Cannabis Samen, Sämlinge und Klone

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Erfahrungen eines professionellen Growers aus Colorado

In den US-Bundesstaaten Colorado und Washington, wo die Wähler die Verwendung von Cannabis zu „Genuss“-Zwecken legalisiert haben — aber auch in Bundesstaaten, wie Kalifornien,CannabisSamen02 wo immerhin der medizinische Einsatz von Cannabis möglich ist, konnte sich über die letzten Jahre eine professionelle Grower-Szene entwickeln. Es ist diesen Growern möglich, die Tests, Versuche und Untersuchungen anzustellen, für die man in den Ländern Mitteleuropas rechtliche Probleme bekommen kann. In Deutschland und der Schweiz ist selbst der Handel mit Hanfsamen verboten. Umso mehr freuen wir uns, dass uns Steve in seine „Trickkiste“ schauen lässt und den grow!-Lesern so manche der US-amerikanischen Erfahrungen zugänglich macht.
Eines der interessantesten und wich-tigsten Themen für Cannabis-Grower ist die Frage, wie junge Stecklinge und Sämlingspflanzen behandelt und gepflegt werden sollten, damit sie einen op-timalen Start ins Leben haben. Dabei ist festzustellen, dass es einen großen Un-terschied machen kann, ob Stecklinge oder Samen verwendet werden. Beide haben ihre Eigenheiten, die sich in Vor- und Nachteilen äußern. Ein offensichtlicher Unterschied besteht darin, dass bei der Verwendung von Samen die Möglichkeit besteht, männliche Pflanzen zu erhalten, die Pollen produzieren können. Der Pol-len kann benutzt werden, um damit neue Samen zu produzieren. Allerdings benö-tigen auch männliche Pflanzen Platz im Growraum. Dabei produzieren sie keine wirkstoffreichen Blüten und sind somit nicht das, wofür ein Grower normaler-weise die Pflanzen anbaut. Grower, die nicht daran interessiert sind oder nicht den nötigen Platz haben, um ihre eigenen Samen zu produzieren, versuchen deshalb, alle männlichen Pflanzen aus ihren Gärten fernzuhalten. Dazu können „feminisierte“ Samen eingesetzt werden. Aus diesen Samen entstehen in der Regel nur weibliche Pflanzen (siehe dazu auch den Artikel über feminisierte Samen und Zwitter ab Seite 86). Allgemein gilt, dass sich mit den feminisierten Samen renommierter Seedbanks heutzutage die gleichen guten Ergebnisse erzielen lassen, wie mit den regulären Samen — mit dem wesentlichen Unterschied, dass alle Pflanzen weiblich sind und die männlichen nicht extra heraus selektiert werden müssen.
Auf der anderen Seite werden für die Herstellung der feminisierten Samen chemische Substanzen, Hormone oder spezielle Anbautechniken eingesetzt. Einige Grower sind der Meinung, dass die Genetik der feminisierten Samen durch diesen Prozess „beschädigt“ wird und ihnen nicht mehr ihr voiles Potential für Ertrag und Wirkstoffspektrum zur Verfügung stünde. Hinzu kommt, dass einige feminisierte Samen dafür bekannt sind, Hermaphroditen (zwittrige) Pflanzen hervorzubringen. Das bedeutet, dass sowohl männliche (Pollen produzierende) als auch weibliche Blüten auf derselben Pflanzen vorkommen. Der produzierte Pollen kann — wie der von jeder gewöhnlichen männlichen Cannabispflanze auch — die weiblichen Blüten befruchten und aus samenlosen (sinsemilla) Blü-ten welche voller Samen machen. Diese Samen sind, genetisch betrachtet, der Mutter-/Vater-Pflanze sehr ähnlich, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch aus diesen Samen wieder zwittrige Pflanzen hervorgehen.
Ein Grower könnte zum Beispiel zehn teure femini-sierte Samen einer Kush, Haze, Indica oder anderen tollen Sorte kaufen. Wenn er sie über längere Zeit gro-wen will, ohne jedesmal neue Samen kaufen zu müssen, kann er nicht so einfach neue Samen produzieren, denn aus den feminisierten Samen wird keine „echte“ männliche Pflanze entstehen können. Er könnte den Pollen einer anderen männlichen Pflanze benutzen, müsste dann aber die daraus entstandenen Samen aufwendig zurückkreuzen, um die neue Sorte zu stabilisieren. Doch zum Glück lassen sich Pflanzen wie Cannabis auch über Klone (Stecklinge) vermehren.
Das Klonen ist eine wunderbare Technik für alle Pflanzenfreunde, denn es ermöglicht das Anbauen der selben Sorte über Jahre hinweg, ohne immer wieder neue Samen kaufen zu müssen. Dazu werden für jede Generation lediglich frische Stecklinge von der Mutterpflanze geschnitten. Auf diese Weise bleibt die Genetik unverändert, was Fluch und Segen zugleich ist. Auf der einen Seite ermöglicht diese Methode, die Genetik zu erhalten und immer wieder die Pflanzen mit gleichbleibenden Eigenschaften zu ziehen. Andererseits hat die Natur die zweigeschlechtliche Vermehrung „erfunden“, weil sich so die Pflanzen an die Lebens- und Klimabedingungen von unterschiedlichen Orten anpassen können. Durch die Kombination einer weiblichen und einer männlichen Pflanze unterschiedlicher Genetik werden ihre Eigenschaften auf vielfältige Weise kombiniert, wodurch ganz neue Sorten entstehen. Die sind zum Teil vitaler und gesünder als ihre Vorfahren und kommen besser mit den neuen Bedin-gungen klar.
Die männlichen Pflanzen können ihre Nachkommen widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Pilzbefall und Krankheiten machen, und außerdem können sie auch ihr Wirkstoffspektrum weiter vererben. Für die Gesunderhaltung und Weiterentwicklung einer Genetik sind männliche Pflanzen also unerlässlich. Und wer selbst züchten will, kommt an den männlichen Pflanzen nicht vorbei.
Über das „Weibchen-zu-Männchen-Ver-hältnis “ und die Keimfähigkeit von Cannabis Samen
Werden herkömmliche — also keine feminisierten — Samen eingesetzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wenigstens einige der daraus entste-henden Pflanzen männlich sind. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Hanfpflanzen wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst. Besonders die Umgebungsbedingungen in der frühen Lebensphase, der pH-Wert des Gießwassers, die zur Verfügung stehenden Nährstoffe, die Temperatur sowie einige andere Rahmenbedingungen haben hierbei eine Bedeutung. Selbst die Art und Weise, wie der Züchter die Samenpflanzen gepflegt und geerntet hat und wie die Samen gelagert wurden, kann einen Einfluss darauf haben, wie viele der Samen zu männlichen und wie viele zu weiblichen Pflanzen heranwachsen.
in annehmbares Weibchen-zu-MännEchen-Verhältnis liegt vor, wenn von zehn regulären Hanfsamen mindestens fünf Pflanzen weiblich werden. Ein solches Verhältnis gehört zu den Eigenschaften, die für einen Grower wichtig sind und die er von einer guten und stabilen Sorte einer renommierten Hanfsamenbank erwarten würde. Um auf Nummer sicher zu gehen, erkundigt sich ein schlauer Grower vor der Bestellung von Samen der favorisierten Sorten über das Weibchen-zu Männchen-Verhältnis. In einigen Fällen sagt dieses Verhältnis auch etwas über die allgemeine Gesundheit und Vitalität einer Sorte aus und erlaubt sogar Rückschlüsse auf deren Keimfähigkeit.
Minderwertige Cannabissamen (die immerhin die Hälfte des kommer-ziellen Cannabissamen-Markts ausmachen), zeigen ihre Probleme durch eine hohe Rate männlicher Pflanzen und einer schlechten Keimfähigkeit. Das bedeutet, dass zum Beispiel von zehn ausgesäten Samen nur sieben tatsächlich keimen. Und diese sieben Pflänzchen können eine recht unter-schiedliche Gesundheit aufweisen. So sind welche dabei, die schnell wachsen und Wurzeln bilden, während andere Pflänzchen — obwohl sie aus derselben Samentüte stammen — nur sehr langsam wachsen und kaum Wurzeln bilden. Andere Sämlingspflanzen wachsen zu hoch, knicken um, haben violette Stängel oder zeigen andere Schwäche-Symptome. Da alle Samen von derselben Sorten und vom selben Hersteller stammen, lassen sich die unterschiedlichen Wachstumsmuster nicht auf Probleme im Growraum oder auf Fehler des Growers zurückführen, sondern deuten auf eine minderwertige und instabile Genetik hin.
Leider gibt es in der Hanfbranche auch Samenproduzenten und -vertriebe, die nicht mit der nötigen Sorgfalt bei der Produktion, Lagerung und Qualitätskontrolle ihrer Samen vorgehen. Einige Grower aus Colorado haben mir berichtet, dass die Samen von renommierten Seed-banks, wie TGA, innerhalb von einem bis zwei Tagen keimen und dabei eine Keimrate von fast 100 Prozent erreichen. Bei anderen Samenbaken, deren Produkte zwar das gleiche kosten, kann die Sache ganz anders aussehen: Deren Samen brauchen mehrere Tage zum Keimen, und es keimen auch nicht alle, so dass eine nahezu 100-prozentige Keimrate in weite Ferne rückt. Und selbst, wenn die Samen keimen und zu jungen Pflanzen heranwachsen, bedeutet das nicht, dass das so bleibt und nicht während der späteren Wachstums- oder Blütephase erneut Probleme auftreten.
Das größte Problem ist, wenn die Samen nicht richtig gezüchtet bzw. stabilisiert wurden, oder wenn der Züchter dem Grower keine zuverlässigen Informationen zu Wachstumsmuster, Ertrag und Wirkstoffprofil geben kann. In beiden Fällen kann das dazu führen, dass aus den Samen nicht die Pflanzen entstehen, die der Grower eigentlich haben wollte.
Mir sind genug Fälle bekannt, wo jezum Beispiel eine Sativa-dominante Sorte bestellt und sich auf große Pflanzen mit langer Blütezeit und Sativa-Wirkung eingestellt hatte, um dann festzustellen, dass die Pflanzen recht klein bleiben und überhaupt nicht so aussehen wie auf den Katalogfotos und tatsächlich eher Indica- als Sativa-dominiert sind.
Beurteilen der Qualität von Cannabissamen und Samenvertrieben
Das Falsch-Etikettieren, die Instabilität und das Risiko an schlecht gezüchtete Hanfsamen zu geraten, sind Gründe, warum viele Grower lieber mit Stecklingen arbeiten. Wenn der Grower einen Steckling von der Mutterpflanze schneidet, kann er sich sicher sein, dass der Steckling nahezu dieselben genetischen Eigenschaften wie die Mutterpflanze haben wird. Beim Einsatz von Samen kann man sich nicht so sicher sein. Deshalb sage ich es noch einmal, zur Taktik eines guten Growers gehört es, sich vorab beim Züchter über die gewünschte Sorte zu informieren. Das Ziel ist klar: Die besten Samen zu bekommen, die es von der gewünschten Sorte zu haben gibt.
Doch was macht gute und qualitativ hochwertige Samen aus? – Ein Qualitätssamen keimt innerhalb von 1 bis 5 Tagen nach der Aussaat
– Ein Qualitätssamen wird so wachsen, wie es der Züchter angegeben hat. Oder anders herum: Wenn in einem Hanfsamenkatalog versprochen wird, dass es sich um eine feminisierte, Indica-dominierte Sorte handelt, die zu niedrigen Pflanzen heranwächst und 6o Tage blüht, tatsächlich aber — trotz optimaler Bedingungen — männliche dabei sind und die weiblichen 8o Tage für die Blüte brauchen, kann man von falscher und irrefüh-ender Werbung sprechen.
– Ein Qualitätssamen ist frisch genug, um auch nach 1 bis 3 Jahren problemlos und schnell zu keimen (vorausgesetzt, er wurde unter optimalen Bedingungen gelagert: sauber, dunkel, kühl, aber nicht zu kalt und bei niedriger Luftfeuchtig-keit). Allerdings lässt auch bei guten Samen die Keimfähigkeit mit der Zeit nach.
Viele der US-amerikanischen Grower kaufen ihre Samen direkt bei den Seedbanks in Nord-Amerika, Holland, England oder Spanien ein. Viele benutzen dazu das Internet und kaufen in Onlineshops. Dabei ist es gar nicht so einfach, über das Internet hochwertige Samen zu bekommen. Aber wenn dabei einige Punkte beachtet werden, kann auch das gelingen.
Es gibt verschiedene Bewertungs-portale, die auch so manchem OnlineSeedshop gute Noten ausstellen. Ich bin bei solchen Benotungen immer sehr vorsichtig, denn man weiß nie, wer tatsächlich die Bewertungen abgegeben hat. Deshalb halte ich es für unumgänglich, selbst Recherchen anzustellen und Informationen über die Hanfsamenbanken und die interessantesten Sorten zu sam-meln. Es gibt zahlreiche Foren, wo derartige Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Es schadet auch nicht, eine E-Mail an den Züchter zu schreiben und nach zusätzlichen Informationen zu fragen: Zum Beispiel, ob die gewünschte Sorte überhaupt auf Lager ist, welche Garantien er gibt, ob schlechte Samen umgetauscht werden und so weiter. Auch, dass man auf die Original-Verpackung des Produzenten Wert legt, sollte man mitteilen.
Denn es macht durchaus Sinn, auf Sa-
men in Originalverpackung zu bestehen, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich — bei ungeöffneter Ver-packung — tatsächlich um die gewünsch-ten hochwertigen Samen handelt. Es soll schon vorgekommen sein, dass die echten gegen Nutzhanfsamen ausgetauscht worden sind. Äußerlich lassen sich die nur schwer —wenn überhaupt—voneinander unterscheiden.
Es hat sich auch bewährt, die Samen im registrierten Paket verschicken zu lassen. Dessen Status lässt sich jederzeit online nachvollziehen und geht so nicht so leicht verloren. Das Business mit den Hanfsamen ist immer noch wie ein un-regulierter Schwarzmarkt, wo es keinen richtigen Verbraucherschutz gibt. Die hohen Gewinne, die sich hier realisieren lassen, locken auch Leute an, denen Cannabis und dessen Konsumenten eigentlich ziemlich egal sind. Für den schnellen Gewinn verlieren sie alle Skrupel. Dem Kun-den bleibt nur, sehr vorsichtig zu sein und ein gesundes Misstrauen zu entwickeln.
Cannabis Samen online bestellen
In Deutschland ist es seit 1998 verboten, Cannabissamen zu handeln. Das bedeutet auch, dass der Kauf über das Internet illegal ist. Obwohl in Colorado der Anbau für den Eigenbedarf praktisch erlaubt ist, sind hier die Grower immer noch sehr vorsichtig, wenn sie über das Internet Hanfsamen bestellen. Sie befürchten, dass die Bundesbehörden diese Daten abfangen und ihre Gärten entdecken könnten. Denn nach Bundesgesetz ist Cannabis – nach wie vor verboten.
Deshalb beachten sie einige wichtige Regeln:

– Sie lassen NIEMALS Samen an die Adresse liefern, wo sich der Growraum befindet.
– Sie bestellen nur bei seriösen und vertrauenswürdigen Seedshops (leider ist es nicht einfach herauszufinden, wer seriös und vertrauenswürdig ist).
– Sie benutzen für ihre Bestellung keine Kreditkarte, die auf den Namen des Growers bzw. auf jemanden aus seinem Haushalt (mit der selben Adresse) ausgestellt ist.
Diese Probleme können auftreten, wenn Samen online bestellt werden:
– schleppende Kommunikation (E-Mail-Beantwortung, telefonische Erreichbarkeit) oder gar fehlende Kommunikation (keine Antwort auf Anfragen)
– Keine Bestätigung des Bestelleingangs
– zu viel Geld abgebucht/doppelt abgebucht
– Ware nie erhalten oder unglaublich lange Lieferzeiten
– Kein Ersatz von verloren gegangenen oder fehlerhaften Sendungen
– Lieferung von unreifen/nicht keimfähigen Samen
– Samen befinden sich nicht in der Original-Verpackung der Hanfsamenbank, obwohl das zuvor versprochen wurde
– Die falschen/zu wenige/defekte/ka-putte oder zwittrige Samen werden geschickt
– Obwohl feminisierte geordert wurden, hat man reguläre Samen erhalten — oder auch anders herum
– Die Samen entwickeln sich nicht zu den Pflanzen, die man bestellt hat
– Gratis-Samen (die als Bonus ab einer gewissen Menge bezahlter Samen versprochen wurden) werden nicht mitgeschickt
Zehntausende von Menschen bestellen jedes Jahr Cannabissamen und bekommen genau das, wofür sie bezahlt haben. Wie auch immer, Cannabissamen kosten eine Menge Geld, und ich halte es für sinnvoll, sich schon vor einer solchen Investition Gedanken über die möglichen Herausforderungen und potentiellen Probleme zu machen.
Bericht eines Nordamerikanischen Cannabis-Züchters und -fachmanns
Hier ist der Bericht eines Samenzüchters, der für alle Hanffreunde von Interesse sein dürfte: „Ich beschäftige mich seit mehr als 35 Jahren mit der Zucht von neuen Cannabis-Sorten. Dabei habe ich stets versucht, die besonderen und einzigartigen Attribute, Effekte und Aromen herauszustellen.
Das Arbeiten mit Stecklingen hat seine Vorteile, doch mit Samen lässt sich eine Gefahr ausschließen: Mit den Samen holt man sich keine Schädlinge oder Krankheitserreger in den Growraum. Mit Stecklingen kann das durchaus passieren.
Außerdem weisen aus Samen gezogene Pflanzen eine bessere Gesundheit und Vitalität auf als ent-sprechend alte Steck-linge. Die Stecklinge und ihre Mutterpflanze können bereits alt, aus-gepowert und krank sein, ohne dass man das direkt sehen könnte.
Viele Grower bevorzugen feminisierte Samen, denn sie versprechen einen geringeren Selektionsaufwand (theoretisch gibt es keine männlichen Pflanzen, die ausgesondert werden müssen). Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass, was einfacher geht, nicht unbedingt besser ist. Oft ist es so, dass, je mehr Arbeit ich in eine Sache investiere, sie desto besser wird. Nur wenige gute Dinge kom-men auf einfache Weise …
Nicht selten werden feminisierte Samen den regulären vorgezogen, weil der Platz im Growraum begrenzt ist und sehr effizient gearbeitet werden muss. Warum sollte man zehn Pflanzen anbauen, wenn davon mit Beginn der Blüte die fünf männlichen entfernt werden müssen?
Ich löse das Problem, indem ich nur fünf der Samen ansetze und mir die besten weiblichen Pflanzen heraussuche. Die werden so mit Ernte steigernden Techniken wie „toppen“ oder „scrappen“ behandelt, dass sie genauso viel Ertrag wie fünf kleinere Pflanzen bringen.
Wenn ich mir Gedanken über neue Sorten mache, lasse ich mich von Gesprächen mit echten Medical-Growern inspirieren. Sie sind letztlich meine Kunden, sie sollen von meiner Arbeit profitieren können. Die Anzeigen in Magazinen oder die Gewinner von Preisverleihungen interessieren mich nicht.
Ich stelle immer wieder fest, dass viele meiner Kunden Schwierigkeiten mit dem Keimen haben. In dieser Ausgabe findet ihr einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema. Ich habe den Eindruck, dass bei der Verwendung einer Wärmematte einer der häufigsten Fehler eine zu hohe Temperatur ist. Die Samen werden regelrecht gekocht. Die beste Keimtemperatur liegt zwischen 21° und 25° C. Es gibt Hinweise darauf, dass in diesem Temperaturbereich mehr weibliche als männliche Pflanzen entstehen.“
Klone und Stecklinge
Zum Schluss dieses Artikels möchte ich noch etwas näher auf Stecklinge (=Klone) eingehen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des professionellen Cannabisanbaus. Das Tauschen oder Kaufen von Stecklingen ist eine einfache und gute Art, neue weibliche Pflanzen und mit ihnen neue Sorten in den Grow-raum zu bringen. Der Handel von „Clone-only“-Sorten, die es nicht als stabile Samen zu kaufen gibt, ist ein großes Business in Nordamerika. Es sind Sorten dabei, für deren Stecklinge Grower auch mal 500o Dollar auf den Tisch legen.
Solange ein Grower seine eigenen Stecklinge von seiner eigenen, gesunden und schädlingsfreien Mutterpflanze schneidet, kann er sicher sein, dass die Klone sauber sind. Doch sollte die Stecklinge aus anderen Quellen stammen, besteht immer das Risiko, dass mit den jun-gen Pflanzen ungebetene Gäste in den Growraum gelangen. Selbst wenn die Stecklinge augenscheinlich absolut okay und gesund aussehen, kann es sein, dass sie Spinnmilben, Läuse, Thripse oder andere Schädlinge oder Krankheitserreger transportieren. Professionelle Grower stellen „fremde“ Klone für einige Zeit in Quarantäne, bevor sie in den eigentlichen Growraum dürfen. Zudem werden sie prophylaktisch mit Neemöl oder anderen organischen Mitteln behandelt, um mögliche Erreger und Schädlinge loszuwerden. Mit Stärkungsmitteln, wie Blattnahrung aus dem Growshop und einer gering dosierten Nährlösung, werden die Stecklinge für knapp zwei Wochen in Quarantäne gehalten. Alle drei Tage wird die Behandlung mit dem Neemölpräparat wiederholt. So soll sichergestellt werden, dass sämtliche Eier und Jungtiere „erwi-scht“ werden und die Stecklinge sauber die Quarantäne verlassen.
Stecklinge gelten als Überträger von Mehltau, ein schwer zu entdeckender Angreifer, der erst dann zuschlägt, wenn die Bedingungen im Growraum für ihn passend sind. Mehltau mag eine hohe Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen (unter 22° C), besonders während des Nachtzyklus“.
Um dem Mehltau vorzu-beugen, setzen man-che Grower Anti-MehltauSprays oder Ähnliches ein, wie sie in vielen Baumärkten verkauft werden. Es kann aber schon hel-fen, wenn für ausreichend Luftaustausch und -bewegung gesorgt wird. Zudem können eine Raumluftfiltration und Luftreiniger mit ultraviolettem Licht eingesetzt werden.
Wenn der Mehltau aber Überhand zu nehmen droht, ist eine effektive Behandlung durch den Einsatz eines Schwefelbrenners möglich. Der Schwefeldampf legt sich auf alle Oberflächen der Pflanzen, Armaturen und was sich sonst so im Growraum befindet und tötet den Mehltau. Auch Menschen sollten den Schwe-feldampf nicht einatmen. Den Pflanzen hingegen macht die Prozedur wenig aus. Sie brauchen Schwefel ohnehin als Nährstoff. Der Grower wird wenig Freude haben, denn es riecht nicht gerade ange-nehm. Aber allemal besser, als sämtliche Pflanzen zu verlieren.
Mir bereitet das Ziehen von Pflanzen aus Samen oder Stecklingen eine besondere Freude, denn es ist jedesmal wie eine Reise, an deren Ende einige große und klebrige Blüten auf mich warten. Sie bringen mir viel Freude und sind gleichzeitig meine Medizin, die mir ein lebenswertes Leben ermöglicht.
In Nordamerika entwickelt sich die Cannabis-Szene rasant. Ich werde euch in meiner Rubrik im grow!-Magazin auch weiterhin über interessante und wissenswerte legale Grow-Erfahrungen berichten.

 

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