarnt zu werden? Befürchtest du keinen Ar­ger mit der Justiz?

Pascal: Natürlich wäre das „the worst case". Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich eine Anlage betreiben werde. Da ich nicht auf mein Kraut verzichten möchte, bleibt mir kaum eine andere Wahl oder sollte ich lieber Alkohol trinken? Nein Danke! Ehrlich gesagt, verdränge ich die Gedanken daran und hoffe darauf, verschont zu bleiben.

grow! Dann bist du für eine Legalisierung von Cannabis?

Pascal: Auf jeden Fall, dann wäre ich kein Krimineller mehr, sondern ein einfacher Hanfliebhaber der einen Indoorgarten pflegt

grow! Da sprichst du sicherlich vielen Hanfliebhabern aus tiefstem Herzen ...

Wir wünschen dir alles Gute und bedanken uns recht herzlich für deine Einladung.

Pascal: War mir eine Ehre. Ich wünsche euch und allen Lesern einen schönen Som­mer. Peace und legalize Cannabis!

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