Die Geschichte der Hanfprohibition

  • 7. September 2011
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Wenn man sich die Menschheitsgeschichte betrachtet, dann konn­ten sich Verbote von Drogen nie lange halten oder wurden erst gar nicht ausgesprochen. Es kam zwar immer mal wieder vor, dass Herrscher den Konsum gewisser psychoaktiver Pflanzen unter Strafe stellten, doch das war selten und nie von Dauer. Das sollten wir im Hinterkopf behalten, denn auch in Deutschland war Cannabis eigentlich immer völlig legal – bis vor 82 Jahren äußere Einflüsse dazu führten, dass sie auch hier begann

Die psychoaktive Hanfpflanze war ursprüng­liche nur in Zentral- und Vorderasien beheimatet und verbreitet, die ältesten Überlieferungen zum Gebrauch von Hanf als Rauschmittel sind über 4700 Jahre alt – von einem Verbot des Konsums oder der Pflanze ist dagegen nichts bekannt. Auch in diversen ägyptischen Mumien wurden Cannabinoide nachgewiesen und wir wissen heute sehr genau, dass das Leben im alten Ägypten für den Großteil der Menschen kein Zuckerschlecken war – aber zumindest durften sie (zeitgemäß formu­liert) legal kiffen.

Mit den Jahrhunderten verbreitete sich der Hanf durch den Menschen immer weiter in alle Himmelsrichtungen und so wurde er schließlich auch in Europa wegen seiner angenehmen psychoaktiven Wirkung bekannt. Hanf wurde sowohl von den alten Griechen wie auch von den Römern für seinen entspannenden Rausch geschätzt, erst nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums geriet diese Verwendungsmöglichkeit der Hanfpflanze in Europa ein wenig in Vergessenheit. In den „Hexenmitteln“ des Mittelalters taucht Hanf dann als psychoaktiv wir­kende Substanz wieder vermehrt auf. Dabei war das Essen oder Rauchen von Cannabisblüten im Mittelalter gar nicht verboten oder vermeintlichen Hexen vor­behalten – auch wenn letztere oft und öffentlich verbrannt wurden.

Das Wissen um die    psychoaktive Wirkung des Hanfs ging zwar in diesen dunklen Jahrhunderten nicht verloren, doch das einfache Volk sah in Hanf vor allem eins: einen gefragten Agrarrohstoff. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Cannabis in Europa eigentlich „nur noch“ für die Herstellung von Papier, Seilen und Textilien angebaut.

Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die bewusstseinserweiternde Wirkung von Hanf in Mitteleuropa wie­derentdeckt. Vor allem interessierten sich die damaligen Künstler für das Rau(s) chkraut – als beliebte Konsumorte gal­ten die Kaffeehäuser der europäischen Metropolen. Tatsächlich waren dies die historischen Vorläufer der heutigen „Coffee-Shops“ und Namensgeber der modernen holländischen Variante. Das Cannabiskonsuminteresse stieg bald auch im einfachen Volk dermaßen an, dass Anfang des 20. Jahrhunderts hanf­haltige Zigaretten im Deutschen Reich frei verkäuflich und überall erhältlich waren – am verbreitetsten waren die Marken „Nil“, „Arabische Nächte“, „Harem“ oder „Wunder des Orients“. Noch in den „Goldenen Zwanzigern“ dichtete man in Berlin: „Haste Haschisch in den Taschen, haste immer was zu naschen.“ Keiner ahnte damals, wie rasant sich das gesell­schaftliche Klima ändern würde – welt­weit und regional. Deutschland war durch seine Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag, durch den Völkerbund und später als Mitglied der UNO international einge­bunden und musste sich der von den USA vorgegebenen Drogenpolitik beugen. So wurde im Jahre 1929 auch in Deutschland der Besitz von Hanf zu „Rauschzwecken“ erstmals verboten – die theoretische Höchststrafe bei Zuwiderhandlungen betrug 3 Jahre Haft. So viel Mist Deutschland in der Weltgeschichte bis dahin schon gebaut hatte und noch bauen würde: An dem Verbot der Hanfpflanze hatte es keinen Anteil und kein Interesse. Wie aber kam es dazu?

Ihren Ursprung hat die Geschichte der globalen Hanfprohibition in der Auseinandersetzung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika und den USA – also im nach wie vor existenten Rassismus der ehemaligen Sklavenhalter. Das aller­erste staatliche Hanfverbot wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Südafrika ausgesprochen, um den bei der schwar­zen Bevölkerung stark verbreiteten Hanfgebrauch „auszurotten“. Man könnte aber auch sagen, dass es den weißen Herrschern vor allem darum ging, ein zeit­gemäßes Unterdrückungsinstrument zu schaffen, dass ihnen auch weiterhin – und legal – erlaubte, ihre ehemaligen Sklaven zu schikanieren.

Auch in den USA mehrten sich ab Mitte der zwanziger Jahre die Befürworter der Hanfprohibition. Cannabis wurde zu dieser Zeit fast ausschließlich von der mexikanischen und afroamerikanischen „Unterschicht“ konsumiert, welche unter den feinen Weißen ganz allgemein als subversiv und kriminell galt. Auch in den USA steckte der Rassismus noch fest in den Köpfen und richtete sich mit der Zeit auch vermehrt gegen mexikanische Landarbeiter, die nach einem anstren­genden Arbeitstag gerne mal mit einem Tütchen Marihuana entspannten. Am mei­sten gekifft wurde in den Südstaaten ins­besondere in New Orleans, wo in den 20er Jahren viele schwarze und einige wenige weiße Jazzmusiker den Hanfgenuss ganz öffentlich zelebrierten und propagier­ten. Und so war es dann 1926 auch eine Zeitung aus New Orleans, die öffentlich behauptete, dass der Marihuanakonsum der schwarzen Bevölkerung der Auslöser für die hohe Kriminalitätsrate in dieser Bevölkerungsgruppe sei. Kurz darauf wurde der Hanfkonsum im Staate Louisiana verboten, gute 5 Jahre später war der Konsum bereits in vielen Staaten der USA illegal. Doch noch fehlte eine bun­deseinheitliche Regelung – also wurde in aller Eile eine zentrale Drogenbehörde ein­gerichtet, deren erster und langjährigster Leiter heute als DIE entscheidende Person in der Geschichte der Hanfprohibition gilt: Harry J. Anslinger.

Dass Anslinger – wie übrigens auch alle US-Präsidenten – nur ein Handlanger viel mächtigerer Hintermänner war, wird trotzdem auch heute noch gerne verschwiegen. Dabei wissen wir inzwischen ganz genau, was damals geschah und was daraus folgte: Ganze 31 Jahre gab Anslinger als Leiter der Bundesbehörde in internationalen Drogenfragen den Ton an, unter seiner Federführung wurden in den 30er bis 50er Jahren u. a. folgende Prohibitionsthesen weltweit verbreitet:

Hanf ist ein hochgefährliches Rauschgift.

Auch wenn diese These heute längst wis­senschaftlich widerlegt wurde, will es die US-Regierung noch immer nicht wahrha­ben und klassifiziert Cannabis nach wie vor als „Class-1-Drug“. In der Klasse 1 sind nur die gefährlichsten Drogen wie bei­spielsweise auch Heroin, wogegen LSD, Kokain oder Amphetamine in der Klasse 2 (also als weniger gefährlich) eingestuft sind. Alkohol und Tabak gelten als nur wenig „suchtgefährdend“ und sind legal. Da kann man doch glatt Realitätsverlust oder Schlimmeres unterstellen.

Der Hanfkonsum endet in vielen Fällen mit Mord und anderen abscheulichen Verbrechen.

Auch diese bis in die 50er Jahre von Anslinger vorgetragene Behauptung gilt heutzutage als eindeutig widerlegt. Denn das Gegenteil ist der Fall: Im Tierversuch wirkt THC beruhigend, es unterdrückt aggressives Verhalten und führt bei Affen zu einem gesteigerten Sozialverhalten. Ganz ähnlich wirkt Cannabis beim Menschen, auch hier zeigt sich ein deutlicher Abbau von Aggressionen: Während 30-50 % aller Gewaltstraftaten nach aktuellen Kriminalstatistiken unter Alkoholeinfluss begangen werden, sind solche Straftaten nach Cannabiskonsum die absolute Ausnahme.

Hanfkonsum führt zwangsläufig zum Heroingebrauch.

Damit war zugleich die noch immer gebräuchliche These von der Einstiegstheorie geboren, die jedoch nie wissenschaftlich untermauert wer­den konnte. Diese Behauptung wurde aus einem klinischen Befund hergeleitet, wonach über 95 % der heroinabhängigen Menschen zuvor auch Cannabis konsu­miert hatten. Etwa 99 % dieser Personen hatten jedoch zuvor auch Alkohol oder Nikotin konsumiert, dennoch wurden diese Drogen nie als Einstiegsdrogen bezeichnet.

Diese und viele weitere Prohibitionsthesen wurden durch den Großteil der Medien ungeprüft verbreitet – allen voran die Zeitungen des Papierfabrikanten und Medienmoguls William Randolph Hearst, der mit einem groß aufgemachten Artikel über das „Mörderkraut Marihuana“ in einer seiner Zeitungen aus New Orleans 1926 den Prohibitionsstein überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte.

Ein wichtiger Mann wie Hearst hatte natürlich einflussreiche Freunde, u. a. Lammont DuPont (ein mächtiger Chemiefabrikant) und Andrew Mellon (Bankier und US-Finanzminister). Diese drei hatten ein gemeinsames Interesse: Geld. Wenn dazu nötig war, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, dann war das für sie keine moralische Hürde, die sie nicht hätten überwinden können. Schließlich stand einiges für sie auf dem

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