Cannabis anbauen – LED Power vs HPS

No Comments

Dass LED-Lampen immer mehr zu einem Thema werden, ist angesichts der stetig steigenden Energiepreise kein Wunder. In der Vergangenheit konnten solche Lampen ihre Versprechen aber nur bedingt erfüllen. Solange es um die Wachstumsphase, Aufzucht von Stecklingen oder den Erhalt von Mutterpflanzen ging, waren Lampen mit dem Leuchtmittel LED durchaus geeignet. Doch das sind energiesparende Leuchtstoffröhren im passenden Farbspektrum auch — und dazu noch deutlich billiger. Richtig interessant werden LEDs für Indoorzüchter erst dann, wenn sie in der Lage sind, die energiefressenden Natriumdampfhochdrucklampen (HPS) zu ersetzen. Nun scheint es die ersten Kandidaten zu geben, die diesem Anspruch gerecht werden wollen und sich einem entsprechenden Test stellen.

Wir haben über LEDs schon einige Artikel veröffentlicht. Darin haben wir uns unter anderem mit dem Funktionsprinzip, dem Farbspektrum und der Lebensdauer beschäftigt. Im Prinzip gibt es einige Gründe, die für die Verwendung von lichtemittierenden Dioden sprechen. Allerdings bringt ihr Einsatz als Pflanzen-lampe nur dann etwas, wenn die Erträge in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand und den Kosten stehen.
Gerade was die Kosten angeht, sind LED-Lampen noch weit von dem entfernt, was herkömmliche Leuchtmittel, die in der Pflanzenzucht Verwendung finden, kosten. Im Vergleich zu den Natrium-dampfhochdrucklampen, die nach wie vor den Standard in der Gewächshaustechnik darstellen, sind LED-Lampen um ein Vielfaches teurer. Eine HPS-Lampe bekommt man heute schon für unter 100 Euro (400-Watt-Selbstbausatz), für eine LED-Lampe, die eine ähnliche Lichtausbeute bringen soll, werden um die 50o Euro und mehr verlangt. Unser erster Testkandidat sollte ursprünglich sogar 999 Euro kosten, mittlerweile konnte der Anbieter den Preis jedoch auf 799 Euro senken — was aber immer noch viel Geld ist. Ob die LED-Lampe diesem Preis gerecht werden kann, soll der erste Test zeigen.
Versuchsbeschreibung
Unser erster Kandidat kommt von der österreichischen Firma „Das Anbau-AMT“. Das in Salzburg beheimatete Un-ternehmen bietet LED-Armaturen in un-terschiedlicher Größe und Leistung an. Wir bekamen eine 300-Watt-Lampe, die neben roten, blauen und orangefarbenen LEDs auch LEDs verbaut hat, die UV- und Infrarot-Strahlung emittieren. Was das Lichtspektrum angeht, hat diese Lampe also einiges zu bieten. Bevor wir die Lampe in ein Test-Labor geben, wo ihr Spektrum, die abgegebene Lichtenergie und viele weitere technische Details untersucht werden, sollte ein einfacher Anbauversuch zeigen, ob sich diese Investition überhaupt lohnt. Denn die Versuchsreihen der Test-Labore haben ihren Preis. Je nach Versuchsanordnung, den zu ermittelnden Werten und der Anzahl der Testobjekte variieren die Kosten im vierstelligen Bereich, die ein solcher Test verschlingen würde. Bei vorangegangen Anbauversuchen mit den Lampen anderer Hersteller hatte sich schnell gezeigt, dass die Lichtleistung der verwendeten LEDs nicht ausreicht, um eine Pflanze zu einer nennenswerten Blüte zu bringen. In solchen Fällen würde sich eine aufwendige, kostenintensive Labor-Untersuchung nicht wirklich lohnen.
Deshalb bestand unser erster Test darin, die Lampe unter realen Bedingungen einzusetzen und zu schauen, was am Ende dabei herauskommt. Denn, wenn das Endergebnis nicht zufriedenstellend ausfallen würde, hätte sich quasi auch der Labor-Test erledigt. Leider sorgt in Deutschland das strenge Betäubungsmittelgesetz dafür, dass wir nicht selbst die Versuche durchführen können. Zwar könnten wir Tomatenoder Paprikapflanzen verwenden, um zu schauen, wie sie unter LED wachsen. Aber eigentlich interessieren wir uns weniger für Gemüse, als vielmehr für unsere Lieblingspflanze Hanf …

Messung der Lichtenergie
Zum Glück konnten wir einen Grower fin-den, der sich bereit erklärt hat, den Test nach unseren Vorgaben durchzuführen. Er sammelt schon seit vielen Jahren Erfahrungen im Anbau von Hanfpflanzen und hatte selbst schon LEDs ausprobiert, jedoch mit wenig Erfolg. Er war deshalb anfangs durchaus skeptisch und konnte sich nicht vorstellen, dass diese LED-Lampe tat-sächlich (b)rauchbare Ergebnisse liefern würde. Mit unserem Lichtmessgerät, einem Quantum-Meter, das die Lichtenergie im Lichtspektrum von 400 bis 700 nm in „photosynthetischen Photon Flux“ misst — also den für Pflanzen nutzbaren Bereich — haben wir sowohl seine 600-Watt-HPS, als auch die LED-Lampe gemessen. Erstaunlicherweise lagen die Werte im gleichen Bereich. Die HPS ergab einen Wert von 1,810 ppfd (im Abstand von 3o cm) und die LED einen Wert von 1,815 ppfd (im Abstand von 10 cm). Der Abstand von der Lichtquelle spielt eine wichtige Rolle, denn bei einer Verdopplung des Abstands reduziert sich die Lichtintensität auf nur noch ein Viertel. Mit anderen Worten: Je näher die Lampe über den Pflanzen hängt, um so mehr Lichtenergie gelangt zu den Blättern. Jedoch muss der Abstand groß genug sein, damit die Wärmestrahlung nicht die Pflanze verbrennt. Das ist bei HPS-Lampen ein größeres Problem als bei den LEDs. Bei der Messung mit dem Quantum-Meter wurde der Abstand so gewählt, wie er auch im Growraum sein würde. Das Messergebnis motivierte unseren Grower, denn diesem zufolge sollte die Lichtenergie der LED für die Blütenbildung ausreichen. Bei früheren Messungen waren die getesteten „Energiesparlampen“ gerade mal auf Werte um die 90o ppfd gekommen — also auf die Hälfte von dem, was eine 600-Watt-HPS-Lampe abgeben würde. Für die Blüte werden aber Werte von 1000 ppfd und mehr benötigt.
Versuchs-Aufbau Hanfsamen bestellen
Unser Grower betreibt eine Homebox mit einer 600-Watt-HPSLampe. Hier zieht er die Pflanzen, die er für seinen Eigenbedarf braucht. Die Pflanzen wachsen in 4-Liter-Töpfen mit guter Erde aus dem Growshop. Für unseren Test hat er eine zweite Box angeschafft und direkt neben die HPS-Box gestellt. Er hat zwei Mutterpflanzen, eine Critical und eine Cheese. Von diesen hat er Stecklinge geschnitten, von denen wir sechs Stück für den Test ausgewählt haben, vier Critical und zwei Cheese. Drei Stecklinge kamen in die HPS-Box zu seinen „normalen“ Pflanzen, während sich die drei Stecklinge anfangs alleine unter der LED sonnen durften. Erst später, als wieder mehr bewurzelte Stecklinge zur Verfügung standen, wurde es auch im LED-Zelt voller. Da für diesen Test also nicht genug Stecklinge zur Verfügung standen, um damit einen kompletten Quadratmeter zu füllen, mussten drei Steckis reichen, um wenigstens die wichtige Frage zu klären: Reicht die Lichtenergie überhaupt aus, um ihnen eine vernünftige Blüte zu ermöglichen? Die Frage, wie es sich bei einem kompletten Quadratmeterverhält, muss in einem der nächsten Tests geklärt werden.
Um den Test möglichst neutral und aussagekräftig zu gestalten, wurden die Bedingungen in beiden Boxen so ähnlich wie möglich gehalten. In beiden Boxen sorgten Absaug- und Standventilatoren für den nötigen Luftaustausch. Alle Pflanzen erhielten den gleichen Dünger, und auch die Tagbzw. Nachtzeiten waren identisch. Der einzige Unterschied bestand in der Art der Lichtquelle und der Zahl der Stecklinge (wobei Letzteres für diesen Test nicht entscheidend war).
Die LED-Lampe wurde so nah wie möglich über die Pflanzen gehängt – wie sich schnell heraus stellte zu nah, denn einer der Stecklinge verbrannte sich die obersten Blattspitzen. Ein Abstand von mindestens io bis 15 cm ist erforderlich, um solche Verbrennungen zu vermeiden. In der HPSBox hing die Lampe etwa 3o cm über den Pflanzen. Näher ging nicht, da auch hier die Spitzen der Pflanzen verbrennen würden. Anfangs hatten wir vermutet, dass der Luftaustausch in LED-Zelt nicht zwingend notwendig sei, da die LED-Armatur
über eigene kleine Lüfter verfügt. Da sie aber nicht die Luft, sprich Temperatur, aus dem Growzelt beseitigt, geht ohne den Absaugventilator nichts – und das ist schlecht für die Pflanzen und die LED-Apparatur. Durch den Einsatz des Ansaugventilators sank die Temperatur unter der Lampe und pendelte sich bei 24° C ein. Zur selben Zeit lagen die Werte in der HPS-Box deutlich darüber: Die Temperatur sank während der Beleuchtungsphase nicht unter 27° C, die Luftfeuchtigkeit lag bei etwa 55 bis 6o Prozent. Man sollte dazu sagen, dass zu dieser Zeit auch die Außentemperaturen über 25 Grad lagen.
Ursprünglich hatten wir vermutet, dass die Pflanzen im LED-Zelt weniger Wasser verbrauchen würden. Doch es zeigte sich, dass sie genau so viel Durst wie die Pflanzen unter der HPS-Lampe hatten. Und das ist auch gut so, denn nur, wenn sie genug Nährstoffe aufnehmen, können sie auch große Blüten bilden. In diesem Fall gilt die Regel: Von nichts kommt nichts. Wir gehen davon aus, dass die vergleichsweise niedrige Luftfeuchtigkeit den Verdunstungsdruck in den Pflanzen erhöht und so den Stoffwechsel ankurbelt.
In der etwa siebenwöchigen Blütezeit zeigten sich schnell deutliche Unterschiede zwischen den LED- und HPS-Pflanzen. Die Pflanzen unter LED blieben deutlich kleiner, hatten wesentlich kürzere Internodien und überraschten mit ihrer dunkelgrünen, „gesunden“ Blätterfarbe. Im Vergleich dazu waren die HPS-Pflanzen mehr hellgrün – etwa wie Rasen. Wie gesagt, in beiden Bo-xen kam die gleiche Nährlösung zum Einsatz. Außerdem fiel auf, dass die Blüten unter der LED-Lampe noch fester und kompakter wurden, als das unter der HPS zu beobachten war. Das ist an sich nichts Schlechtes, im Gegenteil: Feste und kompakte Blüten werden von vielen Cannabisfreunden bevorzugt. Jedoch sind unserem Grower beim Gießen versehentlich ein paar Wassertropfen auf die Blüten gelangt. An diesen Stellen hatte sich unbemerkt Schimmel gebildet, der bei der Ernte großzügig entfernt werden musste.
Die Ernte
Entgegen der Voraussagen von Growern, die bereits andere LEDs getestet hatten, waren die Pflanzen unter den LEDs genauso schnell erntereif wie die Pflanzen im HPSZelt. Dass die LED zu einer kürzeren Blütezeit führen würde, konnte unser Test also nicht bestätigen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, haben die Pflanzen im LED-Zelt von oben bis unten Blüten gebildet. Dagegen sehen die Pflanzen aus dem HPS-Zelt nicht dicker aus. Die Waage bestätigte den Eindruck und sorgte dennoch für eine Überraschung: Die Cheese brachte unter der HPS-Lampe 5o Gramm Blüten (feucht), unter der LED waren es sogar 8o Gramm (feucht). Gut getrocknet blieben von den 8o Gramm knapp 20 Gramm und von den 5o Gramm etwa 11 Gramm übrig. Damit hat die Cheese unter der LED ein deutlich besseres Ergebnis als unter der HPS ergeben. Damit hatte niemand gerechnet.
Bei den Criticals war die Sache nicht ganz so eindeutig: Unter LED brachten sie 17 und 14 Gramm, bei den Vergleichspflanzen im HPS-Zelt brachte die eine 21 und die zweite 14 Gramm Ertrag. Bedenkt man, dass von der einen Critical aufgrund des Schimmelbefalls eine ihrer Top-Blüten fast vollständig entfernt werden musste, liegen die Testpflanzen auf einem ähnlichen Niveau was die Quantität betrifft.
Was die Qualität angeht, haben uns die Blüten aus dem LED-Zelt besser gefallen. Sie riechen fruchtiger und intensiver, und scheinen auch mehr Cannabinoide zu enthalten. Unser Blindtest ergab, dass die unter LED gezogenen Pflanzen offensichtlich besser schmeckten und wirkten, zumindest war der Inhalt des Glases mit den LED-Blüten schneller aufge(b)raucht als das Glas mit den HPS-Blüten.
Fazit
Unser erster Test einer LED-Lampe stimmt hoffnungsvoll: Die 300-Watt-LED-Lampe des Anbauamts aus Salzburg hat Resultate geliefert, die wir so nicht erwartet haben. Selbst unser einst so skeptischer Grower ist plötzlich begeistert: „Endlich gibt es LEDs, die tatsächlich in der Lage sind, Erträge zu ermöglichen, wie sie bislang nur von HPS-Lampen bekannt waren“. Allerdings hat der Test auch gezeigt, dass der Anbau unter LEDs eine etwas andere Strategie verlangt, als bei der Verwendung von HPS-Lampen. Die Temperatur im Growzelt sollte um die 25° C liegen, notfalls muss zugeheizt werden, während die Luftfeuchtigkeit mit unter 5o Prozent deutlich niedriger liegt.
Ob sich die LED-Lampen auch als Energiesparer eigenen, müssen zukünftige Tests zeigen. Denn erst, wenn sie einen ganzen Quadratmeter voller Pflanzen zu einem solchen Resultat bringen, sind sie eine echte Alternative zu den HPSLampen.
Der erste Schritt ist jedenfalls gemacht. In kommende Tests werden die Erfahrungen dieses Tests einfließen und womöglich noch bessere Ergebnisse liefern. Es liegen bereits drei weitere LED-Lampen anderer Hersteller, die auf ihren Test warten, bei unserem Grower bereit. Über die Er-gebnisse halten wir euch natürlich auf dem Laufenden.

 

More from our blog

See all posts
No Comments