Hanfzuechter – Luc von Paradise Seeds

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Wir haben ein Interview mit einem Züch­ter geführt, den man schon zu den Urgesteinen der niederlän­dischen Hanfzüchterszene zählen kann! Seit Anfang der Neun­ziger Jahre beschäftigt er sich intensiv mit der Entwicklung und Zucht neuer Sorten und ist dabei auch vor neuen Trends nicht zurückgeschreckt. So mancher unserer Leser hat ihn vielleicht schon selbst kennenlernen können. Die von ihm kreierten Hanf­sorten zumindest sind schon weltweit bekannt! 

Die Rede ist von Luc Kroll, dem Gründer und Kopf von Paradise Seeds, der nun seit 1994 den Cannabismarkt mit seinen Sorten bereichert.

grow! Hallo Luc, erzähl uns doch, wie du damals zur Hanfszene gekommen bist.

Luc: Als ich angefangen habe, gab es noch keine Hanfszene, wie wir sie heute kennen. Es ;ab zwar schon den einen oder anderen Coffeeshop, aber was Hanfsamenbanken betraf, gab es außer Positronics und Sensi Seeds noch nichts.

grow! Das muss in den Achtzigern gewesen sein, oder?

Luc: Ja, ganz genau. Damals hatte Ben Dronkers von Sensi Seeds gerade die Firma Seedbank von Neville übernommen, der als erster überhaupt in den Niederlanden eine Hanfsamenbank eröffnet hatte. Ich war zu der Zeit auch in Amsterdam und baute meine er­sten eigenen Pflanzen an.

grow! Waren das Sorten von Sensi Seeds?

Luc: Nein, ich hatte Samen von Freunden be­kommen, die ich ausprobierte und anbaute, um sie selbst zu rauchen.

grow! Eine eigene Hanfsamenbank aufzubau­en, hattest du anfangs noch nicht im Sinn?

Luc: Nein, den Hanfanbau betrachtete ich eher als Hobby und als eine günstige Metho­de, mich selbst mit etwas Leckerem zum Rau­chen zu versorgen. Kommerzielle Interessen hatte ich damals nicht. Mir machte es viel Spaß, Hanfpflanzen anzubauen und sie mitei­nander zu kreuzen und sie so noch besser zu machen.

grow! Ich verstehe. Aber irgendwann bist du doch auf die Idee gekommen, einen Beruf da­raus zu machen.

Luc: Das war dann Anfang der Neunziger. Ich verkaufte ab und zu einen kleinen Teil meiner Ernte an einen Coffeeshop. Und irgendwann kam der Coffeeshop-Besitzer auf mich zu und meinte, er könnte auch Samen von meinem Gras verkaufen. Und so kam es, dass ich mei­ne ersten fünf Sorten selektierte und quasi meinen ersten Samenkatalog machte —Luc2 wobei das eher eine Liste als ein Katalog war.

Ein weiterer Grund für mich, richtig mit der Samenproduktion zu beginnen, war auf Grund einer Erfahrung mit der Polizei. Die kamen in meinen Anbauraum, da ich zu dem Zeitpunkt aber nur Samenpflanzen hatte, konnten sie nichts machen. Denn der Hanfanbau zur Sa­mengewinnung war damals in den Niederlan­den nicht verboten. Überhaupt war es hier zu der Zeit noch viel lockerer, wenn es um Can­nabis ging.

grow! Das hat sich ja mittlerweile stark geän­dert. Was denkst du, warum war das früher mit dem Cannabisanbau noch kein Problem?

Luc: Ich denke, das lag zum Teil daran, weil die Zeiten anders waren. Die Polizei hatte kei­ne Probleme mit den „kiffenden Hippies“, die wurden lange Zeit nicht als eine Bedrohung gesehen. Die Leute waren friedlich und haben niemandem etwas getan. Die Polizei hatte ge­nug andere Dinge, um die sie sich zu kümmern hatte, und so wurde Cannabis toleriert.

grow! Und was hat sich seitdem geändert, dass die tolerante Haltung nun dieser Verfol­gung gewichen ist?

Luc: Es wurden immer mehr Gesetze erlassen, alles wurde reglementiert. In den Niederlan­den ist es mittlerweile nicht mehr anders als in Ländern wie Deutschland, für alles gibt es Normen und Vorschriften. Der Hang zur Kon­trolle und Überwachung wird immer stärker. Gleichzeitig wird die persönliche Freiheit der Menschen zunehmend eingeschränkt. Und das hat auch auf die Cannabisbranche Aus­wirkungen. Hinzu kommt, dass in den Achtzi­gern und Anfang der Neunziger Jahre das Ha­schisch und Marijuana überwiegend aus dem Ausland kam. Es war also das Problem dieser Ursprungsländer. Heute wird der größte Teil des Cannabis, das in unseren Coffeeshops verkauft wird, in den Niederlanden angebaut und hergestellt. Und das ist ein großes Ge­schäft, mit dem sich sehr viel Geld verdie­nen lässt. Jedoch ist der Anbau von Cannabis immer noch nicht geregelt, es gibt keine Ge­setze, die sagen, was man darf und was nicht. Alles ist im Prinzip verboten. Und so hat das eine enorme Anziehungskraft auf Kriminelle, denen es nur um das schnell verdiente Geld geht. Damit ist auch viel Gewalt und Brutalität in die Cannabisszene gekommen, etwas, was wir früher überhaupt nicht kannten zumin­dest nicht im Zusammenhang mit Cannabis.

grow! Das ist ein Thema für einen ganz eige­nen Artikel. Lass uns lieber über dich und dei­ne Hanfsamenbank sprechen. Wie bist du auf die Idee gekommen, Pflanzen zu kreuzen und neue Sorten herzustellen. Haben dir die da­maligen Sorten nicht zugesagt?

Luc: Na ja, das kam anfangs aus Spaß, Neugier und Interesse. Ich wollte wissen, ob sich nicht noch bessere Pflanzen ziehen lassen, wenn man zwei gute Sorten miteinander kreuzt.

grow! Und welche Eigenschaften waren dir da­bei wichtig, ging es dir um den Ertrag oder das Aroma, oder wolltest du möglichst starke Sor­ten züchten?Luc1

Luc: Die Sorten, die es damals gab, waren noch nicht so potent und ertragreich wie heu­te. Mir ging es in den ersten Jahren vor allem darum, Pflanzen mit hohem THC-Gehalt zu züchten, die auch noch gute Erträge liefern.

grow! Für die Zucht von Cannabis braucht es doch viel Platz, immerhin müssen Mutter­pflanzen und Stecklinge produziert werden …

Luc: Ja, das stimmt. Man muss viele Samen aussähen, selektieren, Mutterpflanzen her­stellen und die Stecklinge zum Blühen brin­gen. Nur so lässt sich feststellen, welcher der Samen die genetischen Eigenschaften besitzt, die man haben möchte. Die restlichen Pflan­zen und Mütter kann man wegwerfen, um mit den selektierten von vorne zu beginnen.

grow! Alles in allem ein großer Aufwand. Wie viele Pflanzen bzw. Mütter hattest du dann?

Luc: Das waren jedes Mal einige hundert. Aus Platzgründen habe ich die aber nicht so groß werden lassen, immerhin fand alles indoor statt.

grow! Und mit Müttern allein ist es ja nicht getan, du brauchst doch auch die passende männliche Pflanze, um Samen zu produzieren

Luc: Ganz genau, und mit den männlichen ist es noch viel schwieriger und komplizierter. Ich habe mich dabei vor allem auf meine Er­fahrung und mein »Fingerspitzengefühl« ver­lassen. Ich habe mir die männlichen Pflan­zen sehr genau angeschaut und mich auf ihr Wachstum, aber auch ihren Geruch und ihr Aussehen konzentriert. Die stärkste und be­ste Pflanze habe ich herausgesucht, um mit ihr die Mutterpflanze zu bestäuben. Die dabei entstandenen Samen wurden wieder zum Kei­men gebracht, selektiert und Mutterpflanzen produziert. Und wenn die Stecklinge nicht das Ergebnis zeigten, das ich gerne sehen wollte, musste der Vorgang mit einer anderen männ­lichen Pflanze wiederholt werden. Erst wenn ich zufrieden war, wurde die neu entstandene Sorte stabilisiert, also immer wieder mit sich selbst gekreuzt, bis nach ein paar Generati­onen eine Pflanze entstand, deren Samen sta­bile Eigenschaften zeigten.

grow! Das hört sich aber so an, als wäre da auch Glück mit dabei?

Luc: Nein, Glück würde ich das nicht nennen. Wenn man weiß, was man tut und wohin man möchte, hat das eher was mit Können zu tun.

grow! Ok, ich verstehe. Seit 1999 ist in den Niederlanden der Hanfanbau zur Samengewinnung nicht mehr erlaubt. Inwiefern hat das für dich und Paradise Seeds Konsequenzen gehabt?

Luc: Das war natürlich schon ein großer Ein­schnitt. Ich hatte damals beschlossen, die Entwicklung und Produktion von Hanfsamen in die Schweiz zu verlegen. Dort hatte ich die Möglichkeit, in großen Gewächshäusern unter professionellen Bedingungen und mit hochwertigen Technologien neue Sorten zu züchten.

grow! Das ging aber auch nicht lange gut, denn in der Schweiz wurden die Gesetze ja auch verschärft.

Luc: Ja, leider. Die Schweiz hatte sich von 1995 bis etwa 2002 zu einem regelrechten Hanfmekka entwickelt, wo vieles möglich war.

grow! Wie lange warst du in der Schweiz?

Luc: Etwa zwei Jahre — zu kurz, um sich wirk­lich zu lohnen. Es hatte mich viel Geld geko­stet, das Gebäude und die Gewächshäuser richtig einzurichten, und bevor ich wirklich loslegen konnte, war es schon vorbei. Wenig­stens konnte ich dort Sorten wie Swiss Bliss oder Magic Bud entwickeln und vorhandene wie Nebula deutlich verbessern.

Dort liefen auch die ersten Versuche mit auto­matisch blühenden Sorten und mit feminisier­ten Pflanzen. Ich war der Meinung, dass sich gerade die Autoflowering-Sorten gut für den Freilandanbau in der Schweiz eignen würden, da sie schnell reifen und sich früh ernten las­sen. Leider konnte ich das Projekt dort nicht zu Ende bringen. Erst 2005 haben wir dann unsere ersten feminisierten und später auch Autoflowering-Sorten auf den Markt bringen können.

grow! Welche Vor- oder auch Nachteile ha­ben deiner Meinung nach feminisierte Hanf­samen?

Luc: Der größte Vorteil ist natürlich, dass feminisierten Samen — werden sie richtig an­gebaut — mit großer Wahrscheinlichkeit zu weiblichen Pflanzen heranwachsen. Wenn sie keinem Stress ausgesetzt werden, also keinen starken klimatischen Schwankungen, wechselnden Lichtverhältnissen oder auch schlechtem Dünger, werden nur sehr selten männliche oder zwittrige Pflanzen dabei vorhtkommen. Vorausgesetzt, die feminisierten Samen wurden entsprechend hochwertig pro­duziert und sind von guter Qualität. Außer­dem sind die Eigenschaften von feminisierten Samen stabiler, es gibt also weniger Variatihtonen als bei den regulären Samen. Das kann ein Vorteil sein, wenn man möglichst gleich­förmige Pflanzen bevorzugt. Wer allerdings die Vielfalt möchte, für den kann das auch ein Nachteil sein.

grow! Wie ist das für die Produktion von Mut­terpflanzen, würdest du dafür eher die femini­sierten oder die regulären empfehlen?

Luc: Es funktioniert mit beiden, doch der Trend geht eher zu den regulären. Viele Gro­wer glauben immer noch, dass es mit den regulären besser klappen würde. Ich habe allerdings schon Mutterpflanzen aus femini­siertem Saatgut gehabt, die über Jahre gut funktioniert haben und nicht zwittrig wurden.

grow! Lassen sich feminisierte Sorten auch problemlos outdoor anbauen? Immerhin sind dort die Bedingungen nicht immer ideal und Stress für die Pflanzen lässt sich dort nicht ohne weiteres vermeiden.

Luc: Das ist eine gute Frage. Ich selbst habe mit feminisierten Samen, auch im Outdoorein­satz, noch keine schlechten Erfahrungen ge­macht. Unter ungünstigen Voraussetzungen kann es auch mit regulärem Saatgut passie­ren, dass weibliche Pflanzen zu Zwittern wer­den. Das hat die Natur nun mal so vorgesehen und das lässt sich auch mit dem größten Auf­wand nicht wegzüchten.

grow! Warum sind die weiblichen Samen ei­gentlich so viel teurer als die regulären? Ist es so viel schwieriger, sie herzustellen?

Luc: Ja, es ist schwieriger sie herzustellen, weil bei der Herstellung weniger Pollen entsteht, also mehr Pflanzen für die Pollenproduktion benötigt werden. Außerdem ist es aufwän­diger und schwieriger sie zu selektieren, da nur rein weibliche Pflanzen für den Feminisie­rungsprozess verwendet werden sollten. Und der Prozess selbst ist aufwändiger und funkti­oniert auch nicht immer. Es braucht also teil­weise mehrere Versuche, eine rein weibliche Pflanze mit Hilfe von speziellen Chemikalien dazu zu bewegen, männlichen Pollen zu pro­duzieren.

Anderseits bieten sie dem Grower den Vorteil, dass keine männlichen Pflanzen entstehen, er also insgesamt weniger Samen braucht, um die gewünschte Anzahl weiblicher Pflanzen zu erhalten. Die regulären Samen sind zwar billi­ger, dafür braucht man im Durchschnitt aber auch doppelt so viele Samen, da die Hälfte ja männlich wird.

grow! Das heißt, unterm Strich ist der Preis also doch gleich?

Luc: Ja, wenn man berücksichtigt, dass von den regulären etwa die Hälfte weggeschmis­sen werden müssen, kommt man auf den sel­ben Preis.

grow! Ok, das ist nachvollziehbar. Was gibt es denn Neues bei Paradise Seeds?

Luc: Wir arbeiten natürlich weiter an neuen Sorten, doch das Wichtigste im Moment ist der Laden, den wir zum 1. Juni in Amsterdam eröffnen werden. Dort werden wir unsere Sor­ten verkaufen und unseren Kunden gerne alle Fragen dazu beantworten.

grow! Nur eure Sorten, oder auch von anderen Hanfsamenbanken?

Luc: Auch von ein paar anderen Samenbanken, aber nur, wenn wir von deren Qualität über­zeugt sind. Denn es ist uns wichtig, nur gute Sachen zu verkaufen, mit denen unsere Kun­den zufrieden sein können. Sonst macht das keinen Spaß — weder uns noch unseren Kun­den …

grow! Alles klar, dann danke ich dir erst mal für dieses Interview, wir werden dich sicher mal in deinem neuen Laden sehen …

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  • wie schütze ich mich vor polizei überwachung beim cannabisanbau

 

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